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Fischer und Embolo: Ein Vergleich der Vergehen

epa12526307 Switzerland's forward Breel Embolo attends a press conference at the Stade de Geneve stadium, in Geneva, Switzerland, 14 November 2025. Switzerland is preparing for the FIFA World Cup ...
Nati-Stürmen Breel Embolo durfte am Dienstag nicht in die USA einreisen – wegen einer Vorstrafe.Bild: keystone
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Fischer und Embolo – wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Straftätern?

03.06.2026, 20:1403.06.2026, 20:14

Der eine trägt Eis im Herzen, der andere Fussballschuhe an den Füssen. Der eine heisst Patrick Fischer, der andere Breel Embolo. Beide sind Nationalfiguren. Beide stehen im Schaufenster des Schweizer Sports. Beide sind Vorbilder – oder sollten es zumindest sein. Und doch werden sie nach unterschiedlichen Gesetzen beurteilt.

Auch Sportstars kommen mit dem Gesetz in Konflikt. Meistens provozieren sie keine nationalen Schlagzeilen. In zwei Fällen aber schon. Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischers Fall («Impfbschiss») ist durch die Reaktion auf eine angekündigte TV-Enthüllung erst zum Medienereignis geworden. Breel Embolos Konflikt mit dem Gesetz durch eine Annullierung der Einreisebewilligung in die USA.

KARLSTAD, SWEDEN 20240210 Schweiz head coach Patrick Fischer during Saturday s Ice hockey, Eishockey match in the Beijer Hockey Games Euro Hockey Tour between Sweden and Switzerland in Löfbergs Arena. ...
Patrick Fischer war bis kurz vor der Heim-WM Coach der Schweizer Eishockeynationalmannschaft. Bild: IMAGO/TT

Patrick Fischer stolperte über eine Urkundenfälschung. Er ist mit einem gefälschten Impfnachweis zu den Olympischen Spielen nach Peking gereist. Keine Blutgrätsche gegen die Moral, kein Raubüberfall auf die Anständigkeit. Aber eben eine strafrechtlich relevante Verfehlung. Im Schweizer Eishockey genügte das, um eine Debatte auszulösen, die rasch zur Untragbarkeit führte.

Tribunal der Werte

Der Nationaltrainer wurde nicht mehr an seinen drei Silbermedaillen gemessen. Nicht mehr nur an seinen Visionen, die unser Hockey in die Weltspitze geführt haben. Sondern auch an der Frage, ob ein Nationaltrainer mit einer rechtskräftigen Verurteilung noch glaubwürdig als Lichtgestalt unseres Hockeys sein könne. Die Antwort lautete: Nein. Der Fall wurde für die Verbandsführung sogleich zum Tribunal der Werte.

Nun betreten wir eine andere Arena. Grösser, lauter, reicher. Das Fussballstadion.

Dort steht Breel Embolo. Nationalspieler. Publikumsliebling. Identifikationsfigur. Ein Mann, dessen Trikot von Kindern getragen wird, die ihren Eltern erklären, dass sie später einmal auch für die Schweiz Tore schiessen wollen.

Breel Embolo bei einem Training der Schweizer Fussball Nationalmannschaft im Dreisamstadion in Freiburg, Deutschland, am Montag, 23. Maerz 2026. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Breel Embolo bei einem Training der Schweizer Fussballnationalmannschaft.Bild: keystone

Breel Embolo ist rechtskräftig verurteilt worden. Die amerikanischen Einreisebestimmungen haben dazu geführt, dass ihm die Einreise in die USA vorerst verwehrt bleibt. Das ist keine Bagatelle. Wer für eine WM in Nordamerika vorgesehen ist, für den ist das eine sportliche Frage von höchster Relevanz.

Ein Gartenzaun in der Weltstadt

Doch die eigentliche Frage stellt kaum jemand: Ist ein verurteilter Straftäter als Nationalspieler und Vorbild eigentlich tragbar?

Anders als im Eishockey reagieren der Verband und die Fussballwelt mit bemerkenswerter Gelassenheit. Man spricht über Formkurven, über Transferwerte, über die Chancen auf die nächste WM. Man diskutiert Taktik. Man analysiert Laufwege. Über die moralische Dimension wird höflich hinweggegrätscht. Als hätte jemand den Ton abgeschaltet.

Switzerland's supporters hold a banner with "Danke Fischi (for Patrick Fischer) before the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship gold medal game between Switzerland and Finland, ...
Schweizer Fans hielten vor dem Finale der Eishockey-Weltmeisterschaft in der Swiss Life Arena in Zürich ein Transparent mit der Aufschrift «Danke Fischi.»Bild: keystone

Im Eishockey dagegen werden Werte oft wie Fahnen vorangetragen. Vielleicht weil die Welt kleiner ist. Vielleicht weil die Nähe grösser ist. Vielleicht weil sich das Eishockey noch immer als Dorf versteht, während der Fussball längst eine globale Unterhaltungsindustrie geworden ist.

Im Dorf weiss jeder, wer den Gartenzaun umgestossen hat. In der Weltstadt interessiert nur, wer das nächste Tor schiesst.

Natürlich sind die Fälle unterschiedlich. Niemand, der bei Verstand ist, wird sie eins zu eins vergleichen. Die juristischen Hintergründe sind andere. Die Umstände sind andere. Die Personen sind andere. Bei Embolo kommt jugendlicher Übermut – er war bei der Straftat erst 21 – entlastend hinzu, bei Patrick Fischer im reifen Mannesalter von damals 46 Jahren wiegt die Verantwortung als Führungspersönlichkeit schwerer. Es geht nicht um die Straftaten. Es geht um die Massstäbe.

Moralische Ansprüche

Wenn Patrick Fischer an einem moralischen Anspruch gemessen wird, dann muss dieselbe Messlatte auch für Breel Embolo gelten. Und wenn für Embolo andere Kriterien gelten, dann muss man ehrlicherweise eingestehen, dass die Debatte um Fischer nie nur eine Frage der Moral war. Dann war sie eine Frage der Macht.

KEYPIX - Switzerland's players Granit Xhaka, Breel Embolo, Ruben Vargas, and Nico Elvedi, from left, react during a training session one day prior to the FIFA World Cup 26 UEFA Qualifiers Group B ...
Breel Embolos Teamkollegen sind bereits in den USA, wo in wenigen Tagen die Fussball-Weltmeisterschaft beginnt.Bild: keystone

Denn der Fussball ist der König unter den Sportarten. Er füllt Stadien, generiert Millionen und produziert Helden am Fliessband. Seine Stars geniessen eine Narrenfreiheit, von der ein Eishockeytrainer nur träumen kann.

Dem Torjäger wird verziehen. Der Trainer wird verurteilt. Das mag menschlich sein. Es ist aber nicht konsequent.

Und so bleibt bei allen Unterschieden zwischen den zwei Fällen am Ende eine unbequeme Erkenntnis zurück. Vielleicht haben wir gar keine einheitlichen Werte im Schweizer Sport. Vielleicht besitzen wir nur unterschiedlich lange Massstäbe. Einen für das Eishockey. Einen für den Fussball.

Und je grösser die Popularität, desto kürzer wird die Erinnerung und desto länger die Nachsicht. Das ist nicht zwingend ungerecht. Aber man sollte wenigstens den Mut haben, es auszusprechen.

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Regius
03.06.2026 20:41registriert August 2017
Für mich darf man das zweogeteilt anschauen. Soviel ich weiss hatte die Verurteilung von Embolo nichts mit seinem Beruf an sich zu tun. Bei Fischer hingegen schon. Wäre es bei Fischer bloss um die Missachtung der Mindestgeschwindigkeit gegangen wäre er bis nach der WM auch noch Nati-Trainer gewesen. Der Vergleich hinkt für mich gewaltig…
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bärn
03.06.2026 20:40registriert Juli 2016
nein klaus... und ja du magst den fischer bewundern... aber der herr fischer hat seine moralischen werte immer gepredigt und diese vertreten wie unverhandelbar diese sind... hat er auch so angewendet bei allen anderen selbst wenn absolut unnötig, nur bei sich nicht. und zudem hat er ein ganzes team, ja gar mission gefährdet, indem er sein ego über alles stellt, zudem gar einfach ein prozedere hätte wählen können mit der quarantäne, aber dafür war er sich auch zu schade.... der monsieur fussballer hat auch ein ego problem, und ja aus meiner sicht könnte/müsste man auf diesen verzichten.....
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giagia
03.06.2026 20:43registriert September 2015
Der eine ist Spieler, der andere Trainer. Das macht m.E. viel aus. Bei Yakin wäre so etwas noch viel mehr abgegangen.

"Keine Blutgrätsche gegen die Moral" von Fischer? Ich finde schon – das Vergehen und auch seine Lügen, als es dann rausgekommen ist. Zudem hat er das Vergehen ins seiner Funktion als Nationaltrainer gemacht bzw. zumindest dafür und nicht als Privatperson.
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