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Tagesschau in Einfacher Sprache: Richtiger Entscheid – ein Kommentar

«Tagesschau» in Einfacher Sprache, 17. Juni 2024.Video: YouTube/tagesschau
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«Tagesschau» in Einfacher Sprache: Warum es das braucht

Die deutsche Tagesschau gibt es seit letzter Woche auch in Einfacher Sprache. Warum das nötig ist.
18.06.2024, 20:06
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Die deutsche «Tagesschau» veröffentlicht jetzt auch Nachrichten in Einfacher Sprache. Darüber berichteten wir letzte Woche. Es war nur eine kleine Meldung, doch sie generierte 118 Kommentare.

Was mich dabei überraschte, war der Tenor, der mit viel Kulturpessimismus bereits den Untergang der Gesellschaft zu erahnen schien. Dabei geht es der ARD weder darum, ihr Publikum für dumm zu verkaufen noch zu bevormunden.

Den Grund liefert sie gleich selbst, wie auch in unserer Meldung zu lesen war:

«Etwa 17 Millionen Erwachsene in Deutschland haben Probleme damit, komplexe Texte zu verstehen. Damit auch sie sich über aktuelle Themen informieren können, strahlt die ‹Tagesschau› ab sofort Fernsehnachrichten in Einfacher Sprache aus.»

Es ist nun mal eine Tatsache, dass ein beachtlicher Teil der Gesellschaft komplexe Texte nicht versteht. Die Gründe dafür können verschieden sein und sind hier auch nicht entscheidend.

Schöne Sprache hat ihre Berechtigung und ihren Platz. Poetische Texte und Literatur generell leben davon. Doch in den meisten Fällen soll Sprache vor allem eines: Kommunikation ermöglichen.

Gesellschaftliche Teilhabe

Menschen haben ein Recht darauf, informiert zu werden. Dass die deutsche «Tagesschau» mit der Einfachen Sprache diese Informationen nun leichter zugänglich macht, ist richtig. Gerade in einer liberalen Demokratie ist es essenziell, dass alle Zugang zu Nachrichten erhalten.

In einer Zeit, in der Russland die liberale Demokratie bedroht und immer offener bekämpft, ist es nötig, ebendiese Demokratie zu stärken und möglichst vielen die Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs zu ermöglichen.

Menschen, die auf Inhalte in Einfacher Sprache angewiesen sind, sind nicht dumm. Es ist darum wichtig, dass solche Beiträge das Publikum nicht bevormunden und die Nachrichten nicht interpretiert werden. Bericht und Kommentar müssen in guter journalistischer Manier klar getrennt werden.

Und wer lieber die gewohnte «Tagesschau» schauen möchte, der kann auf ARD weiterhin und wie gewohnt in der Standard-Sprache schauen.

In diesem Sinne: Texte in Einfacher Sprache sind ein Beitrag zur Barrierefreiheit. Was für die einen selbstverständlich ist, ist für andere nur mit Mühe oder gar nicht erreichbar. Als Stotterer kann ich ein Lied davon singen. Mehr dazu liest du hier:

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160 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Acai
18.06.2024 21:16registriert März 2017
Durch Corona ist mir bewusst geworden, dass eine beachtliche Anzahl Menschen eher bildungsfernen unterwegs sind. Warum auch immer.
Dass man versucht, auch diese zu erreichen finde ich positiv. Einfach Sprache kann Inhalte verständlich machen, die sonst eben untergehen.
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WatSohn?
18.06.2024 21:11registriert Juni 2020
Ich habe mehrere Schulungen gemacht und Texte in „einfache“ und „leichte Sprache“ übersetzt. „Leichte Sprache“ ist noch einfacher zu lesen als „Einfache Sprache“ und dafür gibt es spezielle Regeln. Man sollte die Möglichkeit, die deutsche Sprache möglichst allen zugänglich zu machen vermehrt nutzen. Ich plädiere z.B. dafür, dass man z.B. für die theoretischen Fahrprüfung für ausländische Bewerber die Texte nicht in deren Muttersprache, sondern in „Leichter Sprache“ in Deutsch anbieten würde. Das wäre ein sinnvoller Beitrag um die Integration zu fördern.
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Kramofix
18.06.2024 20:58registriert August 2021
Unglaublich, wie negativ manche Menschen reagieren können, nur weil anderen etwas gegeben wird. Euch wird doch nicht mal was weggenommen! Wie verkommen kann man eigentlich sein?
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