Protest in Bellinzona gegen immer mehr Gewalt an Frauen
Schluss mit Gewalt an Frauen. Das forderten am Dienstagabend in Bellinzona rund 30 Frauen und Männer. Die im Stadtzentrum organisierte Demonstration hatte zum Ziel, die Öffentlichkeit für die im Tessin wachsende Zahl an Femiziden, von Morden an Frauen, zu sensibilisieren.
Seit Jahresbeginn sind im Tessin drei Frauen auf tragische Weise ums Leben gekommen, zuletzt am 9. Juli in Faido, wo eine Frau Opfer ihres Ex-Mannes wurde, der anschliessend bei einer spektakulären Explosion selbst ums Leben kam.
Die von der Bewegung für den Sozialismus (MPS) unterstützte Kundgebung in der Tessiner Kantonshauptstadt sollte diese Art von Gewalt anprangern. Frauen seien noch nicht ausreichend geschützt, betonten die Protestierenden. Und die Fakten sprechen für sich: Zu 17 Femiziden ist es in der Schweiz im laufenden Jahr schon gekommen.
Die Demonstrierenden forderten die Anerkennung von Femiziden ohne mediale oder behördliche Verharmlosung. Zudem verlangten sie, die Schutzmassnahmen für gefährdete Frauen zu verbessern, die Prävention zu verstärken, rasche Interventionen zu garantieren und zugängliche Strukturen für alle schutzbedürftigen Frauen zu finanzieren.
Sexistische Kultur sei im Tessin noch zu präsent, auch im öffentlichen Raum, prangerten die Organisatorinnen an. Der Kanton müsse mehr tun und mehr Mittel einsetzen, um der häuslichen Gewalt entgegenzuwirken. Es gehe auch darum, die Aufmerksamkeit stärker auf die Opfer und nicht auf die Täter zu richten, wie es beim Femizid in Faido der Fall gewesen sei.
«Das Gedenken genügt nicht, der Kampf geht weiter», schlossen die Frauen des feministischen Kollektivs «Io l'8 ogni giorno» / «Io lotto ogni giorno» («Ich kämpfe jeden Tag»).
Als Femizid wird die Tötung einer Frau wegen ihres Geschlechts bezeichnet. Gemeint sind Frauentötungen, die durch hierarchische Geschlechterverhältnisse motiviert sind. Oft werden diese in (Ex-)Partnerschaften ausgeübt, sie können aber auch ausserhalb stattfinden. (sda)
