Für Skigebiete wie Braunwald sieht es düster aus
Auf dem Grotzenbüel oberhalb von Braunwald kam es am Mittwoch zum Showdown. So viele Aktionäre wie nie waren zur Generalversammlung der Sportbahnen erschienen. Deren Ankündigung, den Skibetrieb bereits ab diesem Winter einzustellen, hatte für Aufruhr gesorgt. Eine Petition für den Weiterbetrieb wurde von über 6000 Personen unterzeichnet.
Das ist beachtlich für ein Dorf mit weniger als 300 Einwohnern, das politisch zur fusionierten Grossgemeinde Glarus Süd gehört. Es zeigt, wie die Zukunft des Wintersports in Braunwald die Gemüter bewegt. Zu den Petitionären gehören Besitzer von Zweitwohnungen, Gewerbler oder Hoteliers, bei denen die Buchungen nach der Ankündigung weggebrochen sind.
Der Verwaltungsrat aber blieb hart und verwies darauf, dass der Skibetrieb «hoch defizitär» und vom Konkurs bedroht sei. Weil er über die Aktienmehrheit von 52 Prozent verfügt, hatten die Kleinaktionäre keine Chance. Die GV war nicht mehr als eine «Chropfläärete mit dem Verwaltungsrat», wie es ein Liegenschaftsbesitzer ausdrückte.
Strukturelle Probleme
Hier ist ein persönlicher Einschub angebracht, denn ich kenne und schätze Braunwald. Ich fahre nicht (mehr) Ski, habe aber ein paar Mal am sogenannten Inferno teilgenommen, einem Stelldichein der Schweizer Europafreunde, das jeweils zu Jahresbeginn stattfindet, mit Skirennen, Podiumsdiskussion, Fondueplausch und Party im Kulturcafé Bsinti.
Im Sommer war ich auch schon zum Wandern in Braunwald. Ich mag diesen Ort, kann aber die strukturellen Probleme nicht ignorieren. Braunwald ist autofrei und nur über eine Standseilbahn erreichbar. Auch sie kämpft mit finanziellen Problemen. Gerade erst musste der Kanton Glarus 600'000 Franken zusichern, um den Weiterbetrieb zu ermöglichen.
Überschaubares Angebot
Die nicht einfache Erreichbarkeit ist eines der Probleme von Braunwald, besonders in Zeiten, in denen viele Junge mangels Schnee im Flachland das Interesse am Skifahren und Snowboarden verlieren. Andere autofreie Ferienorte wie Wengen oder Zermatt punkten mit Ausstrahlung und einem breiten Angebot. Jenes von Braunwald ist überschaubar.
Das Skigebiet ist klein, seine Lage am Sonnenhang in Zeiten des Klimawandels gleichzeitig Segen und Fluch. Mit dem Après-Ski-Angebot lässt sich ebenfalls kaum punkten. Braunwald ist etwas für Liebhaber, die Ruhe und Intimität schätzen. Ohne das viel gerühmte und bei Eltern beliebte Märchenhotel wäre das Dorf wohl längst im Dornröschenschlaf versunken.
Keine potenten Investoren
Denn die Probleme beschränken sich nicht auf das Skigebiet. Letztes Jahr musste die Primarschule schliessen. Auch um ihren Erhalt war gekämpft worden. Man kann von einer Abwärtsspirale sprechen. Es erstaunt deshalb nicht, dass mit Herzblut um den Erhalt des Skibetriebs gerungen wird. Ohne ihn steht Braunwald vor einer ungewissen Zukunft.
Die Perspektiven aber bleiben schwierig. Für potente Investoren wie Samih Sawiris in Andermatt oder Stefano Artioli in San Bernardino ist Braunwald wegen der strukturellen Nachteile wenig attraktiv. «Da meldete sich niemand», sagte Richard Bolt, der an der GV stark angefeindete Verwaltungsratspräsident der Sportbahnen, im Interview mit watson.
Eine neue IG Mattwald will wenigstens einen Skilift übernehmen, um einen Minimalbetrieb zu ermöglichen. Mitinitiator Reto Glarner aber räumte gegenüber watson ein, dass dies angesichts der finanziellen Herausforderung keine nachhaltige Lösung sei.
Es kann sein, dass die breite Berichterstattung in den Medien neue Kundschaft nach Braunwald lockt. Aber würde die auch wiederkommen? Zweifel sind angebracht. Wer sich heute für den (teuren) Schneesport entscheidet, will möglichst viel für sein Geld bekommen. Braunwald ist sympathisch, doch die Perspektiven sind und bleiben düster.
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