«Kein Geheimnis daraus gemacht»: So ging ein Schweizer Politiker mit Leihmutterschaft um
Es war vor fast zehn Jahren, als in der Schweiz ebenfalls ein Politiker der christlichen Partei Schlagzeilen machte mit einer Leihmutterschaft: Der Partner hatte in den USA eine Frau seine Tochter austragen lassen. Vor der Kandidatur des CVP-Politikers (heute: die Mitte) in eine städtische Regierung wurde dies zum Thema. Allerdings sorgte das längst nicht für so viel Aufregung wie in Deutschland, wo CDU-Fraktionschef Jens Spahn zurücktreten musste.
Auch beim Schweizer Politiker und seinem damaligen Partner war es ein Thema, ob eine Leihmutterschaft mit der Partei-Ausrichtung vereinbar sei. Hinter vorgehaltener Hand kritisierten Parteimitglieder dies 2017, und dass das Streben nach dem eigenen Glück «im krassen Gegensatz zur Menschenwürde» stehe. Die meisten Parteikollegen hatten jedoch kein Problem mit der Leihmutterschaft. Der Politiker sagte damals: «Ich habe kein Geheimnis um unsere Tochter gemacht, sondern die Partei offen informiert.»
Allerdings hat der Betroffene auch nicht «Wasser gepredigt und Wein getrunken»: Er hatte sich nie gegen die Leihmutterschaft eingesetzt. Heute sagt der Mann, der diesmal lieber ohne Namen zitiert werden möchte, damit es nicht wieder Anfragen hagle: «Politisch überlebt man eine solche Bigotterie nicht.»
Bessere Kontrolle, wenn bei Schweizer Leihmüttern
Er findet es aber gut, dass wegen des Beispiels Jens Spahn, das Thema nun wieder diskutiert werde: «Das Volk ist in solchen Diskussionen meist viel weiter als die Politik. Oder als dies die Politiker wahrhaben möchten.» Er wäre dafür, dass die Leihmutterschaft auch in der Schweiz legal werden würde. Gemacht werde es sowieso.
Reicht dieses Argument? Eine etwaige Liberalisierung müsste nicht nur den Wunsch der potenziellen Eltern berücksichtigen, sondern auch die Rechte der Leihmütter und der ungeborenen Kinder schützen.
Der Mitte-Mann sagt, er habe volles Verständnis für jene, welche die Leihmutterschaft kritisch sähen. «Aber wenn es in der Schweiz legal wäre, hätte man die Sache auch besser unter Kontrolle.» Wichtig sei nun vor allem, dass das Politikum wieder auf dem Tisch sei. Denn die Leihmutterschaft betreffe ja auch heterosexuelle Paare, die kein Kind auf natürlichem Weg bekommen könnten. «Unsere Partei ist zum Glück breit aufgestellt und lässt unterschiedliche Meinungen zu», sagt er.
Legalisierung der Leihmutterschaft nicht geplant
Es ist allerdings fraglich, ob die erneute Diskussion zu einer Legalisierung in der Schweiz führen wird. Denn anders als andere Fortpflanzungstechniken, ist das Verbot der Leihmutterschaft sogar in der Verfassung verankert. Im Fokus stehen dabei meist die Leihmütter. Die Befürchtung ist, dass diese körperliche Risiken und psychische Belastung auf sich nehmen, um das Geld für die Austragung des Kindes zu erhalten.
Zudem kann es trotz langer Verträge dazu kommen, dass die Wunscheltern ihr bestelltes Kind ablehnen. Bekannt wurde 2014 der Fall «Gammy», als ein australisches Paar eine thailändische Leihmutter Zwillinge austragen liess und am Ende ein Kind zurückliess, weil es mit Down-Syndrom auf die Welt gekommen war. 2019 weigerte sich ein amerikanisches Paar ihr Mädchen in der Ukraine abzuholen, weil Behinderungen diagnostiziert worden waren.
Seltener geht es um die Situation der Ungeborenen. In vielen Ländern wird das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung der Kinder missachtet, wenn die Eizellen- oder Samenspenden für die Leihmutterschaften anonym geschehen. Die Eizellenspende ist in der Schweiz ein aktuelles Thema: Vor einem Jahr hat der Bundesrat entschieden, das Fortpflanzungsmedizingesetz umfassend zu überarbeiten. Die Eizellenspende soll legalisiert werden. Dies hatte das Parlament nach einer Motion verlangt.
Und neu soll die Samenspende, die bereits legal ist, auch für unverheiratete Paare in Anspruch genommen werden können. Bis Ende dieses Jahres soll eine Vernehmlassungsvorlage ausgearbeitet sein. Wie bei der Samenenspende sollen die volljährigen Kinder das Recht haben, zu erfahren, wer ihre genetische Mutter ist. Die Legalisierung der Leihmutterschaft hingegen steht noch nirgends auf der politischen Agenda in der Schweiz. (schweizheute.ch)
