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Das Auswerten einer PCR-Probe in einem Labor ist aufwendig und bedarf mehrerer Arbeitsschritte.
Das Auswerten einer PCR-Probe in einem Labor ist aufwendig und bedarf mehrerer Arbeitsschritte. Bild: keystone

Warum die Schweizer Labors am Limit sind (und die Österreicher das Dreifache schaffen)

Die Schweizer Labors werten derzeit so viele PCR-Tests pro Tag aus wie noch nie. Die Kapazitätsgrenze sei erreicht, klagen sie und wollen, dass mehr Antigen-Tests gemacht werden. Einen anderen Weg geht Österreich.
08.01.2022, 11:22

Derzeit werden in der Schweiz so viele PCR-Tests gemacht wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Zu Spitzenzeiten sind es aktuell bis zu 77'000 Tests pro Tag. Dreimal mehr als noch vor einem Jahr. Die Anzahl durchgeführter Tests steigt seit Monaten kontinuierlich an, insbesondere seit die hochansteckende Omikron-Variante das Pandemiegeschehen dominiert.

Das bringt die Labore, die solche PCR-Tests analysieren und auswerten, an ihr Limit. Ihr Dachverband schrieb in einer Mitteilung, die Laboratorien würden derzeit trotz zahlreicher Prozessoptimierungen an ihre operativen Grenzen stossen. Dieter Burki, Vorstandsmitglied des Labor-Dachverbands FAMH, sagt, in den letzten zwei Jahren sei sehr viel ins Personal und in die Maschinen investiert worden. «Und doch sind die Produktionsanlagen irgendwann ausgeschöpft. An diesem Punkt stehen wir jetzt.»

Die Analyse eines PCR-Tests ist aufwendig und dauert mehrere Stunden: Nach der Entnahme in einem Testzentrum gelangt die Probe ins Labor, wo sie für die Auswertung vorbereitet wird. In einem ersten Schritt werden die Proben so bereinigt, dass nur noch die RNA des Virus im Reagenzröhrchen übrig bleibt. Das genetische Material wird vervielfältigt, sodass es ein sichtbares Signal gibt, ob die gesuchten Sequenzen des Virus vorliegen oder nicht. Zuletzt muss der Befund von technischem und medizinischem Personal überprüft werden.

Kurzum: Zur Auswertung der PCR-Tests bedarf es spezifischer Maschinen und professionell ausgebildeten Personals. Und leider, so Burki, mangle es derzeit an beidem. Die Nachfrage nach diesen Anlagen sei gross und die Lieferfristen lange. «Der grössere Flaschenhals ist aber, dass wir zu wenig Leute haben. Und diejenigen, die wir haben, stehen seit 22 Monaten im Dauereinsatz mit Nacht- und Wochenendschichten.» Wie überall sonst komme jetzt noch dazu, dass auch in den Laboren vermehrt Personal aufgrund einer Covid-Erkrankung oder Quarantäne ausfalle.

Zwar wurde seit Pandemiebeginn in den Laboren aufgerüstet. Im Vergleich zum Februar 2020 seien die Testkapazitäten in den Schweizer Laboren heute 20- bis 30-mal höher, sagt Burki. Doch offenbar reicht das trotzdem nicht aus. Das liege nicht nur an der Omikron-Variante, sondern auch daran, dass die Labore bei der Planung auf sich alleine gestellt sind.

Burki sagt: «Natürlich überlegt sich ein Labor gut, ob es eine Maschine mehr kaufen soll, die eine halbe Million Franken kostet und die nach der Pandemie wieder entsorgt werden muss.» In Deutschland beispielsweise habe die Regierung solche Maschinen gekauft und den Labors zur Verfügung gestellt.

Auch unser alpines Nachbarland geht bei den PCR-Tests einen anderen Weg: In Österreich, das bezüglich Bevölkerungszahl mit der Schweiz vergleichbar ist, werden täglich über 250'000 PCR-Tests ausgewertet – mehr als dreimal so viel wie in der Schweiz. Allein in der Hauptstadt Wien ist es laut Medienberichten sogar möglich, pro Tag 500'000 Tests auszuwerten. Dies dank der Initiative «Alles gurgelt!», einem Projekt, das PCR-Selbsttests für zu Hause anbietet.

Die Forderung des Labor-Dachverbands FAMH lautet nun, bei den PCR-Tests eine Priorisierung vorzunehmen und auf die Personen zu fokussieren, die am dringendsten einen PCR-Test benötigen. Auf das repetitive Pool-Testen müsse verzichtet werden. Dieser Forderung folgte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Freitag. Ab sofort braucht es nach einem positiven Antigen-Test nicht noch einen zusätzlichen PCR-Test.

Dabei stellt sich aber die Frage, ob das epidemiologisch sinnvoll ist. Denn Tatsache ist, dass Antigen-Tests viel ungenauer sind als PCR-Tests. Zudem drängen immer mehr private Betreiber von Testzentren auf den Markt, die sich ein lukratives Geschäft mit den vom Bund finanzierten Antigen-Tests erhoffen. In der Vergangenheit mussten bereits einige solche Zentren geschlossen werden, weil mit den Testproben oder Patientendaten unsorgfältig umgegangen wurde.

Burki teilt diese Bedenken. Er findet jedoch, lieber mache man einen Antigen-Test als gar keinen Test. Ausserdem sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Antigen-Test falsch positiv ist, kleiner, als dass er richtig positiv ist.

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