Schweiz
Homosexualität

Kinder von Schwulen-Paar werden von Aargauer Spielgruppe abgewiesen

ZUM THEMA REGENBOGENFAMILIEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- An LGBT family - a gay couple with their son - on the playground of the Community Centre Wipkingen during ...
Bild: KEYSTONE

Kinder von Schwulen-Paar werden von Aargauer Spielgruppe abgewiesen

Selbst der zuständige Stadtrat hat kein Verständnis für die Argumentation der verantwortlichen Betriebsleiterin. Sie findet, eine solche Konstellation sei weder normal noch natürlich und verweigert den Kindern deshalb die Aufnahme in ihre Spielgruppe.
01.11.2019, 06:5001.11.2019, 08:55
Urs Helbling / ch media

Wir sehen zwei Männer und zwei Kinder. Sie laufen die Lenzburger Rathausgasse hinauf. An der identischen Kleidung ist leicht zu erkennen, dass die beiden Buben Zwillinge sind. Sie sind dreieinhalb Jahre alt, heissen Rafael und Rahul, wie der «Lenzburger Bezirks-Anzeiger» (LBA) in seiner Ausgabe von gestern berichtete. Ihre Eltern sind die beiden Männer Roshan und Michael.

Sie hätten ihre Söhne gerne in eine Lenzburger Spielgruppe geschickt. Doch diese hat den Zwillingen die Aufnahme verweigert. «Der Grund: Ihre Eltern sind ein homosexuelles Paar, was die betreffende Spielgruppenleiterin den Eltern gegenüber mit den Worten kommentierte, dass eine solche Konstellation weder normal noch natürlich sei», schreibt der «LBA».

«Im Zentrum steht das Wohl des Kindes. Die Lebensform der Eltern sollte bei der Aufnahme in eine Spielgruppe keine Rolle spielen.»
Lenzburger Stadtrat Andreas Schmid

Bei entsprechenden Abklärungen seitens der Zeitung sei diese Aussage von der Spielgruppenleiterin bestätigt worden. Gegenüber ch media wollte die Leiterin gestern nichts mehr sagen – sie hat aber auch nicht dementiert.

Stadtrat zeigt kein Verständnis

«Diskriminierendes Verhalten ist in Spielgruppen nicht erwünscht», zitiert der «LBA» Regula Aeschbach, vom Verein Spielgruppen Aargau. Im Artikel kommt auch der zuständige Lenzburger Stadtrat Andreas Schmid (FDP) zu Wort: «Ich persönlich habe für die Haltung dieser Spielgruppenleiterin kein Verständnis. Im Zentrum steht das Wohl des Kindes. Die Lebensform der Eltern sollte bei der Aufnahme in eine Spielgruppe keine Rolle spielen. Ein entsprechendes Diskriminierungsverbot ist in der Bundesverfassung bereits verankert.»

Spielgruppen bedürfen keiner Bewilligung. Es gibt darum auch keine Kontrolle seitens der Behörden. Die betroffene Lenzburger Spielgruppe wird von einer Frau Ende Fünfzig geleitet. In die Spielgruppe kommen Kinder ab zwei Jahren bis zum Kindergarteneintritt. Die Spielgruppe hat eine professionelle Internetseite und sie ist auch auf der städtischen Internetseite unter «Kinderbetreuung» aufgeführt.

Die Eltern der Zwillinge leben noch nicht lange in Lenzburg. Einer der Männer arbeitet in Zürich, der andere in Basel. Eine Kinderbetreuerin kümmert sich dann um die Buben. Ob sie je in eine Spielgruppe gehen, ist unklar: Nach den schlechten Erfahrungen überlegen sich die beiden Männer laut LBA, ob sie nochmals einen Anlauf nehmen oder einfach warten sollen bis die Kleinen in den Kindergarten kommen.

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