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Verzicht auf Copernicus: Klimaforscher kritisieren Bundesrat-Sparkurs

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Umweltminister Albert Rösti: Sein Departement beschäftigt sich mit dem Copernicus-Dossier.Bild: keystone

Verzicht auf Copernicus: Klimaforscher kritisieren Sparkurs des Bundesrates

18.08.2026, 09:5118.08.2026, 10:09

Klimaforscherinnen und Klimaforscher kritisieren, dass der Bundesrat sich nicht am EU-Satellitenprogramm Copernicus beteiligt. Das berichtet der Tages-Anzeiger.

«Ohne Langzeitbeobachtung wären wir nicht in der Lage, einen Hitzesommer wie diesen richtig einzuordnen», sagt Martin Grosjean, Direktor des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern, gegenüber der Zeitung. Dem Bundesrat wirft er demnach «Trump-Methoden» vor. Die US-Regierung hat sich etwa aus dem Weltklimarat zurückgezogen und viele Mittel für Umweltbeobachtungsprogramme gestrichen.

EU-Satellitenprogramm Copernicus
Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus ist eine Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), die kontinuierlich weltweite Umweltdaten sammelt. Ziel des Programms ist es, Entscheidungsträger, Forschende und die Öffentlichkeit mit verlässlichen Daten zu sechs Kernbereichen – Atmosphäre, Meeresumwelt, Landüberwachung, Klimawandel, Katastrophenmanagement und Sicherheit – zu versorgen.

Swiss Economics: Teilnahme aus volkswirtschaftlicher Sicht empfehlenswert

Das Copernicus-Programm der EU würde knapp 50 Millionen Franken pro Jahr kosten. Anfang Juni hatte die Landesregierung trotz parlamentarischen Auftrags erneut entschieden, dem Programm zur Erdbeobachtung wegen der Finanzlage nicht beizutreten – der Bund müsse sparen.

Bislang war die Schweiz nicht Teil des Programms. Zwar haben Nutzerinnen und Nutzer in der Schweiz Zugriff auf die meisten Rohdaten von Copernicus, allerdings sind die damit verbundenen Dienste zum Teil gesperrt oder nur eingeschränkt zugänglich. Zudem können Schweizer Akteure das Programm weder mitgestalten, noch bekommen sie Aufträge, die Copernicus finanziert. Ein Gutachten des Beratungsunternehmens Swiss Economics im Auftrag des Bundes kam vor einem Jahr zum Schluss, dass eine Teilnahme aus volkswirtschaftlicher Sicht «empfehlenswert» sei, schreibt der «Tages-Anzeiger».

Der Nationalrat rief den Bundesrat daher dazu auf, seinen Entscheid zu überdenken. Alle Parteien waren für den Vorstoss der Grünen – bis auf die SVP. «Es ergibt keinen Sinn, dass die Schweiz ein EU-Weltraumprogramm unterstützt», sagte SVP-Nationalrat Michael Graber. Besser wäre es, das Geld in Klimaanlagen für Altersheime und Spitäler zu investieren.

ETH-Professor: Bundesrat-Beschluss ist gefährlich

«Wenn die Forschung leidet, mag das viele Menschen nicht kümmern», sagt Klimaforscher Grosjean gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Ohne Grundlagen könne eine Gesellschaft aber «keine wissensbasierten Entscheide treffen».

Auch ETH-Professor Reto Knutti habe den Beschluss des Bundesrates als «gefährlich» für die Forschung sowie für die Gesellschaft eingestuft, schreibt die Zeitung. Die Gesellschaft sollte sich «bestmöglich auf die Klimarisiken und Naturgefahren vorbereiten».

(hkl, mit Material von Keystone-SDA)

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