Aufatmen in Ceuta: Trotz Netz-Aufrufen kein neuer Ansturm – 294 Festnahmen
Der befürchtete neue Ansturm von Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta ist ausgeblieben. Trotz Aufrufen in Online-Netzwerken, erneut wie schon Ende Juli in Massen die Grenze zu überwinden, blieb die Lage am Wochenende ruhig. Spanien und vor allem Marokko hatten ihre Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld deutlich verstärkt.
Zwar wurden rund 300 Migranten, die mutmasslich zur Exklave wollten, von Sicherheitskräften nahe der rund 20 Kilometer entfernten Grenzstadt Fnideq gestoppt, wie Medien unter Berufung auf marokkanische Behörden berichteten. Diese Zahl ist aber Alltag. Entsprechend bilanzierte die Zeitung «El Mundo»: «Das Regime von König Mohammed VI. hat ein derart massives Sicherheitsaufgebot an der Grenze aufgefahren, dass so wenige Maghrebiner wie seit langem nicht mehr versucht haben, nach Spanien zu gelangen.»
Angst vor Chaos, dann Aufatmen
Die Erleichterung in Ceuta war gross. «Die Exklave atmete am Samstag auf», berichteten die Zeitung «El Correo» und andere spanische Medien unisono. Eine ältere Anwohnerin sagte im Fernsehen: «Uns fällt ein Stein vom Herzen. Viele hier hatten grosse Angst, dass sich das Chaos wiederholt.» Ende Juli waren Schätzungen zufolge bis zu 80.000 Migranten nach Ceuta gelangt, von denen kurz darauf die allermeisten wieder nach Marokko zurückkehrten.
Den Eindruck einer weitgehend entspannten Lage bestätigte auch ein dpa-Reporter vor Ort. Im Stadtzentrum sei so etwas wie heile Welt. «Man sieht nur gelegentlich Polizei und Militär, die patrouillieren.» Nur in den Aussenbezirken seien grössere Gruppen junger Migranten zu sehen, erzählte er. Auch am Sonntag sei es ruhig gewesen.
Marokkanische Sicherheitskräfte waren Augenzeugen zufolge rund um Ceuta und auch an der Grenze zur zweiten spanischen Exklave Melilla mit einem Grossaufgebot im Einsatz - und verhinderten mögliche Grenzübertritte bereits weit vor der Grenze. Nach Angaben marokkanischer Sicherheitskreise wurden dort 294 Menschen festgenommen, darunter 248 aus Ländern südlich der Sahara sowie 46 Marokkaner. Zudem seien mindestens 61 weitere Personen wegen des Verdachts festgenommen worden, in sozialen Netzwerken zu irregulärer Migration aufgerufen oder diese gefördert zu haben.
Stacheldraht, Wasserwerfer und Patrouillenboote
Mit der Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen wollten die Behörden beider Länder verhindern, dass sich die Ereignisse von Ende Juli wiederholen, als nach verschiedenen Schätzungen Zehntausende Migranten nach Ceuta gelangten. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska hatte dieser Tage vor dem Hintergrund der neuen Sorgen erneut betont, die damalige Massenankunft sei ein «aussergewöhnliches» Ereignis gewesen, das sich nicht wiederholen werde.
In Fnideq errichetete Marokko laut RTVE unter anderem zusätzliche Sperren aus Stacheldraht und Nato-Draht. Patrouillenboote überwachten die Küste, Wasserwerfer standen an der Grenze bereit. Zudem wurden auf den Zufahrtsstrassen zahlreiche Kontrollstellen eingerichtet. (hkl/sda/dpa)
