Isabella Rossellini und 4 Stunden «Dances With Wolves»: Das läuft im August in Locarno
Familiengeschichten, historische Figuren oder Klassiker von Lynch, Scorsese und Costner sowie Petra Volpes erster englischsprachiger Film: Am 79. Locarno Film Festival gehen 233 Werke aus aller Welt über die Leinwand. 7759 wurden eingereicht, was ein neuer Rekord und im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 22 Prozent ist. 17 Filme kämpfen im Concorso Internazionale um den Hauptpreis. Auch eine Schweizer Koproduktion hat Chancen auf den Goldenen Leoparden.
Neben Neuentdeckungen bietet die Piazza Grande innerhalb der Mitternachtsvorstellungen auch Klassiker. Da ist einerseits David Lynchs düstere, surreale und romantische Komödie «Wild at Heart» (1990) mit Nicolas Cage, Isabella Rossellini und Laura Dern. Rossellini wird den Film in Locarno begleiten und den Excellence Award für ihr Lebenswerk entgegennehmen. Weitere prominente Gäste sind heuer in Locarno die Schauspielerinnen Isabelle Huppert, Asia Argento und Virginie Efira sowie der Regisseur Darren Aronofsky. Ein zusätzlicher prominenter Name soll erst später verkündet werden.
Generell sei der internationale Wettbewerb geprägt von «erzählstarken Filmen, die oft Familien im Mittelpunkt haben», so Nazzaro. Einer davon ist die Literaturverfilmung «Alberi erranti» des italienischen Regisseurs Salvatore Mereu. Das Drama verwebt die Geschichte dreier sardischer Familien.
Petra Volpes erster englischsprachiger Film
Ausserhalb des Wettbewerbs ist für Besuchende das Freilufterlebnis auf der Piazza Grande jeweils etwas Besonderes. Eine Familiengeschichte ist hier auch der Eröffnungsfilm «Les yeux verts» von Fanny Liatard und Jérémy Trouilh. Im Mittelpunkt des Dramas, das zwischen Realität und Traumwelt oszilliert, steht ein Mädchen, das mit seiner geflüchteten Familie in Frankreich lebt.
Zu sehen gibt es auf der Piazza Grande auch die Beziehungskomödie «The Invite» als Schweizer Premiere. Die US-amerikanische Filmemacherin Olivia Wilde, die als Regisseurin mit dem Thriller «Don't Worry Darling» (2022) überzeugte, habe mit ihrem neuen Film einen der ganz grossen Erfolge der kommenden Filmsaison gedreht, so Nazzaro. «The Invite» mit Wilde, Seth Rogen, Penélope Cruz und Edward Norton auf der Piazza Grande zu zeigen, ist eine grossartige Idee, der Film ist schlicht wahnsinnig lustig.
Petra Volpes neuester Film wird auch auf der Piazza Grande gezeigt. «Frank & Louis» über eine Männerfreundschaft im Gefängnis ist der erste englischsprachige Film der italienisch-schweizerischen Filmemacherin, zu deren Werken etwa «Die göttliche Ordnung» (2017) oder «Heldin» (2025) gehören. «Frank & Louis» hatte am Sundance Film Festival in Utah seine Weltpremiere. Es sei «ein Film über die menschliche Würde», beschrieb ihn Giona A. Nazzaro an der Medienkonferenz. Beide Regisseurinnen, sowohl Olivia Wilde als auch Petra Volpe, werden nach Locarno kommen.
Reale Figuren und Begebenheiten
So einige Filme auf der Piazza Grande sind von wahren Figuren oder Begebenheiten inspiriert. Dazu gehört neben dem Eröffnungsfilm Peter Brunners Spielfilm «Down the Arm of God». Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Pastors in Texas, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Obdachlosen zu helfen.
Der historische Thriller «Ich ist ein Anderer» erzählt von einer Figur, die es gab. Der Film des deutschen Regisseurs Felix Randau handelt von Felix Kersten, dem einstigen Masseur Heinrich Himmlers, der behauptete, während des Zweiten Weltkriegs vielen Juden das Leben gerettet zu haben. Der Film zeige, wie wichtig es ist, alles zu tun, um an die Wahrheit zu gelangen, sagte Nazzaro.
Auch das historische Drama «Il Cileno» von Regisseur Sergio Castro-San Martín erzählt von einer wahren Persönlichkeit. Der Film spielt 1976 und handelt vom chilenischen Revolutionär Aldo Marín, der nach Italien flieht und in den 1970er-Jahren in die anarchistische Szene von Turin gerät. Einige Teile der italienisch-chilenisch-schweizerischen Koproduktion wurden im Tessin gedreht.
Klassiker um Mitternacht
Neben Neuentdeckungen bietet die Piazza Grande innerhalb der Mitternachtsvorstellungen auch Klassiker. Da ist einerseits David Lynchs düstere, surreale und romantische Komödie «Wild at Heart» (1990) mit Nicolas Cage, Isabella Rossellini und Laura Dern. Rossellini wird den Film in Locarno begleiten und den Excellence Award für ihr Lebenswerk entgegennehmen. Weitere prominente Gäste sind heuer in Locarno die Schauspielerinnen Isabelle Huppert, Asia Argento und Virginie Efira sowie der Regisseur Darren Aronofsky. Ein zusätzlicher prominenter Name soll erst später verkündet werden.
Bis vier Uhr früh wird die Mitternachtsvorstellung von Kevin Costners preisgekröntem Klassiker «Dances With Wolves» dauern. Das Publikum wird hier eine restaurierte 4K-Version des Films sehen, der bisher ungesehene Szenen enthält. Ein weiterer Klassiker auf der Piazza Grande ist Martin Scorseses «Taxi Driver». Der Film-Noir mit der epischen und von Robert de Niro improvisierten «You Talkin' to Me»-Szene ist vor 50 Jahren erschienen.
Zwischen dem 5. und 15. August sind 233 Werke am Locarno Film Festival zu sehen. Davon sind 103 Weltpremieren. Auf dem Programm des Locarno Film Festivals stehen ausserdem 28 Schweizer Filme sowie 8 Schweizer Koproduktionen.
Die Dokuserie «Der Engelmacher» der Schweizer Regisseurin Marina Klauser wird beispielsweise als Weltpremiere gezeigt. Sie erzählt die Geschichte der Schweizer Glaubensgemeinschaft Methernita und ihres Gründers Paul Baumann, der mit sexuellem Missbrauch in Verbindung gebracht wird. (sme/nil/sda)
