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Laura Loomer: Die rechte Aktivistin ist Trumps seltsame Einflüsterin

FILE - Laura Loomer arrives at Philadelphia International Airport, Sept. 10, 2024, in Philadelphia. (AP Photo/Chris Szagola, File)
Trump Conspiracy Theories
Laura Loomer schreckt auch vor der Verbreitung von Verschwörungstheorien nicht zurück.Bild: keystone
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Laura Loomer, Trumps seltsame Einflüsterin

Die 32-jährige Journalistin schreckt vor keiner Verschwörungstheorie zurück – und sie hat das Ohr des Präsidenten.
28.08.2025, 17:0428.08.2025, 17:04
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Lange galt Marjorie Taylor Greene als die typische Vertreterin aller durchgeknallten Verschwörungstheorien – Stichwort: jüdische Laserkanonen aus dem All – und der blinden Loyalität zu Donald Trump. Doch jetzt wird die Abgeordnete aus dem Bundesstaat Georgia noch übertrumpft: von Laura Loomer, einer 32-jährigen Journalistin aus Florida. Mehr noch, die beiden sind in einen erbitterten verbalen Krieg miteinander verwickelt.

Ausgangspunkt des heftigen Streits ist die Haltung der USA zum Nahost-Konflikt. Greene hat das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza als Völkermord bezeichnet. Das hat Loomer, die sich als «temperamentvolle Jüdin» und «stolze Islamophobin» bezeichnet, auf die Palme gebracht.

Rep. Marjorie Taylor Greene, R-Ga., talks before President Donald Trump addresses a joint session of Congress in the House chamber at the U.S. Capitol in Washington, Tuesday, March 4, 2025. (AP Photo/ ...
Streitet sich mit Lara Loomer: Marjorie Taylor Greene.Bild: keystone

«Temperamentvoll» dürfte dabei die Untertreibung des Jahres sein. Sie bezichtigt Greene öffentlich, Männern in einem Gym Blowjobs verabreicht zu haben, und stellt die rhetorische Frage: «Du nennst dich eine Christin, wenn dein Mund voll mit dem Sperma anderer Männer ist?»

Loomer schreckt auch nicht davor zurück, andere prominente Vertreter der MAGA-Meute öffentlich anzugreifen, vor allem dann, wenn sie sich gegen die Interessen Israels stellen. Auch Tucker Carlson bekam deswegen sein Fett ab. Sie hat ihn als «Heuchler» und «schreckliche Person» beschimpft. Den Junggesellen und einflussreichen Senator Lindsey Graham (South Carolina) wollte sie als Homosexuellen outen.

Gleichzeitig schreckt Loomer auch vor den abstrusesten Verschwörungstheorien nicht zurück. So vertritt sie die These, wonach der Anschlag auf des World Trade Center vom 11. September 2001 ein «inside job» gewesen sei, will heissen, von den amerikanischen Geheimdiensten inszeniert – Daniele Ganser lässt grüssen –, und sie ist eine Verehrerin von Roy Cohn, dem ehemaligen Anwalt des Kommunistenfressers Joseph McCarthy. Ohne eine Miene zu verziehen, gab sie dem «Atlantic» zu Protokoll: «Joseph McCarthy hatte recht. Wir müssen ihn wieder zu alter Grösse erheben.» Auch Trump hat in jungen Jahren die Dienste von Cohn in Anspruch genommen.

Ihre extremen Ansichten haben Loomer jede Menge Ärger eingebrockt. Sie wurde von den meisten sozialen Plattformen verbannt – auf X darf sie inzwischen wieder posten – und darf die Dienste von Uber und Lyft nicht mehr in Anspruch nehmen. Einer gibt sich jedoch davon völlig ungerührt: Donald Trump. Der Präsident erklärt: «Ich weiss, dass sie eine radikale Rechte ist, aber ich denke, Laura Loomer ist eine nette Person.»

Laura Loomer uses her cell phone near Trump International Golf Club after police closed off the area following the apparent assassination attempt of Republican presidential nominee former President Do ...
Gut vernetzt: Laura Loomer.Bild: keystone

Sie ist weit mehr als eine «nette Person». Weil sie das Ohr des Präsidenten hat, gibt es Stimmen, die Loomer als eine der derzeit einflussreichsten Personen in Washington bezeichnen. Dieser Umstand ruft rundherum Kopfschütteln hervor. Charlie Sykes, ein einflussreicher Polit-Kommentator, erklärt beispielsweise in der «Financial Times»: «In einer rationalen Welt würde Laura Loomer als extremer Freak am äussersten rechten Rand betrachtet werden. Die Tatsache, dass Trump tatsächlich auf sie hört, ist eine der bemerkenswertesten Dinge dieser Präsidentschaft.»

Trump hört nicht nur auf Loomer, er befolgt auch ihre Ratschläge. Als Videos veröffentlicht wurden, in denen Kinder aus dem Gazastreifen zu sehen waren, die zwecks medizinischer Behandlung in die USA geflogen worden waren, schwafelte Loomer von einer «islamischen Invasion». Die Aktion wurde sofort eingestellt.

Loomer kann sich auch eine ganze Reihe von prominenten Skalps an die Wand nageln. Dazu wichtige Militärs, wie etwa Timothy Haugh, der ehemalige Chef des US-Geheimdienstes NSA. Trump feuerte den hochgeachteten General, weil ihm Loomer ins Ohr geflüstert hatte, er sei woke.

Vinay Prasad, der bei der US Food and Drug Administration für Impfungen und Gen-Therapien zuständig war, musste ebenfalls aufgrund von Loomer den Hut nehmen. Inzwischen hat er allerdings seinen Job zurückerhalten. Es sei auch erwähnt, dass Loomer mit ihren Attacken nicht immer Erfolg hat. Justizministerin Pam Bondi beispielsweise sitzt immer noch fest im Sattel, obwohl Loomer wegen des Epstein-Files-Flops ihre Entlassung gefordert hatte.

Ihre Karriere als Journalistin hat Loomer beim «Project Veritas» begonnen, einer rechten Gruppierung, die sich auf Enthüllungs-Journalismus gegen Linke spezialisiert. Auch als Politikerin wollte sie sich versuchen. Zweimal kandidierte sie erfolglos in Florida für einen Sitz im Abgeordnetenhaus.

Mit Trump kam sie erst 2023 in Kontakt. Der Präsident lobte sie damals für ihren Job, den sie gegen eine Kampagne von Ron DeSantis gemacht hatte. Der Gouverneur von Florida machte sich damals Hoffnungen auf das Weisse Haus. Wenig später wurde sie nach Mar-a-Lago eingeladen und auf der Stelle für Trumps Kampagne 2024 eingestellt. Inzwischen ist Loomer als Beraterin tätig. Wer sie dabei unterstützt, verrät sie nicht. «Ich arbeite mit mehreren Milliardären zusammen. Diese bezahlen mich für meine politischen Analysen.»

Im West Wing des Weissen Hauses, in dem die Mitglieder des präsidialen Stabes arbeiten, ist Loomer verhasst. Niemand weiss, gegen wen sie aus welchem Grund demnächst intrigieren will. Das lässt sie kalt. «Ich bin lieber gefürchtet als geliebt», erklärte Loomer gegenüber dem «Atlantic». «Ich habe es nicht nötig, von den Menschen, die in Washington D.C. arbeiten, geliebt zu werden.»

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139 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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zazie
28.08.2025 17:59registriert Mai 2023
Isaac Asimov ist 1992 verstorben. Sein folgender Satz war auf die USA der 80er Jahre bezogen: “There is a cult of ignorance in the United States, and there has always been. The strain of anti-intellectualism has been a constant thread winding its way through our political and cultural life, nurtured by the false notion that democracy means that 'my ignorance is just as good as your knowledge.' ”
Greene und Loomer (und Lauren Boebert, Candace Owens, Kari Lake) sind ignorant genug, um bei den MAGAs als Expertinnen zu gelten.
Sie haben Ignoranz auf ein neues Level gehoben.
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Lohner
28.08.2025 17:39registriert August 2025
Gibt es dort ennet dem Atlantik eigentlich noch irgend eine vernünftig denkende Person, die der Orange zuflüstert. Ich könnte keine erwähnen.
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Walter Sahli
28.08.2025 18:10registriert März 2014
Loomer vs. Tayler Greene. Wäre es da sehr unangebracht, "Yay! Bitch fight!" zu rufen und sich mit einem Kübel Popcorn an diesem Schauspiel zu ergötzen?
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