Zürcher Riesenbaustelle führt zu Rissen an Altbauten
An der Bellerivestrasse in Zürich werden die bis zu 100 Jahre alten Wasser- und Abwasserleitungen saniert. Die Grossbaustelle sorgt jedoch nicht nur bei Autofahrerinnen und Autofahrern für Einschränkungen, sondern beschäftigt auch die Besitzerinnen und Besitzer der umliegenden Häuser. Die teils starken Vibrationen der Bauarbeiten bringen die Altbauten zum Erzittern und führen zu Rissen.
Aus diesem Grund werden vom Erdgeschoss bis ins oberste Geschoss der Häuser Stahlstützen eingebaut und Rissmonitore installiert, schreibt der «Tagesanzeiger». Davon betroffen sind die Gebäude an der Florastrasse 1, Seegartenstrasse 2 und Bellerivestrasse 3.
Das Tiefbauamt der Stadt Zürich bestätigt die Situation gegenüber der Zeitung. Vor Baubeginn wurde der Zustand der Häuser mithilfe von Rissprotokollen dokumentiert. «Bei der erneuten Zustandserfassung nach Abschluss der vibrationsintensiven Bauarbeiten im Frühling 2026 wurde eine Zunahme der Risse festgestellt», teilt die Stadt mit. Eine «qualifizierte Einschätzung der Risse» liegt jedoch noch nicht vor.
Das sagt ein Experte
Wie schlimm die Schäden wirklich sind, schätzt Christof Ruggli, Bauingenieur und Experte für Tragwerke und Bauerhaltung, ein. Für ihn ist ein Einsturz der betroffenen Häuser derzeit unwahrscheinlich: «Einsturzgefährdet sind die Häuser kaum, auch wenn die Risse gross sind.» Die Schäden beträfen vor allem die Aussenfassaden, was bei älteren Gebäuden nicht ungewöhnlich sei. Entscheidend sei eine genaue Analyse nach Abschluss der Bauarbeiten. «Dann muss unterschieden werden, welche Risse altersbedingt oder aufgrund des Baugrunds entstanden sind und welche direkt auf die Bauarbeiten zurückzuführen sind», erklärt Ruggli gegenüber dem «Tagesanzeiger».
Der Boden an der Bellerivestrasse stellt eine Herausforderung dar, denn er besteht aus Schichten der sogenannten Seekreide – einem feinkörnigen Kalkschlamm, der sich seit der letzten Eiszeit in den Tiefen des Zürichsees abgelagert hat. Schon kleine Erschütterungen können dafür sorgen, dass sich der Boden ein klein wenig verschiebt.
Trotz des Einsatzes von Messgeräten und der Überwachung von Gebäuden können Veränderungen im Mauerwerk nicht immer verhindert werden.
So geht es weiter
Da die Bellerivestrasse einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in Zürich darstellt, können die Strassen nicht vollständig gesperrt werden. Die Bauarbeiten laufen etappenweise, während der Verkehr weiterläuft. Besonders anspruchsvoll seien die Arbeiten in unmittelbarer Nähe zu den Wohnhäusern, schreibt die Stadt. Die Bauarbeiten an der Bellerivestrasse sollen Ende August 2026 fertiggestellt werden. Danach könne das Tiefbauamt eine weitere Zustandserfassung bei den Gebäuden planen.
(kek)
