So oft gehen Menschen in der Schweiz ins Restaurant – und so viel geben sie dabei aus
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Die Gastronomie war noch nie ein entspanntes Geschäft. Doch in den letzten Monaten – fünf Jahre nach der Coronapandemie, die die Branche ordentlich durchgeschüttelt hat – schlagen immer mehr Wirtinnen und Wirte Alarm. Ein erster Befund zeigt auf, dass 2025 laut des Wirtschaftsinformationsdienstes Crif rund 1000 Betriebe dichtmachen mussten.
Dazu kommt: 40 Prozent der Wirtinnen und Wirte mussten Umsatzrückgänge hinnehmen. Das zeigt eine Studie vom Oktober des KOF-Instituts und von Gastrosuisse.
watson hat im März darum gemeinsam mit dem Institut Demoscope eine repräsentative Umfrage zum Verhältnis der Menschen in der Schweiz zum Auswärtsessen durchgeführt.
Spoiler: Die Qualität des Essens ist der Bevölkerung wichtiger als Konzept oder Ambiente – und Gäste greifen deutlich lieber zu klassischen Menüs als zu den neuesten Food-Trends.
Aber schauen wir uns die Ergebnisse genauer an:
Ein relativer Rückgang der Besucherzahlen
Die Schweizer Bevölkerung geht nach wie vor gerne auswärts essen – fast niemand (nur 3 Prozent) betritt nie ein Restaurant. Das klingt zunächst beruhigend für die Branche. Gleichzeitig zeigen die Zahlen aber auch, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung (26 Prozent) seltener als einmal pro Monat auswärts essen geht.
Wenig überraschend hängt die Häufigkeit von Restaurantbesuchen stark von Kaufkraft und Wohnort ab: Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner gehen in der Regel öfter essen, genauso wie Menschen mit höherem Einkommen.
Ein weiterer klarer Unterschied zeigt sich beim Geschlecht: Männer gehen häufiger ins Restaurant als Frauen. 54 Prozent der Männer sagen, sie gingen mindestens zweimal pro Monat auswärts essen, bei den Frauen sind es 43 Prozent. Weiter geben nur 23 Prozent der Männer an, seltener als einmal pro Monat ins Restaurant zu gehen, für dieselbe Frage sind es 30 Prozent der Frauen.
Schaut man auf die Häufigkeit der Restaurantbesuche in den letzten fünf Jahren, zeigt sich ein klarer Abwärtstrend: 23 Prozent gehen heute deutlich seltener auswärts essen, 19 Prozent etwas weniger häufig.
Dabei zeigt sich: Die gestiegene Kaufkraft der 15- bis 34-Jährigen treibt ihre Restaurantbesuche nach oben. 11 Prozent von ihnen sagen, sie gingen «deutlich häufiger» auswärts essen. In der Gesamtbevölkerung sind es gerade mal 5 Prozent.
Die erste Überraschung aus der Umfrage: Bei jenen, deren Restaurantbesuche sich in den letzten fünf Jahren verändert haben, scheint Covid-19 das Verhalten nicht nachhaltig geprägt zu haben. Und auch die Kaufkraft ist nicht der Hauptgrund dafür.
Zum Schluss noch das: Die Preise in Schweizer Restaurants landen zwar «nur» auf Platz drei der grössten Kritikpunkte, trotzdem sorgt die Qualität des Angebots bei fast 30 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer für Sorgen.
Eine Frage der Gewohnheit
Trotz aller Marketing-Akrobatik auf Social Media, mit der Wirte ihre «Philosophie» hervorheben, beeinflusst das offenbar nur wenige in ihrer Restaurantauswahl: Weder die Originalität des Konzepts (12 Prozent) noch die moralischen Werte eines Lokals (16 Prozent) spielen für die meisten eine grosse Rolle.
Hauptsache, die Qualität des Essens stimmt. Diese nennen 90 Prozent der Befragten als entscheidendes Kriterium.
Bei der Wahl des Lokals kommt es vor allem auf die Lage in der Innenstadt (28 Prozent) und die Nähe (28 Prozent) an.
Wenig überraschend ist, dass das Restaurant in erster Linie ein Ort zum Zusammensein ist – oder für ein Date zu zweit. Gerade besondere Anlässe (34 Prozent), allen voran Geburtstage, sind ein Klassiker. Auffällig ist aber, dass die einst so beliebten Geschäfts-Lunches heute von einer klaren Mehrheit gemieden werden (nur 12 Prozent).
Einmal mehr zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen legen offenbar mehr Wert auf den sozialen Aspekt. 74 Prozent der Befragten nennen das Zusammensein als Hauptgrund, bei den Männern sind es 65 Prozent.
Romands gehen mittags häufiger ins Restaurant als die Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer (37 Prozent). Am Abend kehrt sich der Trend allerdings um.
Restaurantgäste in der Schweiz sind vor allem eines: sehr treu. Ob «ziemlich oft» (49 Prozent) oder «gelegentlich» (32 Prozent) – die Gäste besuchen ein Restaurant oft erneut.
Menüs, Geld und Küchen
Kann man in der Schweiz für weniger als 25 Franken pro Person im Restaurant essen? Schwierig – und die Zahlen sprechen für sich. Die meisten geben fürs Auswärtsessen zwischen 39 und 59 Franken aus (35 Prozent der Befragten).
Manchmal widersprechen die Zahlen den Trends: Während viele neue Lokale auf kleine Gerichte zum Teilen setzen, will eine Mehrheit der Gäste nach wie vor klassische Menüs – und zwar deutlich (78 Prozent).
Die Option «kleine Gerichte zum Teilen» kommt gerade mal auf 18 Prozent Zustimmung. Nur das Buffet schneidet noch schlechter ab (11 Prozent).
Was auch nicht gross überrascht: Veganismus ist in der Bevölkerung nach wie vor deutlich weniger akzeptiert als Vegetarismus.
Obwohl vegane Ernährung in den letzten Jahren stark zugelegt hat, ist es der grossen Mehrheit der Menschen in der Schweiz weiterhin mehr oder weniger egal, ob ein Restaurant eine vegane Option anbietet oder nicht.
Wenn es um die bevorzugte Küchenrichtung geht, liegt ein Land klar an der Spitze: Die italienische Küche ist mit 79 Prozent die beliebteste.
Die Schweizer Küche liegt auf Platz zwei. Offenbar haben die Schweizerinnen und Schweizer im Restaurant eine Schwäche für deftige, traditionelle Gerichte mit starkem Bezug zur Region.
Die amerikanische Küche mit Burger, Ribs oder Fried Chicken kommt in Schweizer Restaurants nicht besonders gut an (13 Prozent), trotz des Booms von Fastfood und Streetfood.
Falsche Bestellung, lange Wartezeiten oder ein zu durchgebratenes Steak? Die Menschen in der Schweiz schätzen sich grundsätzlich als geduldige Gäste ein (49 Prozent). Das trifft vor allem auf die Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer zu. Die Romands geben sich deutlich anspruchsvoller.
Auch beim Thema Toleranz zeigt sich ein Unterschied: Frauen sind nachsichtiger als Männer. 52 Prozent von ihnen halten sich für eher oder sehr tolerant, bei den Männern sind es 47 Prozent.
