Taylor & Travis: Was für ein hohler Hochzeits-Zirkus
Was, liebe Eltern von Babys und kleinen Kindern, bedeutet es eigentlich, wenn es eurem Nachwuchs «de Nuggi lupft»? Wie genau geht das? Passiert es, wenn das Kind des Nuggis überdrüssig ist? Speit es ihn dann aus? Ich habe keine Ahnung von so was. Und auch nicht von diesem seltsamen Wunsch vieler Frauen, sich ein Kleid zuzulegen, das so viel kostet wie drei Wochen Ferien und das sie vermutlich ein einziges Mal im Leben tragen, und darin quasi als Jungfrau verkleidet vor den Altar zu treten. Es gab viel Verschrobenes in meiner kindlichen und pubertären Lebensplanung, das auch nicht besser war als Braut – Königin, Primaballerina –, aber den Traum in Weiss träumte ich nie. Wie beim gelupften Nuggi bin ich auch hier dankbar für sachdienliche Hinweise.
Das Hochzeitstheater von Taylor Swift und Travis Kelce habe ich tagelang etwa so intensiv verfolgt, wie ich die Musik von Taylor Swift höre, also von gar nicht bis minimal amüsiert. Aber man kam ja nicht darum herum. Denn alle Medien schrieben, dass man nichts schreiben könne. Tagelang. Vier Reporterinnen der New York Times recherchierten, dass das Event im Madison Square Garden mindestens zwölf Millionen Dollar kostet. Nein, kosten könnte. Alles war Ahnung. Sonst nichts.
Es gab viele Mutmassungen darüber, wie ein Ehevertrag der beiden aussehen könnte. Schliesslich ist er reich und sie eine Milliardärin, was im Vergleich zu Normalsterblichen unvorstellbar reich ist, im Vergleich zum Billionär Elon Musk allerdings nicht viel. Sie ist auch noch lange nicht die reichste Frau der Welt, da gibt's noch viele, viele Milliardärinnen vor ihr. Trotzdem sind die beiden innerhalb des Wirtschaftszweigs Populärkultur eine grosse Fusion zweier Brands.
Man sah: Lieferwagen, gezogene Vorhänge, ein paar Promis, die beim Verlassen des Events deutlich zerrütteter aussahen als beim Betreten (Hugh Grant). Die «Bild»-Zeitung hatte ein Sonderberichterstattungs-Team vor dem MSG positioniert, das Seifenblasen aus Nullinformationen steigen liess.
«Nur langsam tröpfeln Details über die Hochzeitsparty von Taylor Swift und Travis Kelce an die Öffentlichkeit», wusste der Spiegel. Eines davon ist, dass die «Girls»-Schöpferin Lena Dunham etliche Gäste mit dem Spruch «American Football, das sind bloss Heteros, die Schwulenpornos nachstellen» schockiert haben soll. Adam Sandler sei der Zeremonienmeister gewesen. Travis Kelce habe viel geweint. Und Paul McCartney habe seit 60 Jahren zum ersten Mal wieder den Beatles-Hit «I Want to Hold Your Hand» gesungen. Irgendwann dann sehr verschwommene Fotos des Paares, sie waren wirklich nicht überwältigend, auch wenn ihr Kleid von Dior war.
Auch aus der New York Times ist zu erfahren, dass die immerzu in your face ausgestellte grosse Liebesinszenierung der beiden jetzt dem neuen Trend des «Chalant Dating» entspräche. Chalant ist das Gegenteil von nonchalant. Also das Gegenteil von selbstverständlich, gelassen, beiläufig, entspannt.
Irgendwann lupfte es mir den Nuggi. Was für eine Scheisspromihochzeit war das! Die New Yorker Polizei überlastet mit Sondersicherheitsmassnahmen, der Verkehr beeinträchtigt, Quartiere abgesperrt. Wieso soll die Öffentlichkeit davon betroffen sein, dass zwei, die ihren Reichtum dank der Öffentlichkeit gemacht haben, jetzt total von ihr abgeschieden, aber dennoch mitten in New York heiraten müssen? Wieso nicht irgendwo auf einer Insel? Royals liefern wenigstens ordentliche TV-Übertragungen, Taylor und Travis liefern (bis jetzt) nichts.
Jeder vor dem MSG wartende Fan wird zum potenziellen Feind und insgesamt ist das überhaupt kein bisschen sympathischer als letztes Jahr die Hochzeit von Jeff Bezos und Lauren Sanchez in Venedig.
Gleichzeitig tröpfelten auf Instagram vergnügte Bilder einer anderen Promihochzeit ein. Aurora, die Tochter von Michelle Hunziker und Eros Ramazzotti hatte in einem kleinen Schloss auf Sizilien geheiratet. Es war eine grosse Gartenparty, Michelle, die ja aktuell mit einem in Erotikfilmen spielenden Schönheitschirurgen liiert ist, hatte mit Eros anscheinend die beste Zeit, die zwei Geschiedene haben können. Natürlich sind Eros, Michelle und Aurora mausarm im Vergleich zu Taylor und Travis, aber ihre Bilder zeugen von einem lustigen, chaotischen, familiären Fest, auf dem viel spontan gesungen und getanzt wurde und das (hoffentlich) niemanden störte.
Und dann sind da noch Zendaya und Tom Holland. Das aktuell bestgebuchte und kassenmächtigste Hollywoodpaar schlechthin. Angeblich – jedenfalls suggerierte dies Tom Holland neulich und die Ringe an Zendayas Hand passen dazu – haben die beiden ja heimlich geheiratet. Nur im Familien- und Freundeskreis, wie Zendaya sich das immer wünschte. Falls das stimmt, was wir ja nicht wissen: Danke für so viel Nonchalance.
