Schweiz
Coronavirus

Coronavirus: Natalie Rickli wettert gegen das BAG

Natalie Rickli, SVP-Regierungsraetin des Kantons Zuerich erscheint zu einer Besprechung mit Bundesrat Alain Berset und Kantonsvertreter um ueber das weitere Vorgehen zur Bekaempfung der Covid-19 Pande ...
Natlie Rickli am Montag in Bern.Bild: keystone

Natalie Rickli wettert auf Twitter gegen das BAG – und muss nun selber Kritik einstecken

30.06.2020, 19:1330.06.2020, 19:20

Am Wochenende infizierten sich im Zürcher Club Flamingo mehrere Personen mit dem Coronavirus. Nun stellt sich die Frage: Wer trägt die Verantwortung für das Party-Debakel? Und wie viel wussten die Kantone von der Gefährlichkeit der Cluböffnungen?

Anscheinend nicht viel, wenn es nach der Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli geht. Auf Twitter wetterte die Zürcher Gesundheitsdirektorin gegen das BAG und den Bundesrat. «Leider hat es der Bundesrat unterlassen, diese Analyse den Kantonen zukommen zu lassen.» An BAG-Chef Pascal Strupler sagte sie: «Bitte nachliefern.»

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Rickli bezog sich auf einen Artikel des Tagesanzeiger, wonach der Bund von der hohen Gefährlichkeit in Clubs wusste. Das geht aus einer internen Analyse hervor, die der Netzaktivist Hernani Marques via Twitter verbreitete.

Er gelangte per Öffentlichkeitsgesuch an die Risikobeurteilung einzelner Lockerungsmassnahmen. Gemäss der Risikoanalyse des Bundes sei Ansteckungsrisiko in Clubs «hoch». Die Einführung von Schutzmassnahmen «schwierig». Und Distanzregeln sowie Schutzausrüstung in Diskotheken «nicht anwendbar».

Twitter-User kritisieren Rickli

Nachdem die Gesundheitsdirektorin am Wochenende noch das Partyvolk und die Clubbesitzer für die Ausbreitung des Virus verantwortlich machte, teilt die SVP-Politikerin nun gegen den Bund aus.

Dies kommt auf Twitter gar nicht gut an. Der Grossteil der User kritisiert die Regierungsrätin. Man hätte auch selber darauf kommen können, dass die Ansteckungsgefahr in Clubs hoch sei, so der Grundtenor. Eine kleine Auswahl der Twitter-Reaktionen:

Das sagen die Gesundheitsdirektion und das BAG

Über Ricklis Tweet berichtete auch die NZZ. Die Zeitung unterhielt sich mit Marcel Odermatt, dem Sprecher der Gesundheitsdirektorin, welcher die Kritik an der Gesundheitsdirektorin nicht gelten lassen will.

Er lässt sich wie folgt zitieren: «Der Bundesrat hat entschieden, die Clubs wieder zu öffnen. Dass diese für die Virenverbreitung gefährlich sind, ist allen klar.» Es sei aber störend, dass der Bundesrat die Clubs trotz der Analyse öffnete und die Kantone nicht informierte, so Odermatt gegenüber der NZZ.

Wie die Zeitung weiter berichtet, wird das BAG dem Wunsch Ricklis nicht nachkommen. Die Risikoanalyse wird demnach nicht nachgeliefert. «Die Kantone sind für die Bekämpfung der Epidemie zuständig», heisst es seitens des BAG. Es werde kein ständig aktualisiertes Dokument «Risikonalyse» im BAG erstellt. (cma)

Sars-Cov-2, Covid-19, Coronavirus – die wichtigsten Begriffe
Coronaviren sind eine Virusfamilie, die bei verschiedenen Wirbeltieren wie Säugetieren, Vögeln und Fischen sehr unterschiedliche Erkrankungen verursachen.

Sars-Cov-2 ist ein neues Coronavirus, das im Januar 2020 in der chinesischen Stadt Wuhan identifiziert wurde. Zu Beginn trug es auch die Namen 2019-nCoV, neuartiges Coronavirus 2019 sowie Wuhan-Coronavirus.

Covid-19 ist die Atemwegserkrankung, die durch eine Infektion mit Sars-Cov-2 verursacht werden kann. Die Zahl 19 bezieht sich auf den Dezember 2019, in dem die Krankheit erstmals diagnostiziert wurde.

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66 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Terraner
30.06.2020 19:30registriert April 2020
Von einer Regierungsrätin erwarte ich dass sie sich selbst die nötigen Information besorgt, um Entscheidungen zu treffen.
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Milhouse
30.06.2020 19:24registriert Oktober 2017
Jetzt ist sie wieder die Rickli, die ich nicht so mag.
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Yorik2010
30.06.2020 20:28registriert März 2017
Ich weiss nicht wieso Leute erstaunt sind über die Handlung von Frau N. Rickli. Sie politisiert genau wie das in der SVP gang und gäbe ist. Die Andern haben Schuld und wir geben keine vernünftigen Lösungsansätze, nicht nur in den Corona-Zeiten! Typisch SVP halt!
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«Es gibt heute auf der Bühne Jokes, die an Schwulenwitze der 90er-Jahre erinnern»
Michael Elsener ist ein politischer Comedian, Léa Spirig leitet das Casinotheater Winterthur. Ein Gespräch über Queersein, Ängste, Humor als Überlebensstrategie und die Schweiz als Abstimmungs-Wohngemeinschaft.
Wer sind eure Vorbilder? Spoiler: 80 Prozent würden jetzt mit «mein Grosi» oder «mein Grossvater» antworten.
Michael Elsener: Danke für den Hinweis. Dann sage ich gern: mein italienisch-stämmiger Grossvater. Meine Offenheit und meine Liebe zu den Menschen habe ich von ihm. Wir besuchten ihn oft sonntags nach der Kirche und mussten immer auf ihn warten. Von der Kirche bis zu seinem Haus waren es nur etwa 250 Meter. Aber er brauchte dafür mindestens 45 Minuten. Auf der Strasse oder über den Gartenzaun: Er hielt mit allen einen Schwatz. «Ciao!», «Wie geht's?», «Wirklich? Erzähl mir mehr!» Er kam mit allen auf sehr leichte Art ins Gespräch, egal, welche Gesinnung, welche Grundhaltung sie hatten. Das hat mir schon als Kind sehr gefallen.
Léa Spirig: Bei mir sind es die Frauen in meiner Familie. Meine Grossmutter, die eine sehr warmherzige und zugleich dominante Frau war. Meine Mutter, aber auch meine Gotte, die mit ihrer Partnerin im gleichen Haus lebte wie wir. Meine Eltern waren heterosexuell, meine Gotte lesbisch, und dann gab es noch etwas, das irgendwie beides beinhaltete, das habe ich relativ früh mitgekriegt, das war selbstverständlich. Und ich komme aus einer musikalischen und politisch interessierten Familie, ich wusste schon immer, dass ich mich in meinem Leben mit Kultur umgeben will. Ich kann gar nicht anders. Egal ob früher als Schauspielschülerin, dann als Journalistin und jetzt als Theaterdirektorin.
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