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Bild: KEYSTONE
Kommentar

«Die Komatrinker sind nicht die Einzigen in unserer Gesellschaft, die sich nicht im Griff haben»

Erneut geistert die Meinung durch die politische Landschaft, dass die Jugendlichen für die Kosten aufkommen sollen, falls sie sich ins Koma saufen. Mit jeder solchen Empörungswelle steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch effektiv umgesetzt wird. Ein Kommentar, weshalb der Damm der Solidarität nicht brechen darf.
04.07.2014, 13:41

Die konkrete Forderung heisst diesmal «Komatrinker sollen finanziell in die Pflicht genommen werden» und kommt aus dem Bundeshaus. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates schickt den Vorentwurf für eine Änderung des Krankenversicherungsgesetzes in die Vernehmlassung. 

Diese Forderung deckt die stark verbreitete Jugendfeindlichkeit unserer Gesellschaft auf. Alle wollen heute zwar jung sein und bleiben. Aber niemand kann und will sich in Jugendliche einfühlen. 

Die komasaufenden Jugendlichen sollen nun also die Folgekosten übernehmen, weil sie sich nicht im Griff haben. Dies liesse sich jedoch auf fast alle Schadenfälle übertragen: 

  • Selbstverschuldeter Arbeitsunfall
  • Fast jeder Verkehrsunfall
  • Alle Folgen falscher Ernährung
  • Sportunfälle
  • Burnout
  • Selbstmordversuch
  • etc.

Die Entsolidarisierung in der Gesellschaft beginnt dort, wo am wenigsten Gegenwehr erwartet wird. Als Nächstes sind die Fettleibigen dran, danach die Extremsportler und dann diejenigen, die einen Selbstmordversuch überlebt haben. Enden tut das Ganze mit dem Leitspruch:

«Du bist selber schuld!»

Alles wird auf die Menschen zurückfallen:

  • Es wird keine Ausnahmen mehr geben – «Da kann ja jeder kommen!»
  • Es wird kein Leiden an der Gesellschaft mehr geben – «Du kannst ja dein Milieu wechseln!»
  • Es wird keine Ausflüchte mehr geben, denn «Du bist selber schuld!»

Keine Ahnung, ob je erfasst wurde, wie oft sich dieselben Jugendlichen ins Koma saufen. 
Die wenigen Fälle, die ich kenne, hörten nach ein- oder allerspätestens zweimal auf. Es ging ihnen dabei viel zu übel, als dass sie es geil fanden. 

Keine Ahnung, ob je erfasst wurde, weshalb die Jugendlichen dies tun. 
Ich gehe jedoch nicht davon aus, denn sonst käme man wohl zum Schluss, dass es die unterschiedlichsten Gründe dafür gibt. Und diese Gründe werden den Ursprüngen der oben aufgelisteten Schadenfällen ähneln, die ebenso darin begründen, «sich nicht im Griff zu haben». 

Stoppen wir die Entsolidarisierung der Gesellschaft in ihren Anfängen!

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