Mutmassliche Affäre mit chinesischer Agentin: Nvidia-CEO Huang im Spionageverdacht
Einer der mächtigsten CEOs der Welt, eine chinesische Spionin und eine angebliche Liebesbeziehung. Die Gerüchte um Nvidia-Chef Jensen Huang hören sich wie ein Wirtschaftsthriller aus Hollywood an. Doch das Ganze spielt sich nicht auf der Leinwand, sondern in der Realität ab.
Aber was ist genau passiert?
Jensen Huang, CEO von Nvidia, einem der grössten Grafikprozessoren- und Chipunternehmen der Welt, soll eine Beziehung zu einer chinesischen Spionin gehabt und so die Sicherheit der USA gefährdet haben.
Am Freitag berichteten sowohl die New York Times wie auch die Financial Times – nachdem es bereits in den Tagen zuvor mehrere Berichte gab – übereinstimmend, dass Huang nicht nur eine geschäftliche, sondern auch eine romantische Beziehung mit der chinesischen Geschäftsfrau Alice Huang gehabt haben soll.
Und diese soll gemäss einem internen Memo, das unter US-Politikerinnen und US-Politikern zirkuliert, in der Tat eine chinesische Spionin gewesen sein.
Alice Huang ist eine Führungskraft bei Megaspeed, einem Kunden von Nvidia mit Sitz in Singapur. Das Unternehmen hat in Südostasien Datenzentren errichtet und deren Rechenleistung anschliessend an den chinesischen Internetgiganten Alibaba vermietet, «wodurch China Hintertürzugang zu hochmodernen Nvidia-Chips erhalten hat», wie es im Bericht der NYT heisst. Direkte Exporte von solchen hochmodernen Chips, die weltweit gefragt sind, sind aufgrund von Einschränkungen der USA betreffend China nicht erlaubt.
Nvidia-CEO Huang pocht bereits seit längerer Zeit darauf, dass die US-Regierung Chipherstellern den Verkauf von KI-Technologien an China gestatten solle. Er argumentiert, dass dies zu mehr Konkurrenz für den chinesischen Technologieriesen Huawei führen und so die dortige KI-Entwicklung verlangsamen würde.
2025 überzeugte Huang die Trump-Regierung, ein Verkaufsverbot für KI-Chips nach China aufzuheben. Nvidia wurde später gestattet, im Reich der Mitte einen weniger leistungsstarken Chip zu verkaufen.
Nun stellt sich die Frage: Was für eine Rolle spielte die Beziehung der beiden in der ganzen Sache?
Alice Huangs Ziel soll gemäss den Berichten jedenfalls gewesen sein, Informationen über den Nvidia-Chef zu sammeln und ihn davon zu überzeugen, sich bei der US-Administration dafür einzusetzen, dass gewisse Chipexporte nach China genehmigt werden.
Brisant ist zudem, dass auch US-Präsident Donald Trump bereits im letzten Jahr über die angebliche Beziehung der beiden informiert gewesen sein soll – aber sich dazu entschloss, nichts zu unternehmen.
Unklar ist, wann sich Alice Huang und Jensen Huang kennengelernt haben. 2024 wurden die beiden in einer Bar in Taipeh fotografiert.
Nvidia dementiert die Berichte gegenüber dem US-Sender ABC News und spricht von einem «gewöhnlichen Geschäftskontakt» ihres CEOs:
Auch das chinesische Aussenministerium hat die Vorwürfe einer angeblichen Spionageaffäre zurückgewiesen. «Die Berichte sind unbegründet und stellen reine Verleumdungen gegen China dar», so ein Sprecher gegenüber der «New York Times». Nicht zu den Gerüchten geäussert hat sich das Weisse Haus.
Kongress wird aktiv
Mittlerweile ist die Geschichte auch Thema im US-Kongress. Am Donnerstag, also noch vor den Berichten am Freitag, haben Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses Huang um Informationen zu seiner Beziehung zu Alice Huang gebeten, um festzustellen, «inwieweit die nationale Sicherheit der USA gefährdet wurde».
Der demokratische Abgeordnete Chris Coons schrieb am Samstag mit Verweis auf den Artikel der «New York Times» auf X:
Gemäss CNBC soll Huang drei republikanischen Ausschussvorsitzenden im US-Repräsentantenhaus am 18. November hinter verschlossenen Türen Auskunft zur angeblichen Beziehung mit Alice Huang geben. Einen Tag also, nachdem Nvidia voraussichtlich seine Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlichen wird.
