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Real vs. Dortmund: Beim Torfall von Madrid 1998 entsteht TV-Geschichte

Es dauert unfassbar lange, bis in Madrid ein Ersatztor steht.
Es dauert unfassbar lange, bis in Madrid ein Ersatztor steht.bild: screenshot rtl
Unvergessen

Der Torfall von Madrid – 76 Minuten TV-Geschichte lassen jeden Aprilscherz alt aussehen

1. April 1998: Anderthalb Minuten vor Anpfiff des Champions-League-Halbfinals zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund fällt im Bernabeu schon das erste Tor. Die heissblütigen spanischen Fans haben es zum Einsturz gebracht. Was folgt, ist Fernsehgeschichte.
01.04.2024, 01:0528.03.2024, 22:15
Alex Dutler
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Wenn ein TV-Kommentator live von einer Halbfinal-Partie der Champions League berichtet, macht er sich auf einige Eventualitäten gefasst. Das Szenario, welches sich dem deutschen Profi-Plapperer Marcel Reif an einem Abend im April 1998 bietet, hat er sich aber wohl nicht in seinen schlimmsten Albträumen ausgemalt.

Real Madrid empfängt den Titelverteidiger Borussia Dortmund zum Hinspiel im Bernabeu. Die Hardcore-Fans der «Königlichen» können den Anpfiff kaum erwarten und besteigen den Zaun vor ihrer Kurve. Um 20.43 Uhr knickt das rostige Gestänge unter der Last zusammen und reisst das daran befestigte Tor mit sich.

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Unfassbare Szene in Madrid: Das Tor bricht kurz vor dem Anpfiff zusammen.GIF: Youtube/Zeruyu

Es folgen 76 wahnwitzige Minuten, während denen auf dem Rasen hektische Betriebsamkeit ausbricht. Real Madrid hat kein Ersatztor auf Lager und versucht den Schaden mit improvisierten Reparaturarbeiten zu beheben.

Günther Jauch und Marcel Reif blicken auf den Torfall von Madrid zurück.Video: YouTube/Dave derTroll

Traumquoten für Improvisationstheater

Während der Schiedsrichter die Mannschaften zurück in die Kabine schickt, ist man bei der Sendeleitung von RTL nicht sicher, ob man die ungeplante Unterbrechung mit Werbung füllen darf. So moderiert Marcel Reif zusammen mit Günther Jauch mehr als eine Stunde durch, ohne dass auf dem Feld nennenswerte Fortschritte erzielt werden.

Die beiden TV-Männer ernten Traumquoten. 12,76 Millionen Zuschauer wollen sehen, wie sie die prekäre Situation meistern. Das eigentliche Spiel sehen später nur noch sechs Millionen. Jauch und Reif werden für ihre humoristische Glanzleistung mit dem Bayrischen Fernsehpreis ausgezeichnet und für den renommierten Adolf-Grimme-Preis nominiert.

Ein Real-Fan mit einem Lastwagen beendet das ganze Theater. Mit einer Polizeieskorte fährt er zum Trainingsgelände und transportiert von dort ein Ersatztor ins Bernabeu. Das Spiel endet nach Treffern von Fernando Morientes und Christian Karembeu 2:0 für Madrid. Das Ergebnis ist heute längst vergessen, aber die Sprüche von Reif und Jauch bleiben legendär.

«Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan.»
Marcel Reif
«Für alle die, die nicht rechtzeitig eingeschaltet haben. Das erste Tor ist schon gefallen.»
Günther Jauch
«Meine Kenntnisse als Ingenieur sind bescheiden, deswegen gucke ich genauso staunend dahin wie Sie. Vielleicht wissen einige Tiefbaufachleute unter Ihnen zuhause, was los ist.»
Marcel Reif
Bild
Screenshot: RTL
«Zwei Handballtore nebeneinander. Ginge das?»
Günther Jauch
«Das ist wie bei den Pfadfindern hier. Jetzt wird der Hering eingeschlagen. Wie im Zeltlager.»
Marcel Reif
«Hier spielen doch die Königlichen und dann frisst da der Gammel das Tor.»
Günther Jauch
«Ach, jetzt ist da auch noch Wasser. Die sind bis aufs Grundwasser gekommen. Oder ist es Öl? Mein lieber Schwan.»
Marcel Reif
Bild
Screenshot: RTL
«Dortmund hat ja auswärts nur ein Gegentor bekommen. So gesehen könnte man das Tor auch flach da liegen lassen, so lange Stefan Klos da drin steht.»
Günther Jauch
«Wenn der jetzt hinten in seinem Kämmerchen, in seinem Keller ein Tor baut, dann ist er der Held von Madrid.»
Marcel Reif
Bild
Screenshot: RTL
«Wem der Spielstand als Verteidiger nicht gefällt, der lehnt sich einmal gegen den Pfosten.»
Günther Jauch
«Warum habe ich keinen vernünftigen Beruf gelernt?»
Marcel Reif
«Wer auf der Seite die Werbebanden gebucht hat, übrigens: Glückwunsch!»
Günther Jauch
Bild
Screenshot: RTL
«Jo, ich dachte, wir könnten jetzt so bisschen Fussball gucken, so im Halbfinale der Champions League. Bis jetzt erleben wir hier nur einen Heimwerkerkurs.»
Marcel Reif
«Oh, da hinten der Rote, der hat eine Lösung – nee, das war Rotes Kreuz.»
Günther Jauch

Weniger Gefallen hatten die Verantwortlichen vom BVB. «Von einem Verein wie Real Madrid und einem solchen Stadion darf man erwarten, dass ein Reserve-Tor zur Verfügung steht», enervierte sich der damalige Klubpräsident Gerd Niebaum. Den eingelegten Protest zogen die Dortmunder später zurück.

Unvergessen
In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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cheko
01.04.2021 08:02registriert Dezember 2015
LEGENDÄR! Eine der besten Übertragungen in der Sportgeschichte! :D
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Zum Kommentar
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Zat
01.04.2020 16:49registriert Januar 2016
Den Artikel habt Ihr recyclet, oder?
Jedenfalls möchte ich das Ganze gerne mal zusammen mit meinen Kindern anschauen, die ganze Länge. Wäre bestimmt lustig. Hab auch schon danach gesucht, war aber nirgends zu finden. Schade.
215
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Ist Zug kein Titelkandidat mehr, weil der Präsident über den Klub sein Prestigeobjekt OYM auf Kosten der Mannschaft mitfinanziert? Den brisanten Vorwurf erhebt der Zuger Rechtsanwalt und ehemalige Hockey-Einzelrichter Reto Steinmann in einer Zeitungs-Kolumne in der «Zuger Zeitung».

Reto Steinmann ist in Zug eine Hockey-Stimme, die respektiert und gehört wird. Von 2004 bis 2016 war Hockey-Einzelrichter und er praktiziert heute als Anwalt und Notar in Zug. Seine Kolumne in der Lokalzeitung ist eine brisante Polemik sozusagen aus den eigenen Reihen. Als ehemaliger Hockey-Journalist für die NZZ vermag er seine Ausführungen sachlich zu formulieren. Was der Kritik noch mehr Gewicht gibt. Seine Kolumne liest sich, um in der Juristensprache zu bleiben, schon fast wie eine Anklageschrift.

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