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Dumm gelaufen: Mutmasslicher Kasachen-Spion, der sich in Genf von seinem Opfer fotografieren liess. bild: ho

Kasachenkrieg in Genf: Trotz Fotos der Spione wollte Bundesanwalt Lauber nicht ermitteln

Mit den Ermittlungen in dieser Kasachstan-Affäre ist seit einigen Jahren die Bundesanwaltschaft von Michael Lauber betraut – doch dieser wollte das Spionageverfahren einstellen. 

Henry Habegger / Nordwestschweiz



Viktor Khrapunov und seine Familie haben sich 2008 nach Genf abgesetzt. Der autoritär regierende kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew versucht seither, der Oligarchen-Familie und ihrer vielen Millionen habhaft zu werden.

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Viktor Khrapunov. bild: keystone

Die Fehde treibt bisweilen wilde Blüten, wie eine Episode aus dem Februar 2012 zeigt. Da wurden Ilyias Khrapunov, der Sohn des Oligarchen, und Ilyias’ Frau, Madina Ablyazova, Opfer von hemmungslosen Spitzelattacken mitten in der Stadt. Das jedenfalls geht aus einer Strafanzeige hervor, die das Paar Tage später gegen unbekannt einreichte.

Laut der Anzeige, die der «Nordwestschweiz» vorliegt, schlich im Februar 2012 eine «junge Frau mit langen roten Haaren (zwischen 20 und 30)» vor dem Haus der Khrapunovs herum, schoss Fotos der Garageneinfahrt. Tags darauf fanden die Schwiegertochter und ihr Chauffeur einen GPS-Tracker an ihrem Range Rover.

Die Bespitzelung hielt an. Einige Tage später beobachtete der Chauffeur des Paars während einer Fahrt, dass sie von einem Toyota mit Appenzeller Nummernschild verfolgt wurden. Am Tag darauf stand dieser Toyota etwa 500 Meter vom Haus der Khrapunovs entfernt. Ablyazova, die mit ihren Kindern das Haus verliess, sah eine junge Frau auf dem Beifahrersitz, die sie offenbar aus dem Auto heraus filmte. Kurzentschlossen, so wird in der Anzeige beschrieben, trat Ablyazova zum Toyota, um die Frau zur Rede zu stellen. Aber diese hatte die Tür verriegelt. «In diesem Augenblick entschied Madina Ablyazova, die Frau ihrerseits mithilfe ihres Mobiltelefons zu fotografieren», so die Anzeige.

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Der Mietwagen der angeblichen Spionin bild: ho

Angriff und Gegenangriff

Die Spionin, die englisch mit Akzent gesprochen haben soll, filmte also und wurde ihrerseits von ihrem Opfer fotografiert. Die junge Frau habe sich dann auf den Fahrersitz verschoben und sei weggefahren. Aber der Spuk war nicht zu Ende. «Als sie sich zu ihren Kindern umdrehte», so die Anzeige weiter, «sah Madina Ablyazova etwa 10 Meter vor ihr die Gegenwart eines Mannes, der mithilfe eines Mobiltelefons dabei war, ihre Kinder zu fotografieren.» Spion Nummer zwei also.

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Angebliche Spionin, im Auto abgelichtet bild: ho

Khrapunovs Schwiegertochter zahlte wiederum mit gleicher Münze zurück. «Sie näherte sich sogleich dem Mann, um ihn zu fragen, warum er das tat, und um ihn ebenfalls zu fotografieren».

Der Mann habe sich an Ablyazova gerichtet und englisch gesprochen. Dem Akzent nach zu urteilen sei er Brite. Dabei habe «dieses Individuum» sie unaufhörlich mit dem Handy gefilmt, so Khrapunovs Schwiegertochter.

Der Kasachenkrieg am Genfersee.

Es wurden nicht nur Spione und Spitzel eingesetzt. Die kasachische Regierung soll die Khrapunovs, ihre sechs Anwälte und den Kommunikationsberater auch gehackt haben. Trojaner und Malware seien auf die Computer der Nazarbajew-Gegner eingeschleust worden sein.

Aussichtslose Rechtshilfe?

Mit den Ermittlungen in dieser Kasachstan-Affäre ist seit einigen Jahren die Bundesanwaltschaft von Michael Lauber betraut. Nur: Sie wollte das Spionageverfahren einstellen. Begründung: Zwar habe die Identität der filmenden Spione wohl festgestellt werden können. Auch die Telefonanschlüsse im Ausland, von denen aus die Khrapunovs bedroht wurden, hätten ermittelt werden können. Wie auch die IP-Adressen, von denen aus Trojaner verschickt worden seien. Aber, so die Bundesanwaltschaft: Es sei nahezu aussichtslos, in dieser Sache Rechtshilfe aus dem Ausland zu erhalten.

Das Bundesstrafgericht, von den Khrapunovs angerufen, entschied aber kürzlich: Der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber darf in dem Fall die Segel nicht streichen, ohne es wenigstens versucht zu haben. Sie muss nun das Strafverfahren weiterführen und versuchen, der Übeltäter habhaft zu werden.

Auch Schweizer Politiker betroffen

Die Kasachstan-Affäre geht also in eine nächste Runde. Sie beschäftigt die Schweizer Öffentlichkeit seit über einem Jahr, als verschiedene Politiker wie Christa Markwalder, Walter Müller (beide FDP) oder Christian Miesch (SVP) kurz in ihren Sog gerieten.

Beide Oligarchen-Lager zählen in der Schweiz auf namhafte Anwälte und Lobbyisten. So ist FDP-Nationalrat Christian Lüscher Anwalt der Khrapunovs im Verfahren um Asyl, das diese in der Schweiz beantragen. Umgekehrt war aufseiten des kasachischen Regimes Ex-Botschafter Thomas Borer als Lobbyist tätig. Ebenso wie die Anwaltskanzlei Homburger und der private Geheimdienst Arcanum, beide mit Sitz in Zürich. Sicher ist nur: Fortsetzung folgt.

(aargauerzeitung.ch)

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 02.11.2016 10:48
    Highlight Highlight Man wundert sich alle paar Jahre aufs Neue über die Wahl, vor Allem aber das inkompetente und ineffiziente Vorgehen der Schweizer Bundesanwälte die eigentlich alle erfolglos agierten und dann irgendwann gehen mussten.

    Bleibt die Frage, ob wir wirklich keine initiativeren Juristen für diesen anspruchsvollen Job auftreiben können 🤔?!
    • manhunt 02.11.2016 12:15
      Highlight Highlight das problem scheint die bezahlung zu sein. in der privatwirtschaft seien die löhne und die arbeitsbedingungen um ein vielfaches attraktiver. so zumindest sehen das bekannte aus meinem umfeld, welche als juristen oder anwälte tätig sind.
  • Hierundjetzt 02.11.2016 08:31
    Highlight Highlight Und jetzt meine lieben, lernen die Arbeitsweise von BA Lauber kennen:

    Uuuuh ich will nöd. Das bringts nicht. Es ist ja nur Spionage.

    *zwägel* *weinen* *sich auf den Boden werf*

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