Musig im Pflegidach

Alec Orea @ Musig im Pflegidach, Muri

Jochen Rueckert New Quartet @ Musig im Pflegidach, Muri

Wenn Freundschaft hörbar wird

Am Sonntagabend wurde das Pflegidach in Muri wie jeden Sonntag zu einem kleinen Jazzraum. Schon beim Eintreffen lag eine lockere und warme Atmosphäre in der Luft. Vier Musiker, die ursprünglich aus Brasilien und Kuba stammen, standen gemeinsam auf der Bühne und liessen das Publikum staunen.
19.04.2026, 07:0721.04.2026, 07:07
Kim Schmid & Alicia Imhof

Der Einstieg gehörte dem Klavier. Ein ruhiges, fast vorsichtiges Solo eröffnete den Abend, klar und emotional. Nach und nach setzten Bass und das Schlagzeug ein, zunächst zurückhaltend, dann immer selbstbewusster. Die Klarinette durchbrach dieses ruhige Zusammenspiel plötzlich mit hellen, fröhlichen Klängen. Der Wechsel zwischen leise und laut, zwischen Spannung und Entladung füllten den Raum sofort.

Hinweis
Die Autorin ist Schülerin an der Kantonsschule Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schülerinnen und Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Musikalisches Zusammenspiel und spürbare Verbundenheit

Auffällig war nicht nur die Musik, sondern das Zusammenspiel der Musiker. Immer wieder suchten sie Blickkontakt, nickten sich zu oder lächelten sich gegenseitig an. Kleine Gesten, die zeigten, dass hier mehr als nur ein gemeinsamer Auftritt stattfand. Man spürte eine echte Freundschaft, die sich direkt in der Musik widerspiegelte. Wenn einer ein Solo begann, hörten die anderen aufmerksam zu, nicht distanziert, sondern mit sichtbarer Freude.Das Publikum war während des ganzen Auftritts von der Musik mitgerisssen. Einige nickten im Takt mit dem Kopf und andere schauten gebannt zu den Künstlern, um die Musik vollständig aufzunehmen. Besonders in den ruhigeren Momenten wurde es still im Raum, als wolle niemand den Klang stören. Bei schnellen Passagen oder kraftvollen Einsätzen des Schlagzeugs löste sich die Spannung mit begeistertem Klatschen.

Alec Orea - "Soul Brothers" @ musig im pflegidach, Muri

Höhepunkt und klare Botschaft

Ein Höhepunkt war ein Bass-Solo. Durch unglaublich schnelle Fingerbewegungen erschuf der Bassist einen magischen Moment. Bei jedem Solo traten die anderen Musiker bewusst zurück. Sie gaben sich gegenseitig Raum. In solchen Momenten wurde die Stärke der Gruppe deutlich.

Niemand drängte sich in den Vordergrund, und doch bekam jeder seinen eigenen Moment. Zwischendurch wandte sich der Pianist direkt an das Publikum, erst zögernd auf Deutsch, dann auf Englisch. Seine Worte wirkten schlicht, aber eindringlich: „Music is my only way to say no to these horrible things happening in the world.“ Dieser Satz blieb im Raum stehen und gab der Musik eine zusätzliche Tiefe. Was zuvor schon spürbar war, bekam plötzlich eine klare Bedeutung.

Ein Abschluss voller Nähe

Im weiteren Verlauf steigerten sich die Stücke immer wieder zu energetischen Höhepunkten. Besonders wenn alle vier Musiker gleichzeitig einsetzten, entstand eine dichte, fast greifbare Energie. Die Klarinette führte oft die Melodie, während Schlagzeug und Bass das Fundament legten und das Klavier neue Klänge einbrachte. Diese Dynamik, welche sich von sanft bis zu kraftvoll zog, hinterliess das Publikum in vollständigem Staunen.

Am Ende blieb ein Gefühl von Nähe. Nicht nur zwischen den Musikern, sondern auch im Raum selbst. Die Zuhörer reagierten nicht nur mit Applaus, sondern mit echter Begeisterung. Man sah es in den Gesichtern, hörte es im Lachen und spürte es in der Luft.

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Alec Orea @ Musig im Pflegidach, Muri
quelle: samuel bitz
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