Die Schweiz erhält vielleicht doch schon 2027 Patriot-Systeme – auch dank Deutschland
Die Liste der Staaten, die auf ihre bestellten Patriot-Systeme warten müssen, wird immer länger. Neben der Schweiz betrifft das nun auch Taiwan, Japan, Grossbritannien, Polen, Norwegen, Estland und Litauen. In erster Linie hat das mit dem Iran-Krieg zu tun und dem Verbrauch von Abfangraketen.
In den letzten Tagen hat sich der Himmel über der Schweiz aber überraschend aufgehellt. Plötzlich gibt es realistische Chancen, dass die Armee 2027 eines oder sogar zwei Patriot-Systeme erhält. Das bestätigten Bundesrat Martin Pfister und Rüstungschef Urs Loher an einer Medienkonferenz.
Nur: Wie ist das möglich? Seit 2025 ist von Verzögerungen bis zu sieben Jahren die Rede. Die neue Situation hängt zusammen mit Gesprächen, welche die Schweiz, Deutschland und die USA führen. Immer geht es um die Patriot-Systeme.
Ein Ringtausch mit Haken
Der Ursprung der Gespräche liegt in der Einwilligung von Deutschland im Sommer 2025, der Ukraine zwei zusätzliche Patriot-Systeme aus den Beständen der Bundeswehr zu liefern. Im Gegenzug versprachen die USA, Deutschland zwei neu produzierte Systeme zu geben. Zu diesem Zeitpunkt stand die Schweiz zuoberst auf der Liste der Staaten, die mit Patriot-Systemen beliefert werden sollten. Ursprünglich hätte die Armee im Dezember 2026 das erste und im Januar 2027 das zweite Patriot-System erhalten sollen.
Deutschland erhielt dann von den USA die beiden «Schweizer» Systeme. Der Ringtausch hat allerdings einen Haken, wie die deutsche Bundeswehr bemerkte: Die «Schweizer» Patriot-Systeme sind auch für die Schweiz konfiguriert. Deutschland möchte allerdings keinen Swiss Finish. Was zu den Gesprächen zwischen Deutschland, der Schweiz und den USA führte. Die drei Länder suchen nun eine Lösung, die für alle stimmt.
Denkbar ist, dass Deutschland die zwei «Schweizer» Systeme an die Schweiz abtritt, sofern die USA einverstanden sind und eine passable Lösung für Deutschland finden. Möglich seien auch diverse andere Varianten, sagen Eingeweihte.
Pfister fährt nun eine Doppelstrategie
Dass die Schweiz die Zahlungen für die Patriot-Systeme vorübergehend stoppte, hat offenbar die Bereitschaft der USA zu einer Lösung erhöht. Auch deshalb nimmt die Schweiz die Zahlungen wieder auf. Sie möchte nichts riskieren und will die Patriot-Systeme auf jeden Fall beschaffen. Ein Abbruch steht nicht mehr zur Diskussion.
Martin Pfister fährt nun eine Doppelstrategie: Kommen die Patriot-Systeme schon ab 2027, verschiebt er die Beschaffung eines Zusatzsystems für die Luftabwehr nach hinten. Er will es beschaffen, wenn es sich finanzieren lässt. Kommen die Patriot-Systeme trotzdem nicht, hat das Zusatzsystem Priorität. «Patriot alleine genügt nicht», sagte er. «Die Umsetzung bleibt risikobehaftet, die Liefertermine sind unsicher.»
Das Bundesamt für Rüstung evaluiert nun vier Systeme aus drei Ländern: Samp/T New Generation von Eurosam (Frankreich/Italien), L-SAM von Hanwha Aerospace (Südkorea), David's Sling von Rafael und Barak MX von Israel Aerospace Industries (beide Israel). Die südkoreanischen und israelischen Hersteller müssten Produktionen in Europa oder der Schweiz garantieren. Die Schweiz hätte am liebsten die Produktion von Lenkwaffen bei sich. (schweizheute.ch)
