Wenn du nur eine Suonenwanderung machen solltest, dann unbedingt diese
Im Wallis gibt es rund 200 Suonen. Einige davon führen noch Wasser. Selten kannst du so einfach in die Kultur und das Leben in den Bergen eintauchen wie auf einer Suonenwanderung. Nun gibt es aber so viele der alten Kanäle, dass du fast nicht weisst, wo du beginnen sollst.
Einige sind wenig spektakulär, da sie irgendwo im Wald und in verhältnismässig einfachem Gelände sind. Andere sind wirklich nur für Schwindelfreie, zum Beispiel die Niwärch Suone.
Für mich gibt es eine Suonenwanderung, welche alles beinhaltet: Spektakuläre Bauten, grandiose Tief- und Ausblicke, Tunnel, Stege, Waldabschnitte und seit einigen Jahren gar eine Hängebrücke. Aber doch immer so, dass es nie ausgesetzt oder schwierig wird. Auch wenn es – zugegeben – an wenigen Stellen doch etwas Mut brauchen kann, wenn du nicht ganz schwindelfrei bist.
Auf jeden Fall kann ich mit gutem Gewissen sagen: Wenn du nur eine Suonenwanderung machen solltest, dann unbedingt diese. Also genau genommen ist es eine Kombination von zwei Suonen oder – wie sie im französischen Teil des Wallis genannt werden – Bisses: Die Bisse d'Ayent und die Bisse du Ro.
Machst du beide, bist du auf knapp 20 Kilometern gut fünf Stunden unterwegs. Das ist lange, ja. Aber der Weg ist selten steil und meist einfach. Und wenn du willst: Praktisch in der Mitte der Wanderung kommst du am Lac de Tseuzier (Lac du Rawil) vorbei, einem spektakulären Stausee. Und dort fährt auch ein Postauto und es gibt ein Restaurant.
Du kannst da also die Wanderung beenden oder auch starten und dich für eine Seite entscheiden. Ich will allerdings nicht entscheiden müssen, welche Seite. Die Bisse d'Ayent ist für mich etwas wilder und einsamer, die Bisse du Ro bekannter, aber auch grandios ausgebaut mit vielen Holzstegen.
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Ich starte in Anzère. Die Suone führt hier erst gemütlich durch den Wald.
Schon nach rund 30 Minuten folgt der Höhepunkt: die Felswände von Torrent-Croix. Hier geht der Weg durch einen beleuchteten Tunnel.
Mittendrin kannst du über den Wasserkanal und unter dem Fels durch (du musst dich sehr bücken) auf eine Aussichtsplattform gelangen, welche bei der alten Suone mitten im Fels ist. Absolut spektakulär.
Und ja, beim Blick zurück nach dem Tunnel, wirst du die Szenerie wohl wiedererkennen. Die Bisse d'Ayent ist das Motiv auf der 100er-Note.
Die Wanderung führt dann erst weiter durch den Wald, bevor es für ein kurzes Stück noch etwas ausgesetzter wird. Der Weg ist hier aber immer gut und du wanderst teilweise in der alten (wasserlosen) Suone.
Nach diesem Teilstück schlängelt sich der Weg zum ersten Mal steil hinauf zum Stausee. Hier kannst du die verdiente Pause machen.
Für den zweiten Teil geht es erst noch einmal etwas bergauf. Du bist hier auf einem breiten Kiessträsschen unterwegs. Dann führt der Weg abwärts zur Bisse du Ro. Oder besser: zur alten Bisse du Ro. Das Wasser fliesst zum grössten Teil durch den 1947 erbauten Tunnel.
Während du zu Beginn unterhalb einer eindrücklichen Felswand wanderst, folgen später zwei Abschnitte, auf welchen du diese Wand querst. Da solltest du keinen Fehler machen. Der Weg ist aber grundsätzlich breit und es hat einen Handlauf.
Spektakulär wird es dann auch bei der 2020 eröffneten Hängebrücke. Diese führt in 70 Metern Höhe 120 Meter über den Abgrund.
So wird eine zuvor gefährliche Felspassage umgangen. Die Hängebrücke ist stabil, aber ja schon auch hoch.
Der wirklich gute Teil folgt danach. Du siehst die Holzkanäle zwar nur selten (und noch seltener führen sie auch Wasser). Aber der Wanderweg folgt der alten Suone und die vielen Holzstege klammern sich immer wieder an den Fels.
Unterwegs erzählen dir immer wieder Infotafeln die Geschichte der Suonen und wie hart das Leben, der Bau und die Instandhaltung der Anlagen früher waren. Einfache Erreichbarkeit, gut ausgebaut, nahe an einem bekannten Ort: Alleine bist du hier selten.
Auch hier gilt: Die Aussicht ist ein Traum, der Weg ist immer breit und einfach und Geländer geben dir eine gute Sicherheit. Zwischendurch musst du allerdings etwas gebückt unter den Felswänden durch.
Der letzte Abschnitt vor Crans-Montana führt wieder durch einen lieblichen Wald. Entweder in Plans-Mayens oder Devins kannst du auf das Postauto, welches dich ins Zentrum des bekannten Ferienortes bringt. Geniesse die kühle Luft hier auf rund 1500 Metern nochmals, bevor es dann runter ins Tal nach Sierre geht.
