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«Die grosse Mehrheit der Kinder, die als Corona-Patienten gelten, kommen auch wirklich wegen Covid ins Spital», sagt die Kinderärztin Julia Bielicki.
«Die grosse Mehrheit der Kinder, die als Corona-Patienten gelten, kommen auch wirklich wegen Covid ins Spital», sagt die Kinderärztin Julia Bielicki.Bild: keystone

«Die Spitalbetten passen sich nicht der Inzidenz an»: Was Omikron für die Kinder bedeutet

Grassiert Omikron weiter unter Kindern, dürften die Hospitalisationen zunehmen. Eine leitende Kinderärztin aus Basel erklärt, warum das so ist und dass es keine Rolle spielt, ob ein Patient nur mit und nicht wegen Covid-19 eingeliefert wird.
07.01.2022, 15:4207.01.2022, 17:09

Die Omikron-Welle sorgt für Rekordfallzahlen bei den Jüngsten. Kurz vor Weihnachten wurden in der gesamten Schweiz durchschnittlich über 1000 Kinder zwischen 0 und 9 Jahre täglich positiv getestet. Nun stellt sich die Frage, ob es auch zu mehr Hospitalisationen kommt.

Julia Bielicki, Leitende Ärztin Pädiatrie und Infektiologie am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB), geht davon aus. Der Grund ist aber statistischer Natur: Sind mehr Kinder positiv, kommt es zu mehr Spitaleinweisungen. «Die Gefahr bei Omikron liegt darin, dass die Variante nachweislich ansteckender ist», erklärt Bielicki. «Wenn sich immer mehr Menschen anstecken und die Hospitalisationen steigen, belastet das irgendwann die Ressourcen im Gesundheitssystem», sagt Bielicki. «Die Spitalbetten passen sich nicht der Inzidenz an.»

4000 Kinder: USA schreiben Rekord

In den USA hat das Virusgeschehen bereits zu einem Rekord der pädiatrischen Spitalaufenthalte geführt. Über 4000 Kinder mit Covid-19 wurden alleine am Mittwoch in den Vereinigten Staaten hospitalisiert, berichtet die Washington Post. Das grösste Kinderkrankenhaus im Land, das Texas Children’s Hospital in Houston, spricht von einer Vervierfachung der Fallzahlen seit Ende Dezember.

Die Lage dürfte sich weiter zuspitzen, sagt Peter Hotez, Co-Direktor des Zentrums für Impfstoffentwicklung bei Texas Children's, gegenüber CNN. «Omikron ist bei weitem der König der übertragbaren Covid-Viren. Wir sehen eine noch nie dagewesene Anzahl von Kindern, die sich infizieren und hospitalisiert werden», so Hotez.

«Nebendiagnosen» auch bei Kindern

Nicht alle Covid-Patienten liegen wegen des Virus im Spital. Wenn jemand mit gebrochenem Bein ins Spital kommt und beim Eintritt positiv auf Sars-CoV-2 getestet wird, taucht diese Person in der Hospitalisierungs-Statistik des Bundes auf. Eine Recherche von Blick zeigt: In einigen Spitälern machen diese «Nebendiagnosen» bis zur Hälfte der Fälle aus.

«Wenn ein Patient positiv auf das Coronavirus getestet wird, müssen wir ihn als solchen behandeln. Das bedeutet mehr Ressourcen.»
Julia Bielicki, Leitende Ärztin Pädiatrie und Infektiologie am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)

Bei Kindern werde das auch so gehandhabt, bestätigt Bielicki von der Pädiatrie am UKBB. Sie braucht den Begriff «Zufallsbefunde». Momentan würden diese Befunde maximal 25 Prozent ausmachen. «Die grosse Mehrheit der Kinder, die als Corona-Patienten gelten, kommen auch wirklich wegen Covid oder den Symptomen ins Spital», sagt die Kinderärztin.

Für die Statistik mag das relevant sein, für den Spitalbetrieb allerdings sekundär. «Wenn ein Patient positiv auf das Coronavirus getestet wird, müssen wir ihn als solchen behandeln», sagt Bielicki. Das bedeute mehr Ressourcen wie Schutzkleidung oder Isolation in einem Einzelzimmer, damit die Person keine anderen Patienten ansteckt.

Schwere Verläufe sind selten

Schwere Verläufe seien bei Kindern nach wie vor auch bei Omikron extrem selten, sagt Bielicki. «Die Virusvariante führt bei allen Altersgruppen zu milderen Verläufen und es gibt bisher keine Hinweise, dass das bei Kindern und Jugendlichen anders ist.»

Meist kommen die Kinder mit einer akuten Covid-Infektion wegen Fieber, Atemwegssymptomen wie pfeifenden Atems oder Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfalls ins Spital. Pims-Fälle – ein Entzündungssyndrom, das bei Kindern nach einer Covid-Infektion auftritt – machten im UKBB rund ein Viertel aus, so Bielicki.

Impfen oder durchseuchen?

Dass Kinder noch kaum geimpft seien, sei ein zentraler Grund für die hohen Fallzahlen. Das bestätigt neben diversen Infektiologen und Ärztinnen auch Julia Bielicki vom UKBB. Ob in ihren Augen zum jetzigen Zeitpunkt eine Durchseuchung mehr Sinn mache, dazu sagt die Infektiologin: «Wenn man eine sichere und empfohlene Impfung hat – und die haben wir – ist diese immer einer Infektion vorzuziehen.»

Seit Anfang Januar können sich fünf- bis elfjährige Kinder impfen lassen. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) rät zum Pieks mit zwei Dosen.

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