Seit Dezember ist Omikron in der Schweiz die dominante Variante des Coronavirus. Genauer gesagt handelt es sich dabei um die Variante BA.1 von Omikron – denn zusätzlich dazu sind inzwischen zwei weitere Varianten der Familie Omikron aufgetaucht: BA.2 und BA.3. In Dänemark ist die bisherige Omikron-Variante bereits überholt und sorgt damit für Rekordzahlen.
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BA.1 und BA.2 unterscheiden sich ziemlich deutlich, nämlich in 17 Mutationen. Das ist ein grösserer Unterschied als zwischen dem Wildtypen aus Wuhan und Alpha (britische Variante), die in der Schweiz zum ersten Mal innert kürzester Zeit dominant wurde.
Der BA.2-Variante fehlt unter anderem im Spike-Protein die Deletion 69-70. Bei den Varianten BA.1 und BA.3 sind diese vorhanden.
Erstmals entdeckt wurde die Variante am 18. November 2021, am 7. Dezember wurde sie benannt. BA.2 entstand aus der Omikron-Linie und wird in der untenstehenden Grafik von Richard Neher orange dargestellt als 21L (Omicron).
This tree came out ok:https://t.co/dc43DWOwsC pic.twitter.com/nQ0oH9Xak7
— Richard Neher (@richardneher) January 23, 2022
Wie gross der Übertragungsvorteil exakt ist, werden mehr Daten und Untersuchungen erst noch zeigen. Erste Hinweise deuten aber darauf hin, dass sich BA.2 noch schneller verbreitet als BA.1. Da sich die Variante in Dänemark bereits durchgesetzt hat, muss sie einen Vorteil gegenüber der Variante BA.1 ausweisen. Entweder ist sie ansteckender oder sie kann die Immunantwort besser umgehen.
In Grossbritannien geht man nach ersten Daten davon aus, dass der BA.2-Anteil sich alle vier Tage verdoppelt. Geht das so weiter, könnte die Variante in rund drei Wochen dominant sein.
For the BA.2 watchers, looks like it doubling roughly every 4 days in the UK at the moment. Would make it the dominant strain around about February 14th.
— Dave McNally (@OliasDave) January 23, 2022
Maybe it is time to move away from the Greek alphabet and move onto their Gods instead. Eros variant? pic.twitter.com/G6mR5DUkz8
Die Variante BA.2 wird teilweise auch als «Tarnkappen-Variante» bezeichnet. Der Grund: Die bisherigen PCR-Tests können die Variante nicht so gut identifizieren. Denn bei der BA.2.-Variante fehlt im Spike-Protein die Deletion 69-70. Damit bleibt sie für PCR-Tests mit der SGTF-Methode (S-gene target failure) nicht identifizierbar.
Das bedeutet aber nicht, dass die Infektion nicht nachgewiesen werden kann, sondern, dass das Virus sich nicht von der Delta-Variante unterscheidet und als Omikron identifizieren lässt.
Mit der Genomsequenzierung ist die Unterscheidung aber nach wie vor möglich. Da dieses Verfahren aufwändiger ist, könnte die Variante öfter unerkannt bleiben.
BA.2 is growing fast in Denmark and looks to be outcompeting BA.1.
— Prof. Christina Pagel (@chrischirp) January 19, 2022
In England, there are *very early* signs that BA.2 is growing and, potentially, at the expense of BA.1.
Not sure what this will mean in context of high boosters & high prev BA.1 infection. 2/2 pic.twitter.com/mMj60irLY1
Die BA.2-Variante ist in Dänemark bereits dominant. Zudem wurde die Variante auch schon in 48 weiteren Ländern festgestellt, wie outbreak.info berichtet, das vom Scripps Research Institute in Kalifornien seit rund einem Jahr betrieben wird. Unter den 49 Ländern befindet sich auch die Schweiz mit 10 Fällen. Das BAG weist die Variante auf dem Corona-Dashboard allerdings (noch) nicht separat aus. Bei uns wird die Omikron-Variante mit 88,5 Prozent der Fälle in Verbindung gebracht.
Wie meist bei neuen Varianten hängt die Entdeckung auch damit zusammen, wie oft ein Land Virusproben sequenziert. Gut möglich also, dass hier eine Dunkelziffer besteht.
In Ländern, in denen BA.2 bereits einen hohen Anteil der Infektionen ausmacht, sind deutliche Anstiege in den Infektionszahlen auszumachen. So beispielsweise in Dänemark, wo sich die Zahlen fast identisch zur Schweiz entwickelten – allerdings mit rund drei Wochen Vorsprung. Inzwischen ist die Inzidenz in Dänemark rund doppelt so hoch wie in der Schweiz.
Auf dem aktuellen Niveau infizieren sich jede Woche 5 Prozent von Dänemarks Bewohnern. Dazu kommen mit der Dunkelziffer noch zusätzliche, unentdeckte Fälle.
Im Gegensatz zur Schweiz stiegen in Dänemark seit Oktober auch die Hospitalisierungen kontinuierlich an. Allerdings weist das dänische Gesundheitsamt selbst aus, dass diese Personen «wegen Covid-19 oder aus anderen Krankheitsgründen ins Spital müssen».
Wie gross der Anteil der Hospitalisierten ist, die tatsächlich wegen Covid-19 medizinische Hilfe benötigen, weiss man – wie in der Schweiz – nicht. In London, wo diese Unterscheidung gemacht wird, ist inzwischen mehr als die Hälfte der Patienten mit Covid-19 im Spital aus anderen Gründen eingeliefert worden. Auch wenn diese Patienten natürlich einen Mehraufwand für das Spital bedeuten, zeigt diese Zahl doch, dass die neuen Virenvarianten nicht zwingend mehr Hospitalisierungen fordern.
Eine ähnliche Situation könnte sich auch in Dänemark abspielen. So schreiben die Behörden auch, dass die «ersten Analysen keine Unterschiede bei den Hospitalisierungen zwischen BA.2 und BA.1 zeigen.» Allerdings seien Abklärungen zur Infektiosität und zur Impfstoffeffizienz noch im Gange.
Ähnliche Einschätzungen gibt es auch aus England, wo man bisher nicht damit rechnet, dass BA.2 tödlicher sein könnte als die ursprüngliche Omikron-Variante BA.1. Die Basler Virologin Dr. Emma Hodcroft gibt sich auf Twitter vorsichtig: «Im Moment gibt es keinen Grund davon auszugehen, dass BA.2 ansteckender ist oder schwerere Verläufe fordert als BA.1. Im Moment wissen wir nicht viel darüber – die Forschungsarbeit läuft.»
Die Weltgesundheitsorganisation WHO publizierte am 21. Januar ein Update zur Omikron-Lage. Darin schreibt die Organisation: «Die BA.1-Variante ist in aktuell 171 Ländern verbreitet und praktisch überall dominant. Neue Entwicklungen aus Indien, Südafrika, Grossbritannien und Dänemark deuten aber an, dass der Anteil an BA.2 zunimmt. Was die Übertragbarkeit und weitere Eigenschaften betrifft, wird aktuell untersucht, ist aber noch unklar.»
Die WHO erklärt: «Es braucht Studien, um die Eigenschaften von BA.2 besser zu verstehen. Entscheidend ist dabei auch, wie sehr sich BA.2 von BA.1 in den Punkten Übertragungsfähigkeit, Immunabwehr und Ansteckungsgefahr unterscheidet.»
...und wieder beginnt das grosse zittern... könnte, hätte, wäre... diese Konjunktiv-Berichte machen den Normalverbraucher auch nicht schlauer!