«Über eigenen Optimismus gestolpert»: Patrick Fischer bricht sein Schweigen
Patrick Fischer hat sein Schweigen gebrochen. Drei Wochen nach seiner Entlassung als Eishockey-Nationaltrainer hat Fischer ein Interview in der Wirtschaftszeitung «Der Leader» gegeben. Eigentlich hätte dieses Interview gemäss CH Media erst nach der WM veröffentlicht werden sollen und wurde mittlerweile wieder von der Seite entfernt.
Trotzdem ist mittlerweile bekannt, was Fischer alles zu Wort gegeben hat. Wie die Aargauer Zeitung zuerst berichtet, sagte Fischer, die Entlassung sei ein «tiefer Einschnitt» für ihn gewesen und es wäre entscheidend gewesen, dass nicht die Schuldfrage gestellt wird. «Rückschläge gehören zum Leben genauso wie die nötige Ausdauer und Entschlossenheit, sich nie von der eigenen Mission abbringen zu lassen», erklärt der ehemalige Nationaltrainer.
Fischer wurde entlassen, nachdem bekannt wurde, dass er vor den Olympischen Spielen 2022 ein Impfzertifikat fälschte und so unerlaubterweise nach China reiste. Ein Jahr später wurde Fischer wegen Urkundenfälschung verurteilt. Dies vertraute er bei einem Mittagessen dem SRF-Journalisten Pascal Schmitz an. Dieser wollte die Information veröffentlichen, aber Fischer und der Verband kamen ihm mit einer Stellungnahme zuvor. Fischer selbst findet, dass er «über meinen eigenen Optimismus, über mein Vertrauen in Mitmenschen und über den mir so wichtigen Wert, mir selbst treu zu bleiben» gestolpert sei.
Nach seiner Entlassung möchte der 50-Jährige weiterhin öffentlich auftreten und Referate abhalten. Solche sind auch bereits im kommenden Juni geplant und pro Auftritt soll Fischer einen vierstelligen Betrag erhalten.
Im Interview sprach Fischer auch über das Thema Vertrauen und sagte: «Aus meiner eigenen Erfahrung habe ich gelernt, dass Klarheit schützt. Ein direktes, respektvolles Gespräch, auch wenn es wehtut, ist immer besser als das, was man unter den Teppich kehrt.» Fischer selbst hatte den Schweizer Eishockeyverband nach seiner Verurteilung nicht informiert und Verbandspräsident Urs Kessler erfuhr erst davon, als das SRF auf ihn zukam und Fischer wusste, dass das Schweizer Fernsehen Recherchen betreibt.
Die letzten Monate nutzte Fischer dazu, viel nachzudenken und sagt: «Das Thema Resilienz bewegt mich sehr persönlich. Ich habe selbst erlebt, was es bedeutet, neu anzufangen.» Dabei möchte er zukünftig Führungskräfte begleiten. «Nicht als jemand, der alles weiss, sondern als jemand, der selbst durchs Feuer gegangen ist», so Fischer im Interview. (riz)
