Schweiz
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«Leben der Mädchen zerstört»: Zürcher Obergericht verschärft Strafe für Pädo-Vergewaltiger



ARCHIV - ZUM PROZESS AM ZUERCHER OBERGERICHT GEGEN HASSAN KIKO WEGEN VERGEWALTIGUNG STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Das Zuercher Obergericht am Donnerstag, 5. Dezember 2013. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bild: KEYSTONE

Schärfere Strafe für einen 30-jährigen pädophilen Schweizer: Das Zürcher Obergericht hat am Mittwoch seine Freiheitsstrafe erhöht, von 9 Jahren auf 11 Jahre und 8 Monate. Der Mann hatte Mädchen im Alter zwischen 8 und 13 Jahren missbraucht.

Die Taten seien schwerwiegend und verwerflich, sagte der Richter bei der Urteilseröffnung. Die Mädchen hätten Todesangst gehabt und würden nicht nur körperliche Verletzungen davontragen, sondern auch seelische. Eine Erhöhung der erstinstanzlichen Strafe von 9 Jahren auf 11 Jahre und 8 Monate sei angemessen. Damit folgte das Obergericht der Staatsanwaltschaft, die 12 Jahre gefordert hatte.

Der 30-Jährige kündigte noch im Gerichtssaal an, seinen Fall vor Bundesgericht zu bringen. Während er den Missbrauch mehrerer Mädchen gestand, wehrt er sich vehement gegen den Schuldspruch der Schändung. Er habe eine «gute Kollegin» nicht vergewaltigt. Der Sex mit der damals 16-Jährigen sei einvernehmlich gewesen, sagte er auch am Mittwoch beim Berufungsprozess.

Die junge Frau leidet jedoch noch heute unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und musste bereits zwei Mal für mehrere Monate in eine psychiatrische Klinik. Das Obergericht hielt ihre Aussagen insgesamt für glaubhaft. «Bei Ihnen hatten wir hingegen Zweifel», sagte der Richter zum knabenhaft wirkenden Mann.

«Leben der Mädchen zerstört»

Den Missbrauch der Mädchen bezeichnete er vor Gericht als «grössten Fehler meines Lebens». Er wisse, dass er vielleicht das Leben dieser Mädchen zerstört habe. Weil er damals so viel gekifft habe, seien ihm die Konsequenzen seines Handelns aber nicht bewusst gewesen. Heute wisse er, dass er nie mehr so etwas tun werde.

Die Therapeuten gingen jedoch noch im Sommer 2018 von einer grossen Rückfallgefahr für pädophile Taten aus. Tatsächlich wirkten die Reue und das Mitgefühl des Täters beim Berufungsprozess unglaubhaft.

Er verstehe natürlich, dass er eine Strafe verdient habe, aber einiges sei schon ziemlich aufgebauscht worden, sagte er. So sei etwa der Keller, in den er ein Mädchen gezerrt hatte, keineswegs so dunkel gewesen wie der Staatsanwalt behauptet habe.

«Herpes-Grüsel»

Für Schlagzeilen sorgte vor allem eine Tat in der Zürcher Bäckeranlage, einem öffentlichen Park mit Restaurant. Im November 2015 folgte der Mann einem damals 8-jährigen Mädchen auf die Toilette, wo er ihm den Ausgang versperrte und es zu sexuellen Handlungen zwang.

Die Polizei fertigte daraufhin ein Phantombild, auf dem ein Mann mit Kapuze und Punkten an den Lippen zu sehen war. Der «Herpes-Grüsel», wie ihn der «Blick» nannte, konnte jedoch erst vier Monate später verhaftet werden. Die Ermittlungen zeigten, dass der Übergriff in der Bäckeranlage keineswegs eine Einzeltat war.

In einem anderen Fall folgte er einer 13-jährigen Schülerin nach Hause und fragte sie nach dem Keller. Als sie dem Unbekannten den Keller zeigen wollte, stiess er sie die Treppe hinunter und missbrauchte sie.

Mehr Glück hatte eine 10-jährige Schülerin, die er ebenfalls nach dem Keller fragte. Sie weigerte sich, dem Unbekannten den Keller zu zeigen, konnte sich losreissen und hoch zu ihrem «Götti» rennen, der zu diesem Zeitpunkt gerade zuhause war.

Einer 14-Jährigen hatte der Verurteilte pornographisches Material gezeigt. Er argumentierte, dass dieses versehentlich zwischen Festival-Fotos abgelegt gewesen sei, das er ihr habe zeigen wollen.

Unmengen von Kinderpornos

Als der Beschuldigte im Jahr 2016 verhaftet wurde, stellte die Polizei auf seinem Computer Unmengen von Kinderpornos sicher, dazu Gewaltdarstellungen - etwa das Bild eines abgeschlagenen Frauenkopfes mit ausgestochenen Augen - sowie Aufnahmen von Sex mit Tieren. Verurteilt wurde der Schweizer zusätzlich wegen mehrerer Einbrüche sowie wegen Drogenhandels.

Die kommenden Jahre wird der 30-Jährige in der Strafanstalt Pöschwies verbringen, wo er in der Metallwerkstatt arbeitet. Eine Lehre wolle er erst machen, wenn er dort wieder rauskomme, sagte er bei der Befragung. Dann will er auch seinen Hund wieder zu sich holen, der gegenwärtig in einem Tierheim lebt. (aeg/sda)

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • imposselbee 13.06.2019 02:45
    Highlight Highlight Ist chemische Kastration in solchen Fällen bei uns kein Thema?
  • wipix 13.06.2019 01:33
    Highlight Highlight Es lebt die Hoffnung, dass er während oder zu Ende der Strafzeit wegen Gefahr für die Öffentlichkeit in eine Massnahme verschoben wird. Hier spielen dann die Paar Jahre Strafe nicht so eine Rolle frei zu kommen. Es gibt nämlich eine Fachgruppe für (Gemein)gefährliche Insassen, die befinden ob und ab wann jemand Schritte in die Freiheit machen können. Bei Aussagen wie: gewisse Taten waren „aufgebauscht“
    Leuchten alle Alarmleuchten bei der Fachgruppe für Gemeingefährliche Täter/innen! „Da gibts noch viel zu tun mit Ihnen!!“
  • Grossmaul 12.06.2019 17:48
    Highlight Highlight Ahhh, ein kleiner Fortschritt. Nu, irgendwann wird sich das hoffentlich in Richtung eines angemessenen Strafmasses bewegen.

    Dass der junge Mann im Knast eine Lehre machen u f arbeiten kann, finde ich sehr grosszügig von unserem Rechtssystem. Und auch sinnvoll, denn "an idle mind is devil's workshop".

    Ob der Typ jemals seine Neigungen unter Kontrolle haben wird?
  • Knety 12.06.2019 17:48
    Highlight Highlight Der Staat sollte aktiver werden. Nicht nur die Strafen erhöhen, sondern auch mehr Geld sprechen um solche Leute zu erwischen.
  • Garp 12.06.2019 17:42
    Highlight Highlight Das ist noch viel zu wenig, für so viele, wiederholte Missbrauchstaten!
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 12.06.2019 17:40
    Highlight Highlight Und der Blick ist ja mal auch wieder niedrigste Schublade, hauptsache es gibt Klicks...
  • Armend Shala 12.06.2019 17:31
    Highlight Highlight Mit 42 ist der wieder draussen und die Opfer hingegen erhalten lebenslänglich.
  • Klangtherapie 12.06.2019 17:24
    Highlight Highlight So sei etwa der Keller, in den er ein Mädchen gezerrt hatte, keineswegs so dunkel gewesen wie der Staatsanwalt behauptet habe.

    Bravo.Moll. Was zum Teufel ist das für ein Argument??? Ich bin ja echt für diplomatisches Rechtssystem und so, aber ich glaub da hätt ich ihm Eine reingehauen wär ich dabei gewesen.

    Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen will.

  • Ig nid är 12.06.2019 17:07
    Highlight Highlight Nur 12 Jahre?!
    • Bivio 12.06.2019 17:30
      Highlight Highlight Ein weiterer Punkt, warum ich dafür plädiere, das Strafen addiert, und allenfalls nacheinander verbüsst werden sollten.
      Dies wäre den Opfern gegenüber fairer, da für jede Tat eine einzelne, "volle" Strafe verhängt würde und nicht eine "vermischte", wo ein Mehrfachtäter einen Strafenbonus erhält.
    • Flagpole 12.06.2019 19:18
      Highlight Highlight @Bivio
      Dann kannst du auch gleich die Todesstrafe wieder einführen. Denn die ist wohl humaner und deutlich billiger, als z.B. kumulierte 280 Jahre Knast, den du nur in der Holzkiste wieder verlassen wirst.

      Bin ich froh haben wir hier kein Justizsystem wie in den USA!
    • Garp 12.06.2019 22:38
      Highlight Highlight Nein, Todesstrafe kommt viel teurer, als z.B. lebenslänglich.
    Weitere Antworten anzeigen

14-Jährige beging nach Sexting Suizid – Strafe des Täters wird von Zürcher Gericht gesenkt

Das Zürcher Obergericht hat am Montag eine Strafe wegen eines Sexting-Deliktes deutlich gesenkt: Statt 42 Monate Freiheitsstrafe erhält der 31-jährige Beschuldigte nur noch 28 Monate Freiheitsstrafe. Diese wird zugunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben.

Das Gericht verurteilte den Mann aus dem Kanton Zürich wegen sexueller Nötigung und sexueller Handlungen mit einem 14 Jahre alten Mädchen. Der Verurteilte hatte das Mädchen aus Finnland im Jahr 2016 in einem Chat kennengelernt.

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