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Laut Bericht soll die Türkei Aufnahmen von Ermordung Khashoggis haben

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Der saudische Dissident und Journalist Khashoggi soll im saudischen Konsulat ermordet worden sein.Bild: AP/AP

Ermordet und zersägt – Türkei soll Aufnahmen von Ermordung Khashoggis haben

12.10.2018, 07:1212.10.2018, 07:31

Ein Zeitungsbericht mit höchst brisanten Schilderungen zum Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi scheint den Verdacht gegen die saudische Staatsführung zu erhärten. Laut der «Washington Post» existieren Ton- und Videoaufnahmen von einer Tötung.

Die Aufnahmen sollen belegen, dass Khashoggi vor eineinhalb Wochen im saudischen Konsulat ermordet wurde. Das Blatt, für das Khashoggi in der Vergangenheit selbst schrieb, beruft sich dabei auf Informationen türkischer und amerikanischer Offizieller. Doch der Bericht bringt auch Ankara in Erklärungsnot.

Die «Washington Post» zitiert eine anonyme Quelle, die Kenntnis von den Aufnahmen haben soll. Demnach belegen die Bänder, dass Khashoggi erst verhört, dann gefoltert und schliesslich getötet wurde. Mehreren Offiziellen zufolge sei die Leiche des Journalisten anschliessend zerstückelt worden.

Leiche zerstückelt in Koffern weggebracht

Zuvor hatte schon die «New York Times» unter Berufung auf türkische Sicherheitskreise berichtet, dass ein Team saudischer Agenten Khashoggi in dem Konsulat getötet, seinen Körper danach mit einer Knochensäge zerstückelt und die Reste mutmasslich in Koffern aus dem Konsulat geschafft habe.

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Das Bild soll die Maschine von saudischen Agenten zeigen.Bild: EPA/SABAH NEWSPAPER

Nach Informationen der Zeitung scheut die türkische Seite eine Veröffentlichung der Aufnahmen, um nicht zu offenbaren, wie Einrichtungen ausländischer Staaten in der Türkei ausspioniert werden. Unklar sei deshalb auch, inwiefern amerikanische Stellen das angebliche Beweismaterial bereits einsehen durften. Die türkische Regierung habe US-Regierungsvertretern aber versichert, im Besitz kompromittierender Aufnahmen zu sein, die keinen Zweifel an der Mordthese lassen.

Neue Dimension

Sollte sich die Türkei tatsächlich Aufnahmen aus dem Innern der Landesvertretung der Regionalmacht Saudi-Arabien verschafft oder diese gar selbst heimlich angefertigt haben, würde der ohnehin bereits zur Staatsaffäre ausgewachsene Fall Khashoggi nochmals neue Dimensionen bekommen.

Khashoggi (59) hatte am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Seitdem wird er vermisst. Den schon nach kurzer Zeit von türkischer Seite erhobenen Vorwurf, der Regimekritiker sei im Konsulat ermordet worden, weist Saudi-Arabien zurück. Zudem hat die Führung in Riad eine Aufklärung des Falls versprochen.

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Videoaufnahmen sollen Khashoggi bei dem Betreten des saudischen Konsulats zeigen. Bild: EPA/SABAH NEWSPAPER

Zwar kündigte das türkische Präsidialamt am Donnerstag die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit Saudi-Arabien an, um den Fall «in all seinen Facetten» zu beleuchten und aufzuklären. Skeptiker, die an der Ernsthaftigkeit dieser Absichten zweifeln, dürften sich durch die jüngsten Medienberichte aber bestätigt sehen.

Khashoggi war vor mehr als einem Jahr aus Angst vor politischer Verfolgung ins US-Exil gegangen. Dort schrieb er unter anderem Artikel für die «Washington Post», die er mit Jamal Khashoggi zeichnete. Der Journalist begrüsste zwar grundsätzlich die Reformen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, kritisierte aber dessen zunehmend autoritäre Herrschaft.

USA erhöhen Druck

Die US-Regierung erhöhte am Donnerstag (Ortszeit) den Druck auf ihren engen Verbündeten Saudi-Arabien. Zwar weile der saudische Botschafter in den USA derzeit in Riad, sagte Aussenministeriumssprecherin Heather Nauert. Allerdings fügte sie hinzu: «Wir haben ihm gesagt, dass wir bei seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten Informationen erwarten.»

Nauert betonte, sie wolle vor dem Abschluss einer Untersuchung keine Schuldzuweisungen treffen. «Wir wissen nicht, was passiert ist», sagte sie. Die US-Regierung sei jedoch «extrem besorgt über die Situation», die grösste Aufmerksamkeit auf der höchsten Ebene geniesse.

Mehrere republikanische und demokratische US-Senatoren forderten US-Präsident Donald Trump auf zu prüfen, ob in dem Fall eine schwere Menschenrechtsverletzung vorliege und Sanktionen verhängt werden sollten. Hintergrund ist der sogenannte Magnitsky-Akt, der die US-Regierung in solchen Fällen zu Strafmassnahmen wie Einreisesperren und dem Einfrieren von Vermögen ermächtigt. Die Senatoren forderten Trump auf, dem Auswärtigen Ausschuss in 120 Tagen zu berichten.

US-Präsident Donald Trump sagte dem Sender Fox News am Donnerstag: «Wir wollen herausfinden, was passiert ist.» Er nannte das Verschwinden Khashoggi «einen furchtbaren, furchtbaren Präzedenzfall». Khashoggi sei zwar kein amerikanischer Staatsbürger, «aber in diesem Fall spielt das keine Rolle». (sda/dpa)

Der türkische Präsident wollte eigentlich Fussballer werden

Video: srf
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