Schweiz
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Hasch mich! Die Avatare der Japanerin Ryuko und des Schweizer Nerds Marcus gehen aufeinander los. Bild: Filmcoopi

Ihr Game tötet Menschen. «Wissen Sie was? Das interessiert mich nicht.»

Zelda Madsen ist Unternehmerin und eine Opportunistin aus Überzeugung. Sie verteidigt Menschenexperimente mit Esoterik und Spiritualismus. Willkommen im Universum von «Polder».



Okay, die Frau, die vor mir sitzt, heisst in Wirklichkeit nicht Zelda Madsen. Sie heisst Wanda Wylowa und ist Schauspielerin. Im Film «Polder» spielt sie Zelda. Und für uns. In diesem Gespräch. Um uns einen Einstieg in die «Polder»-Welt zu ermöglichen. Denn «Polder» ist anders als jeder andere Schweizer Film bisher. Deshalb ist auch dieses Interview ganz anders als jedes, das wir bisher geführt haben.

Zelda ist böse. Sie will nicht nur den Turbokapitalismus, sie will die totale Kontrolle. Über den Menschen und sein Unterbewusstsein. Ihre Firma: Neuroo-X. Ihr Job: Sie verkauft ein neues Game, das aus unserer Realität und unserer Zeitrechnung eine neue Fiktion macht. Ein Game, für dessen Entwicklung Menschen geopfert werden.

zelda madsen polder

Zelda Madsen (Wanda Wylowa), CCO von Neuroo-X. Bild: Kamm(m)acher/Dschoint Ventschr

Frau Madsen, Sie sitzen in der Führungsetage von Neuroo-X, einer grossen Firma für Game-Design. Stimmt es, dass Sie das Unternehmen gemeinsam mit Cousins und Cousinen leiten? 
Wir sind eine grosse Familie. Ob verwandt oder nicht. Manchmal sind’s auch Wahlverwandtschaften, das ist so gewachsen. Aus einer Hippie-Kommune raus. Wir haben als Kinder alle zusammen auf dem Land gelebt, ohne Fernsehen und alles, mein Vater hat Super-8-Filme gemacht, meine Mutter hat gewoben, wir sind alle in die Rudolf-Steiner-Schule gegangen.  

Das klingt nach einem Paradies.
Auch Feen und Elfen waren für uns wichtig, meine Eltern haben mir auf den Weg gegeben, dass es auch etwas Anderes gibt als nur das Sichtbare. Danach hatten wir eine super Start-up-Zeit in Berlin ...

Inzest war in der Hippie-Kommune nie ein Thema?
Es gab sicher Lebensphasen, in denen das auch ein Thema war.

Das ist der Trailer zu «Polder»

Play Icon

YouTube/Der Polder

Sie haben Feen und Elfen erwähnt: Was halten Sie von Einhörnern?
Die gibt es! Auf jeden Fall! Ich bin da ganz offen. Kinder sehen auch Zwerge und Elfen, die Isländer sowieso. Dauernd.

Ein Tier, an dem Sie sehr hängen, ist der Delfin.
Ich muss oft Vorträge vor besorgten Eltern halten und ihnen die Angst vor den neuen Technologien nehmen. Dann erzähle ich ihnen von all den schönen Möglichkeiten. Zum Beispiel von der innigen Verbindung mit unserem Smartphone. Und ich warte auf den Tag, da mein Freund und ich uns nicht mehr am Morgen unsere Träume erzählen müssen, sondern wir können uns einfach anfassen, und die Träume schwappen vom einen auf den andern über.

Sowas Ähnliches wie Feen und Elfen ... Szene aus «Polder» ... Bild: Filmcoopi

... inspiriert von Giovanni Segantinis Bild «Die bösen Mütter» (1894). Bild: wikipedia

Auch Sexträume?
Die sind doch interessant! Ich bin sowieso für den totalen zwischenmenschlichen Datenaustausch.

Wir waren eigentlich bei den Delfinen.
Ja! Für Delfine ist Kommunikation doch alles! Oder Walgesänge! Die sind doch alle total miteinander verbunden. Es wäre doch für uns viel besser, wenn wir mehr mit dem Kosmos verbunden wären, wenn wir unsere Chakren öffnen und alles fliessen lassen würden. Ich wünsche mir unbedingt eine spirituellere oder transzendentalere Ebene, momentan ist mir die Welt echt zu konsumorientiert.

Sie versuchen jetzt im Ernst, mir Ihre Produkte mit Spiritualität zu verkaufen. Ist das so eine Silicon-Valley-Masche?
Klar denken die im Valley ähnlich wie wir. Ich bin ja auch oft dort, ich bin total beeindruckt, ich nehme und gebe dort gerne Workshops, da sind gute Leute an einem guten Ort, das lass ich auf mich wirken, das fühle ich. Und dann die Wüste! Viele verschieben jetzt auch ihre Büros nach Bali, das ist super, das heisst Kreativsein an einem schönen Ort.

Da kann die Schweiz ja nicht mithalten, oder?
Doch! Wunderschöne Kraftzentren gibt es da! Im Appenzell, im Engadin ...

Typischer Schweizer Kraftort, mit Japan angereichert. bild: Kamm(m)acher/Dschoint Ventschr

Wo ja auch Ihr neues Game spielt.
Ein wundervolles Game! Es ist der Anfang neuer Möglichkeiten. Erlebniswelten verschmelzen mit den Fantasien und Ängsten der Menschen. Wir arbeiten dafür mit dem ganzen Unterbewusstsein. Wir konzentrieren uns dabei auf schöne Erlebnisse, die Leute können durch uns Schönheit und Gutes tanken und sich an Kraftorte begeben.

Aber im Promomaterial des Games seh ich eine Frau mit einem aufgeschlitzten Mund. Das ist doch nicht schön?
In der Figur sind Urängste verkörpert, man kann sich dem stellen oder nicht. Man kann die Hexe auch töten.

«Polder» – wie im Absynth-Rausch

Es ist kaum zu fassen, dass «Polder» aus der Schweiz kommt. Science Fiction! Fantasy! Manga! Cosplay! Nietzsche! Keine Langeweile! Bilder, als hätte sie sich ein Game-Designer im Absynth-Rausch ausgedacht. «Polder» hat dafür schon viele Preise gewonnen. Zum Beispiel als bester europäischer Science-Fiction-Film.

Ihr verkabelt das Unterbewusstsein der Menschen mit eurer virtuellen Realität?
Ja.

Und dann beginnen sie zu spinnen?

Sie kommen nicht mehr aus dem Game raus.
Wenn Sie es schlecht machen? Klar.

Wie kontrolliert Ihr das?
Wir sind ständig am Verfeinern unserer Technologien, wir haben auch eine Hotline, die kann man anrufen, dann wird man von unseren Fachleuten wieder ausgeloggt. Und wir suchen immer selbst nach verloren gegangenen Usern.

Polder

Diese Schere wird viel Böses anrichten. bild: Kamm(m)acher/Dschoint Ventschr

Aber für die Game-Entwicklung habt ihr Menschenexperimente gemacht. China hat euch Probanden zur Verfügung gestellt. Woher kamen die? Aus der Psychiatrie? Aus dem Gefängnis?
Das weiss ich nicht. Ich weiss ja auch nicht, wer in Afrika Strassen baut.

Es soll dabei Tote gegeben haben! Und der neunjährige Sohn eures Gamedesigners blieb im Game drin hängen, sein Hirn fand den Ausweg nicht mehr. Was ist da passiert?
Er hat seine Verweildauer im Game falsch eingestellt. 16'000 Jahre statt 16 Uhr. Wir liessen ein Spezialistenteam kommen, schliesslich fanden wir heraus, dass es das Beste ist, ihm seinen Lieblingsort aus dem Spiel nachzubauen und ihm so ein langsames und sanftes Aufwachen zu ermöglichen. Im Spiel imaginierte er sich mit seiner japanischen Mutter und seinem Schweizer Vater in ein Häuschen im Engadin.

Schöne Scheisse.
In seinem Fall war es zum Glück nur eine winzige Holzhütte im Engadin. Aber wenn Ihr Unterbewusstsein sich jetzt in einem Schloss einnisten würde, müssten wir im Notfall das Schloss suchen oder sogar nachbauen. Das ist natürlich grauenhaft teuer. Deshalb müssen die User jetzt auch Verträge mit Neuroo-X unterschreiben, bevor sie zu spielen beginnen.

Das Familien-Idyll von Marcus (Christoph Bach), Ryuko (Nina Fog) und ihrem Sohn Walterli ...  Bild: Filmcoopi

... wird umschlagen in diese tarantinoeske Blutorgie. bild: Kamm(m)acher/Dschoint Ventschr

Seid Ihr nicht verklagt worden?
Doch, von der Mutter. Wir haben ihr zwei Millionen bezahlt. Und wir beginnen jetzt mit einer virtuellen Früherziehung an den Schulen. Ich möchte ja die Menschen über unser Game zu einem neuen Bewusstsein erziehen. Zum Beispiel, dass sie mit diesem langweiligen, linearen Zeitverständnis aufhören. Vielleicht könnten wir das Game auch zu einer virtuellen Psychiatrie machen, inklusive Ethikkommission und allem.

Mehr als ein Film

Hinter dem Film «Polder» stehen Samuel Schwarz (Regie und Drehbuch) und Julian Grünthal (Regie) und ihre Theatertruppe 400asa. Zum «Polder»-Universum gehören neben dem Film eine App mit Podcasts (gesprochen von Zelda Madsen) für interaktive Spaziergänge, ein Blog, eine Facebook-Seite und die Webseite inklusive Spiel.

Aber hinter diesem Traum vom Erziehen und Therapieren verbirgt sich ja bloss eine grössenwahnsinnige Wachstumsfantasie für Neuroo-X.
Wissen Sie was? Das interessiert mich nicht. Wenn Marktführerschaft, dann höchstens in einem missionarischen Sinn. Nie in einem merkantilen.

Sie werden vielleicht bald einmal Chefin von Neuroo-X, aber noch haben Sie einen Vorgesetzten, wie ist der so?
Grossartig. Manchmal haben wir auch Streit, aber grundsätzlich nehmen wir die Schwingungen des andern schon sehr genau wahr. Wir unternehmen auch offline sehr viele Dinge zusammen, gehen in die Berge, tauchen, fahren Kajak, setzen uns in Vietnam auf den Boden und spielen Gitarre.

«Der Polder» läuft ab 1. September im Kino.

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12
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Micha Moser 30.08.2016 16:47
    Highlight Highlight Oh toll das ihr sie bisschen bekamnter macht! Habe an der Fantasy Basel nennStand von ihnen gesehen und dachte, hoffentlich vergess ich es nicht
    • UserX 07.09.2016 13:29
      Highlight Highlight Den habe ich auch gesehen gesehen, und an der Beaumonde waren sie auch
  • exeswiss 30.08.2016 16:24
    Highlight Highlight hat nintendo noch kein markenrecht auf den namen zelda angemeldet? :P
    • UserX 07.09.2016 13:30
      Highlight Highlight Ha, gute Frage!
  • SkyBound 30.08.2016 15:34
    Highlight Highlight Tönt für mich sehr nach Sword Art Online, freue mich aber sehr auf den Film
    Habe das Interview aber nicht verstanden
    Ist es eine Art fiktives Interview?
    • Hayek1902 30.08.2016 15:39
      Highlight Highlight Die Schauspielerin bleibt in der Rolle. Also ein reales Interview mit einer fiktiven Figur.
  • vaccinator 30.08.2016 15:30
    Highlight Highlight Katastrophal geschrieben! Setze doch bitte Punkte und Kommas wo sie hingehören!
    • MisterM 30.08.2016 17:32
      Highlight Highlight Das ist nunmal Frau Meiers Schreibstil. Gefällt mir zwar auch nicht besonders, aber es gehört halt zu den (leider immer rarer werdenden) guten Seiten an Watson, dass die Autoren hier noch mit ihrer eigenen, unverkennbaren Stimme schreiben dürfen und wir nicht - wie sonst fast überall - denselben Einheitsbrei in Robotersprache lesen müssen. Meiers Interpunktion finde ich unverwechselbar; schon nach wenigen Sätzen weiss ich bereits, dass sie die Autorin ist. Das macht sie individuell, gibt ihrem Text eine eigene Note.

      Ein wertvolles Gut im Journalismus.
  • pamayer 30.08.2016 14:28
    Highlight Highlight Schräge sache...
    • UserX 07.09.2016 13:30
      Highlight Highlight musst mal die geschichten hören in der app.
  • nordkapper28 30.08.2016 14:06
    Highlight Highlight Clickbait!
  • Kyle C. 30.08.2016 13:52
    Highlight Highlight Hört sich zwar wie eine Mischung von eXistenZ und The Cell an, aber macht neugierig. Bin gespannt....

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