Im Mai gab es noch Good News: «Ein guter Winter – Schweizer Gletscher starten mit Schneepolster in den Sommer» wurde in den Medien getitelt. Bei allen 14 vermessenen Gletschern lag die Schneedecke 12 bis 60 Prozent über den Werten der Referenzperiode von 2010 bis 2020.
Nachdem 2022 und 2023 rund zehn Prozent der Gletschermasse der Schweiz geschmolzen waren (so viel wie nie zuvor), war dies ein Hoffnungsschimmer, dass es 2024 nicht so rasant weitergehen würde. Bis in den Juni herrschten für die Schweizer Gletscher ausserordentlich günstige Bedingungen dank 30 Prozent mehr Winterschnee als im Mittel und einem regnerischen Frühsommer.
Aber dann kam der Juli.
Und vor allem der August.
Der Saharastaub, der die Schnee-Oberfläche färbte, beschleunigte die Schmelze, und der August verzeichnete gar den grössten Eisverlust seit Messbeginn. Insgesamt schmolzen auch 2024 die Gletscher markant, wie Daten des Schweizer Gletschermessnetzes (GLAMOS) zeigen.
Der Volumenverlust beträgt dieses Jahr rund 2,5 Prozent, was über dem Mittelwert des letzten Jahrzehnts liegt. Die grossen Winter-Schneemengen konnten den Eisverlust zwar bremsen, aber nicht stoppen.
Zum Beispiel wurden auf dem Claridenfirn (GL) Mitte Mai noch 6 Meter Schnee gemessen, der bis in den September komplett verschwand. Gletscher unterhalb 3000 m. ü. M. aperten wiederum komplett aus und wiesen Verluste von bis zu zwei Metern Eisdicke auf (z. B. Glacier du Giétro VS, Glacier de la Plaine Morte BE, Silvrettagletscher GR). Für Gletscher mit Südeinfluss fiel der Verlust dank sehr viel Schnee im Winter etwas weniger stark aus (z. B. Ghiacciaio del Basòdino TI).
Der Winter 2023/24 brachte grosse Kontraste zwischen Berg und Tal: Unterhalb von 1400 Metern über Meer waren die Schneehöhen klar unterdurchschnittlich, oberhalb von 2200 Metern über Meer stark überdurchschnittlich.
Verantwortlich dafür waren grosse Niederschlagsmengen bei relativ hohen Temperaturen während des ganzen Winterhalbjahres. Die mittleren Schneehöhen zwischen November und Mai gehören in der Höhe zu den höchsten seit Messbeginn (z. B. Rang 6 in der bald 90-jährigen Messreihe auf dem Weissfluhjoch GR).
Aufgrund der sehr hohen Juli- und Augusttemperaturen verschwanden die Schneemengen schnell. Auf dem Jungfraujoch war der August sogar wärmer als in den Hitze-Sommern 2003 und 2022. Die Ablagerung von Saharastaub im Winterhalbjahr beschleunigte die Schneeschmelze zusätzlich, weil dadurch der Schnee mehr Sonnenenergie absorbierte.
Zudem fiel zwischen Mitte Juni und Mitte September auch auf 3000 m. ü. M. kaum Schnee. Dies ist im langjährigen Vergleich aussergewöhnlich, trat in den letzten Jahren aber immer häufiger auf.
"Es sah so vielversprechend für die Menschheit aus – aber dann kam der heisse Sommer"
🤷
Man sollte den Klimatologen vertrauen, sie wissen mehr als Andere - insbesondere Politiker.