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Leihmutterschaft: Ein Schweizer Politiker wurde 2017 Vater

Leihmutterschaft. Bei einer Leihmutterschaft wird das Kind nach Geburt von der Leihmutter getrennt. / Die Befürchtung bei Leihmutterschaft ist, dass diese körperliche Risiken und psychische Belastung  ...
Leihmütter gehen gegen Geld körperliche Risiken ein. In manchen europäischen Ländern ist die Praxis daher nur erlaubt, wenn sie nicht gegen Bezahlung erfolgt. Nach der Geburt wird das Kind von der Leihmutter getrennt.Imago

«Kein Geheimnis daraus gemacht»: So ging ein Schweizer Politiker mit Leihmutterschaft um

Das Volk sei meist progressiver eingestellt als die Politik. Das sagt ein Mann, der mit seinem damaligen Partner ebenfalls die Dienste einer Leihmutter in Anspruch genommen hat.
21.07.2026, 10:2721.07.2026, 10:33
Sabine Kuster / ch media

Es war vor fast zehn Jahren, als in der Schweiz ebenfalls ein Politiker der christlichen Partei Schlagzeilen machte mit einer Leihmutterschaft: Der Partner hatte in den USA eine Frau seine Tochter austragen lassen. Vor der Kandidatur des CVP-Politikers (heute: die Mitte) in eine städtische Regierung wurde dies zum Thema. Allerdings sorgte das längst nicht für so viel Aufregung wie in Deutschland, wo CDU-Fraktionschef Jens Spahn zurücktreten musste.

Auch beim Schweizer Politiker und seinem damaligen Partner war es ein Thema, ob eine Leihmutterschaft mit der Partei-Ausrichtung vereinbar sei. Hinter vorgehaltener Hand kritisierten Parteimitglieder dies 2017, und dass das Streben nach dem eigenen Glück «im krassen Gegensatz zur Menschenwürde» stehe. Die meisten Parteikollegen hatten jedoch kein Problem mit der Leihmutterschaft. Der Politiker sagte damals: «Ich habe kein Geheimnis um unsere Tochter gemacht, sondern die Partei offen informiert.»

Allerdings hat der Betroffene auch nicht «Wasser gepredigt und Wein getrunken»: Er hatte sich nie gegen die Leihmutterschaft eingesetzt. Heute sagt der Mann, der diesmal lieber ohne Namen zitiert werden möchte, damit es nicht wieder Anfragen hagle: «Politisch überlebt man eine solche Bigotterie nicht.»

Bessere Kontrolle, wenn bei Schweizer Leihmüttern

Er findet es aber gut, dass wegen des Beispiels Jens Spahn, das Thema nun wieder diskutiert werde: «Das Volk ist in solchen Diskussionen meist viel weiter als die Politik. Oder als dies die Politiker wahrhaben möchten.» Er wäre dafür, dass die Leihmutterschaft auch in der Schweiz legal werden würde. Gemacht werde es sowieso.

Reicht dieses Argument? Eine etwaige Liberalisierung müsste nicht nur den Wunsch der potenziellen Eltern berücksichtigen, sondern auch die Rechte der Leihmütter und der ungeborenen Kinder schützen.

Der Mitte-Mann sagt, er habe volles Verständnis für jene, welche die Leihmutterschaft kritisch sähen. «Aber wenn es in der Schweiz legal wäre, hätte man die Sache auch besser unter Kontrolle.» Wichtig sei nun vor allem, dass das Politikum wieder auf dem Tisch sei. Denn die Leihmutterschaft betreffe ja auch heterosexuelle Paare, die kein Kind auf natürlichem Weg bekommen könnten. «Unsere Partei ist zum Glück breit aufgestellt und lässt unterschiedliche Meinungen zu», sagt er.

So funktioniert eine Leihmutterschaft
Bei der Leihmutterschaft trägt eine Frau für andere Eltern ein Kind aus und bringt es zur Welt. Die weibliche Eizelle stammt dabei meistens von einer Spenderin, nicht von der Leihmutter. Nach der Geburt kommt das Baby zu den Wunscheltern. Auf diese Weise kann ein schwuler Mann zu einem Kind kommen, das (zur Hälfte) auch genetisch sein eigenes ist. Aber auch heterosexuelle Paare, bei denen die Frau nicht schwanger werden kann oder will, nehmen die Methode in Anspruch. So hat die Schauspielerin Angelina Jolie drei ihrer Kinder selbst ausgetragen - für ein weiteres nahm sie eine Leihmutter in Anspruch. In der Schweiz und den meisten anderen europäischen Ländern sind Leihmutterschaften verboten. Erlaubt ist sie in England, Belgien, den Niederlanden und Portugal unter strengen Voraussetzungen und nie gegen Bezahlung. Beliebte Länder für Leihmutterschaften sind daher die USA und die Ukraine. (chm)

Legalisierung der Leihmutterschaft nicht geplant

Es ist allerdings fraglich, ob die erneute Diskussion zu einer Legalisierung in der Schweiz führen wird. Denn anders als andere Fortpflanzungstechniken, ist das Verbot der Leihmutterschaft sogar in der Verfassung verankert. Im Fokus stehen dabei meist die Leihmütter. Die Befürchtung ist, dass diese körperliche Risiken und psychische Belastung auf sich nehmen, um das Geld für die Austragung des Kindes zu erhalten.

Zudem kann es trotz langer Verträge dazu kommen, dass die Wunscheltern ihr bestelltes Kind ablehnen. Bekannt wurde 2014 der Fall «Gammy», als ein australisches Paar eine thailändische Leihmutter Zwillinge austragen liess und am Ende ein Kind zurückliess, weil es mit Down-Syndrom auf die Welt gekommen war. 2019 weigerte sich ein amerikanisches Paar ihr Mädchen in der Ukraine abzuholen, weil Behinderungen diagnostiziert worden waren.

Seltener geht es um die Situation der Ungeborenen. In vielen Ländern wird das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung der Kinder missachtet, wenn die Eizellen- oder Samenspenden für die Leihmutterschaften anonym geschehen. Die Eizellenspende ist in der Schweiz ein aktuelles Thema: Vor einem Jahr hat der Bundesrat entschieden, das Fortpflanzungsmedizingesetz umfassend zu überarbeiten. Die Eizellenspende soll legalisiert werden. Dies hatte das Parlament nach einer Motion verlangt.

Und neu soll die Samenspende, die bereits legal ist, auch für unverheiratete Paare in Anspruch genommen werden können. Bis Ende dieses Jahres soll eine Vernehmlassungsvorlage ausgearbeitet sein. Wie bei der Samenenspende sollen die volljährigen Kinder das Recht haben, zu erfahren, wer ihre genetische Mutter ist. Die Legalisierung der Leihmutterschaft hingegen steht noch nirgends auf der politischen Agenda in der Schweiz. (schweizheute.ch)

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118 Kommentare
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Der Buchstabe I (Zusammenhang wie Duschvorhang)
21.07.2026 11:02registriert Januar 2020
Vielleicht ist das nur meine subjektive Wahrnehmung, aber in meinen Augen ging es bei Spahn nur Bedingt um die Leihmutterschaft per se.

Viel mehr ging es darum, dass er selber mit seinem Geld und seiner Macht Gesetze aushebelt, die er selber Jahre lang völlig offen durchgeboxt hat.

Spahn ist nicht über das Thema gestolpert, sondern über seine dazugehörige Doppelmoral (oder wie nennt man das bei Menschen, die gar keine Moral haben?).
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DerPhysiker
21.07.2026 10:42registriert Februar 2022
Ein entscheidender Unterschied zu Spahn: Er hatte sich nie gegen die Leihmutterschaft eingesetzt, gemäss Artikel.
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DerPhysiker
21.07.2026 10:47registriert Februar 2022
Im Inland Leihmutterschaft verbieten und die ausländische Leihmutterschaft anerkennen ist die schlechteste Lösung im Hinblick auf die komplexe im Artikel angerissene Problematik. Kann die Politik vielleicht doch einen ausgewogenen Rahmen für legale Leihmutterschaft in der Schweiz schaffen? Wenn sich die Politiker:innen nicht trauen, könnte sie ja auch eine Initiative zum Jagen tragen...
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