Schweiz
Energie

Energiestrategie 2050: So reagiert Doris Leuthard auf Kritik der SVP

Alt Bundesraetin Doris Leuthard besucht die Gedenk- und Jubilaeumsfeier zum 200 Jahre Jubilaeum des Loewendenkmals am Dienstag, 10. August 2021 in Luzern. Das Loewendenkmal im Zentrum Luzerns erinnert ...
Sie war die Energieministerin zu ihrer Zeit im Bundesrat und verteidigt auch heute noch dessen Energiestrategie 2050 – obwohl diese unter Druck gerät. Bild: keystone

Alt Bundesrätin Doris Leuthard reagiert auf SVP-Kritik an Energiestrategie – in 8 Zitaten

Fahrlässige Aussagen zur Energiestrategie 2050, das wirft die SVP alt Bundesrätin Doris Leuthard vor. Diese nimmt Stellung – und gibt ordentlich zurück.
25.08.2022, 17:5426.08.2022, 12:37
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Angesicht der Energiekrise in Europa und möglicher Stromknappheit in der Schweiz gerät die vom Bundesrat entwickelte Energiestrategie 2050 zusehends unter Druck. Auf der Seite des Bundesamtes für Energie (BfE) steht zur Strategie unter anderem: «Die Schweiz verfügt heute über eine sichere und kostengünstige Energieversorgung.» Der Fokus des Bundesrats liegt auf Energieeffizienz und erneuerbaren Energien.

Ebendieser Begriff der Sicherheit ist manchen ein Dorn im Auge. So kritisierte die SVP: «Die damalige Bundesrätin, Doris Leuthard, kanzelte alle Kritiker der Energiestrategie richtiggehend ab und machte fahrlässige Aussagen wie: ‹Unsicherheit gibt es insofern nicht, als man in allen europäischen Staaten in den nächsten 20 Jahren eine genügende Stromproduktion haben wird.› Heute wissen wir nur zu gut, dass sie sich getäuscht hat», schreibt beispielsweise SVP-Nationalrat Albert Rösti auf die parteieigene Webseite.

Dieser Kritik stellt sich alt Bundesrätin Doris Leuthard und publizierte einen Beitrag in der «NZZ». Wir haben für euch ihre wichtigsten Zitate rund um die Energiestrategie der Schweiz zusammengefasst.

Zitat #1

«(...) 2011 war für den Bundesrat schnell klar, dass der Neubau von KKW nicht mehr infrage kam: zu teuer, zu risikobehaftet, ungelöstes Abfallproblem und keine neue Technologie in Sicht. Dem standen die erneuerbaren Energien gegenüber.»

KKW steht für Kernkraftwerke (Atomkraftwerke). Die SVP kritisiert unter anderem den Atomausstieg der Schweiz, namentlich den derzeitigen Rückbau des AKWs Mühleberg. Dem gegenüber steht der Bundesrat, der aus verschiedenen Gründen nicht mehr auf Atomenergie setzen will.

Dass die SVP das Rad zurückdrehen wolle, erstaune Leuthard nicht, schreibt sie. Aber die Partei solle auch den Volksentscheid akzeptieren sowie die Kosten, die Dauer und das ungelöste Endlagerproblem der Kernenergie berücksichtigen. Und weiter:

Zitat #2

«Und übrigens kommen Brennstäbe für KKW zum grössten Teil aus Russland. Die Entscheide zu neuen KKW waren und sind richtig.»

Die Abhängigkeit der Schweiz von Strom, Öl und Gas sei nicht über Nacht lösbar, schreibt Leuthard im Beitrag der «NZZ». Eine Diversifizierung der Stromversorgung und die Umstellung von Haushalten und Industrie seien wichtig, aber nicht von heute auf morgen machbar.

Zitat #3

«Energiepolitik ist sehr komplex und heterogen organisiert. Nur zusammen mit all den verschiedenen Akteuren lässt sich etwas verändern.»

Zitat #4

«Sich weiter unabhängig zu machen, ist sicher nicht falsch, aber Autarkie ist nicht realistisch.»

Der Ausbau von Erneuerbaren Energien wie Wind-, Wasser- und Sonnenenergie sei zentral für die Schweiz, da diese nicht über viele Rohstoffe verfüge.

Zitat #5

«Auch wenn sich die Schweiz einiges leisten kann, bleiben wir doch ein Land ohne grosse Ressourcen.»

Ein Problem sei die Speicherung – zum Beispiel die überschüssige Stromproduktion vom Sommer im Winter zugänglich machen zu können. Einer der Gründe:

Zitat #6

«Was wir wohl ungenügend vorangetrieben haben, sind die Speicherlösungen.»

Enge Zusammenarbeit mit der EU sei wichtig, und Leuthard appelliert auch an Herr und Frau Schweizer, in den eigenen vier Wänden Strom und Gas zu sparen.

Zitat #7

«Leider sind wir nicht Teil des EU-Energiemarktes. Daher sind wir bei Mangellagen nicht in deren Sicherheitssystem eingebettet.»

Und zum Schluss bekommt die SVP nochmals einen Seitenhieb verpasst:

Zitat #8

«Politiker müssen ihr Tun verantworten – aber auch ihr Unterlassen. Heute werden Ängste bewirtschaftet. Aus der Enttäuschung der Unsicheren wird ein Parteiprogramm konstruiert. Damit verkommt die Politik zur Talkshow. Ich appelliere an die Ernsthaftigkeit. Denn im Gegensatz zu einigen SVP-Politikern habe ich die Erfahrung gemacht, dass wir ein kluges Volk sind. Alle werden ihren Beitrag leisten, damit unser Land möglichst gut auch diese Krise überwindet.»

(adi)

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113 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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HugiHans
25.08.2022 18:24registriert Juli 2018
Die SVP leidet hochgradig an Amnesie! Aber mit dem Zeigefinger andere Abkanzeln um von den eigenen Versäumnissen, vom eigenen Versagen abzulenken, dass beherrschen sie perfekt. Ein Trauerspiel und einfach nur unwählbar …
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Callao
25.08.2022 18:09registriert April 2020
Es nutzt meines Erachtens nichts, wenn aktuell mit dem Finger auf Personen und Institutionen gezeigt. Das vergangene und verpasste kann nicht rückgängig gemacht werden. Was wir brauchen sind brauchbare Lösungen. Und zwar von allen. Ohne parteipolitisches Geplänkel! Wir sitzen nämlich alle im selben Boot. Ob wir wollen oder nicht!
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Don't look up!
25.08.2022 18:33registriert Juni 2021
Ja, das war jetzt mal echt nötig.

Es ist klar, wer hier die falschen Prioritäten setzt. Sie ist es nicht.
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