Die Seife ist die neue Luxushandtasche
Menschen zeigen mit Statussymbolen gerne, dass sie sich bestimmte Dinge leisten können. Mit Luxus grenzen sie sich von anderen ab und signalisieren ihren sozialen Status. Sie möchten als erfolgreich und wohlhabend wahrgenommen werden.
Blöd nur, wenn die Taschen von Marken wie Louis Vuitton oder Chanel so extrem teuer sind. Wer kein Vermögen für Luxusgüter ausgeben möchte, kann auf eine vergleichsweise günstige Variante zurückgreifen: die Handseife.
Seife wird inszeniert
«Das Badezimmer wird zur Bühne für Statussymbole», schreibt Highsnobiety, ein internationales Lifestyle-Medium, das über Mode, Kultur, Musik, Kunst und Trends berichtet. Statussymbole finden sich inzwischen in so vielen scheinbar alltäglichen Produkten.
Marken wie Aesop sind aus einem stilvollen Badezimmer kaum noch wegzudenken. Trendige Marken wie Loewe rücken das Händewaschen mit Seifen, die etwa nach Tomate oder Oregano duften, in den Mittelpunkt.
Kenner greifen auf Namen wie Byredo, Diptyque oder Le Labo zurück. Ein kleiner Pumpstoss kann bereits ein Stück Luxus bedeuten und von einem Leben träumen lassen, das man sich eines Tages erhofft. Seife wird als Teil einer ästhetischen Einrichtung inszeniert und dient auf Fotos als Statussymbol. Und Gastgeber, deren Gäste die Luxusseife auf der Gästetoilette benutzen, hinterlassen damit gleich einen bleibenden Eindruck. Gleichzeitig ist Seife ein Produkt, das sich unkompliziert teilen und gemeinsam geniessen lässt.
Lippenstift-Index
Vergleichbar ist dieses Phänomen mit dem Lippenstift als erschwinglichem Ersatz für ein teureres Luxusprodukt. Beschrieben wird es durch den sogenannten Lippenstift-Index. Dieser stellt einen Zusammenhang zwischen dem Absatz von Lippenstiften und der wirtschaftlichen Lage her: Je schlechter die Wirtschaftslage, desto höher der Absatz von Lippenstiften.
Dieses Phänomen stellte Leonard Lauder, ehemaliger Geschäftsführer vom Kosmetikunternehmen Estée Lauder, während der Rezession 2001 und nach 9/11 fest. Der Kauf von günstigen Kosmetika dient seiner Meinung nach in wirtschaftlich schlechten Zeiten als Ersatz für den Kauf teurerer Produkte wie Kleidung oder Schuhe.
Da nur ein Unternehmen Teil der Untersuchung war, wurde die Studie als nicht repräsentativ angesehen. Doch die Geschichte zeigt: In Krisenzeiten erhielt der Lippenstift einen Boom, wie Studien zu der Grossen Depression Anfang der 30er-Jahre bestätigten. Und auch während der Wirtschaftskrise 2008 gehörten günstige Kosmetika in Deutschland zu den meistverkauften Produkten. Das Phänomen gibt es auch bei den Männern, diese kaufen aber lieber Parfüm.
Angefangen als Luxusprodukt
Seife als Luxusprodukt ist nichts Neues. Sie blieb jahrhundertelang ein Statussymbol. Handgefertigt, teuer und meist mit Kräutern und Blumenduft, war sie für die Elite vorgesehen und hatte einen ähnlichen Stand wie Parfüm, schreibt Medium.
Gefunden wurden seifenähnliche Substanzen aus Fett und Asche bereits im Jahr 2800 v. Chr. Auch die alten Ägypter verwendeten seifenähnliche Substanzen zum Waschen und sogar zur Behandlung von Hautkrankheiten. Bei den Römern, mit ihrer berühmten Bäderkultur, galt die Seife immer noch als selten und teuer. Nur Reiche konnten sie sich leisten. Im mittelalterlichen Europa blieb die Seifenherstellung den Klöstern vorbehalten. Bei den ärmeren Menschen wurde das Waschen oft mit Wasser, Sand oder Asche durchgeführt.
Dies begann sich im 18. und 19. Jahrhundert zu ändern. Durch chemische Fortschritte und die industrielle Produktion entwickelte sich Seife zum Massenprodukt und wurde erschwinglicher. Die hohe Steuer auf Seife als Luxusartikel wurde abgeschafft. Und regelmässiges Händewaschen gewann zunehmend an Bedeutung.
Nachdem Seifen Ende der 2000er-Jahre bereits zum kleinen Luxusprodukt avancierten, wurden sie während der Corona-Pandemie vorübergehend wieder zum unverzichtbaren Hygieneartikel im Alltag. Nun erlebt die Seife als Luxusprodukt ein Comeback.
Ein Bericht aus dem Jahr 2024 von Expert Market Research besagt, dass der globale Seifenmarkt bis 2032 über 36 Milliarden Dollar an Umsatz erreichen könnte. Luxus-Seifenprodukte tragen ihren Teil dazu bei. Laut der Analyse sind die Entwicklung von Luxusseifen sowie die wachsenden verfügbaren Einkommen der Millennials wichtige Faktoren für das Wachstum der Branche.
Stars nutzen den Hype
Den Trend von Alltagsprodukten als Lifestyle-Produkt erkannt haben auch einige Stars, die damit versuchen, sich ein goldenes Näschen zu verdienen. So lancierte Schauspielerin Gwyneth Paltrow schon 2018 mit ihrem Lifestyle-Unternehmen «Goop» ein Badesalz. Weltweit bekannt wurde zudem ihre Vagina-Kerze.
2025 brachte Sydney Sweeney in Zusammenarbeit mit der Marke «Dr. Squatch» eine limitierte Peelingseife auf den Markt, die «einen Hauch von Sydneys echtem Badewasser» enthalten sollte.
