Schweiz
Justiz

Wie die Polizei dem Amoktäter von Aarau auf die Spur kam

Wie die Polizei dem Amoktäter von Aarau auf die Spur kam

Die Kantonspolizei Aargau war dem Täter bereits auf den Fersen. Dieser stellte sich zwar selbst, doch er kam damit einer Verhaftung unmittelbar zuvor. Welche Spur die Fahnder zum Amokläufer führte.
03.09.2026, 09:4803.09.2026, 09:48
Jürg Krebs
Jürg Krebs

Der Amoktäter von Aarau hat gerade eine 22-Jährige mit seiner Kalaschnikow erschossen und sechs weitere Raverinnen und Raver bei der Party-Location im Schachen verletzt. Er sitzt nun 350 Meter vom Tatort entfernt in seinem Fahrzeug und fährt davon. Doch das bleibt nicht unbemerkt und wird die Ermittler auf seine Spur führen.

epa13206767 Flowers and candles are laid in front of the entrance to the Schachen horse racing track, following a deadly shooting at a rave party in Aarau, Switzerland, 02 September 2026. A shooting o ...
Blumen und Kerzen für die Opfer am Ort des Angriffs vom Wochenende. Bild: keystone

Der Einsatzleiter der Kantonspolizei Aargau, Matthias Schildknecht, erklärte am Mittwoch an einer Medienkonferenz, was entscheidend war. Man habe einen Hinweis erhalten, dass der Täter in einem weissen Lieferwagen mit jurassischem Kennzeichen davongefahren sei.

Alle Infos von der Medienkonferenz:

Polizei nimmt 100 Fahrzeuge ins Visier

Es wurde nicht explizit gesagt, aber es ist anzunehmen, dass der Hinweis aus einer Gruppe von Fahrenden stammte. Sie hatten ihr Camp in der verhängnisvollen Nacht auf Sonntag nicht nur in unmittelbarer Nähe aufgeschlagen, wo der Amokläufer sein Fahrzeug vor der Tat parkiert hatte.

Als der Täter davonfahren wollte, begegnete er auch einem Auto auf der Flucht vor ihm, darin zwei Fahrende und Kinder. Der Amokläufer stieg aus  und schoss auf das Fahrzeug, verletzt wurde niemand, weil der Lenker geistesgegenwärtig Gas gab. Der Täter gab weitere Schüsse ab und fuhr dann davon.

Hier muss der Täter sein Fahrzeug parkiert haben. Zu sehen ist auch der Stellplatz der Fahrenden. Ein Weg führt daran vorbei zur Rave-Location bei der Rennbahn.
Hier muss der Täter sein Fahrzeug parkiert haben. Zu sehen ist auch der Stellplatz der Fahrenden. Ein Weg führt daran vorbei zur Rave-Location bei der Rennbahn.Bild: sandra adrizzone/chmedia

Die Polizei führte laut Schildknecht in den ersten 12 Stunden nach der Tat über 130 Zeugenbefragungen durch. Ein Hinweis war ein Volltreffer. Die Polizei hatte mit der Angabe «weisser Lieferwagen» einen Fahrzeugtyp und ein Kennzeichen. Man darf annehmen, dass nicht das ganze Kennzeichen bekannt war, aber das Kantonswappen mit dem «JU» dürfte gereicht haben.

Der Täter selbst dürfte eine Sturmhaube getragen haben. Ein Zeuge, der ihm am Tatort direkt gegenüberstand, den Täter anblickte und dann angeschossen wurde, sagte gegenüber Tele M1 aus, dass er kein Gesicht erkennen konnte.

Die Aargauer Kantonspolizei nahm daraufhin Kontakt mit der Kantonspolizei Jura auf. Rund 100 passende Fahrzeuge wurden ausgemacht. Die weiteren Abklärungen nach dem Ausschlussverfahren führten zum Schützen. Videoaufnahmen reduzierten die Anzahl in Frage kommender Fahrzeuge auf «einige wenige».

Erste Überprüfungen in den Folgestunden fielen zwar negativ aus. Schliesslich identifizierte die Polizei im Verlaufe des Sonntags aber ein Fahrzeug, das sich vom Tatort und Aarau wegbewegte und zum Tatablauf passte und letztlich zum Namen und Wohnort des Täters führte.

Öffentliche Videokameras zeigen den Täter bei der Flucht

Eine der ersten Handlungen nach einer Tat ist es, die öffentlichen Videokameras nach verdächtigen Fahrzeugen und Personen abzusuchen. Es ist anzunehmen, dass die Polizei bei der Durchsicht der Bilder auf das Fahrzeug stiess. Denn der Täter sei erst nach Aarau gefahren, dann aber relativ schnell zurück in den Kanton Jura, hiess es an der Medienkonferenz.

Der 43-jährige Schweizer Amokläufer stellte sich in der Nacht auf Montag, um etwa 1 Uhr, selbst der Polizei in Delémont, das neben seinem Wohnort Montsevelier liegt. Er soll im Lieferwagen vorgefahren sein, zwei Pistolen und die Kalaschnikov im Fahrzeug. Er soll gesagt haben: «Ich bin der Täter von Aarau.» Dann wurde er festgenommen und an die Aargauer Polizei übergeben. Der Amoktäter befindet sich jetzt im Aargau in Untersuchungshaft.

Polizei war dem Täter unmittelbar auf den Fersen

Klar scheint: Mit seinem Schritt, sich zu stellen, kam der Täter einem Zugriff unmittelbar zuvor. Denn zeitgleich waren laut Schildknecht Aargauer Polizisten bereits in Richtung Kanton Jura unterwegs und dem Amoktäter auf den Fersen. Es war eine Frage der Zeit, bis sie ihn erwischt hätten.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Bald zwei Tessiner Bundesräte? Auch Marco Chiesa will aufs Ticket
Der SVP-Ständerat will der italienischen Schweiz auf längere Zeit einen Sitz in der Landesregierung sichern.
Donnerstagnachmittag, Bundesmedienzentrum Bern: SVP-Grössen um Parteipräsident Marcel Dettling präsentieren das «Schwarzbuch Linke und Heimatmüde: So zerstören sie unsere Schweiz.» Es ist das Positionspapier für die Wahlen im kommenden Jahr. Angriffig, pointiert, mit einem Schuss Polemik.
Zur Story