Schweiz
Klima

Marcel Dettling: Klimaerwärmung ist für die Bauern nicht schlecht

Neuer SVP-Präsident: «Keine Schuldigen und niemand, der den Klimawandel aufhalten kann»

Marcel Dettling sprach in einem Interview unter anderem über die Klimaerwärmung. In seinen Augen hat diese viele Vorteile – auch für die Bauern.
18.02.2024, 08:0118.02.2024, 12:22
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Wahlkampfleiter und Nationalrat Marcel Dettling (Schwyz) rekapituliert die vergangenen Wahlen an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz, am Samstag, 11. November 2023, in Alterswilen. (KEYSTONE/Gi ...
Der bald neue SVP-Präsident Marcel Dettling sagt: «Es ist mir lieber, wenn es wärmer wird als kälter.»Bild: KEYSTONE

Im März wird Marcel Dettling aller Wahrscheinlichkeit nach zum neuen SVP-Präsidenten gewählt. Der Schwyzer, seit 2022 Vize-Präsident der SVP Schweiz, ist der einzige Kandidat für das Amt. Dettling ist Landwirt und sitzt im Nationalrat in der Umweltkommission. Über die Umwelt sprach er nun mit der «NZZ am Sonntag» in einem Interview – und stellte klar: Mit drohendem Schneemangel hat er keine Mühe, mit Vegetariern dafür umso mehr.

«Die Vegetarier glauben, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gegessen, und wollen diese nun allen anderen aufzwingen.»
Marcel Dettling

Angesprochen auf den zunehmenden Schneemangel, besonders in den Bergen, wo Dettling aufgewachsen ist, sagte der 42-Jährige: Das einzige Problem sei, «dass die Gäste nicht ins Tal fahren können». Mit der drohenden Schliessung einzelner Skigebiete «wird uns Angst gemacht, seit ich in der Schule war», so Dettling. In seinem Dorf habe man sich arrangiert damit, dass immer weniger Schnee fällt.

Auf die Frage, ob ihm das wehtue, antwortete der SVP-Nationalrat: «Nein, im Gegenteil: Wenn man in den Bergen aufwächst, dann hat man irgendwann im langen Winter fast eine Depression.»

In seinen Augen bringe auch die Frage danach, ob der Klimawandel schlecht ist, nichts: «Wir können den Klimawandel nicht aufhalten», sagte Dettling. Das Klima habe sich über die Jahrhunderte immer wieder geändert, bei der Kleinen Eiszeit sei es auch schon zu Missernten und durch den Nahrungsmangel auch zu Hexenjagden gekommen.

«Wenn man jetzt einfach dem Menschen die Schuld an der Klimaerwärmung gibt, ist das eine neue Form der Hexenjagd.»
Marcel Dettling

Ebenso unnötig ist in Marcel Dettlings Augen die Frage nach der Schuld am Klimawandel: «Ich glaube, es gibt keine Schuldigen und niemanden, der den Wandel aufhalten kann.» Trotzdem sagte er, zwischen ihm und der Wissenschaft gebe es keine Differenzen: «Wir sagen beide, die Menschen haben, wie alle Lebewesen auf dieser Welt, einen Einfluss.» Die Frage sei nur, wie gross dieser Einfluss ist.

«Mich stört, dass man mit Klimamassnahmen die Leute abzockt.»
Marcel Dettling

Mit Klimamassnahmen hingegen würden die Leute abgezockt, sagt der Schwyzer. Man verteuere den Strom, den Treibstoff «und hat das Gefühl, damit das Klima zu ändern. Das ist Scharlatanerie». Dass es wärmer wird, stört Dettling nicht: «Es ist mir lieber, wenn es wärmer wird als kälter.»

Der designierte SVP-Präsident glaubt ausserdem nicht daran, dass eine Reduktion der Treibhausgase die Erderwärmung bremsen wird. Viel wichtiger sei es, so Dettling, dass die Menschheit sich anpasse. «Das macht die Menschheit seit Jahrtausenden. Und das sehe ich sehr gut in der Landwirtschaft, da hat die Erwärmung sogar positive Effekte.» Dazu zählt Dettling «neue, ertragreiche Pflanzenarten», die bei uns wachsen würden, eine Verlängerung der Vegetationszeit sowie dass man im Herbst die Tiere länger draussen halten könne.

Zwar gibt der Schwyzer auch zu, dass es zu längeren Trockenperioden sowie zu Überschwemmungen kommen kann: «Das müssen wir akzeptieren und das Geld dort investieren, wo es Sinn ergibt. Wir können neue, gegen die Dürre resistentere Sorten züchten.» Man könne auch die Wasserfassungen ausbauen «und vieles mehr». Eine neue, grosse Solaranlage in seinem Dorf wird Dettling, der selber eine Solaranlage besitzt, aber dennoch ablehnen. Auch das neue Stromgesetz, den Mantelerlass, mit dem vor allem die Wasserkraft gefördert werden soll, hat der Schwyzer im Parlament abgelehnt.

Er sei aber für die Wasserkraft, sagte der SVP-Politiker gegenüber der «NZZ am Sonntag». Die Vorschriften zum Restwasser, das nach einem Kraftwerk im Flussbett sein muss, seien aber «ein riesiger Blödsinn». Ausserdem unterstützt Dettling die sogenannte Blackout-Initiative, die das Verbot eines Neubaus von Atomkraftwerken aufheben will. Zwar wisse auch er nicht, wie lange die Konstruktion eines neuen AKWs dauern würde – aber: «Wir sehen ja beim Solarausbau, wie schnell es gehen kann, wenn der Bund etwas durchboxt.» (lak)

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575 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Imfall...
18.02.2024 07:55registriert Februar 2018
Kann gerade nicht glauben was ich gelesen habe🫣 Die Idiokratie ist auf dem Vormarsch.
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Hierundjetzt
18.02.2024 07:56registriert Mai 2015
Herr Dettling hat als höchste Ausbildung ein (1) Bauernlehrjahr im Welschen (sic!) getan.

Das ist weniger als ein EBA (Attestlehre, Vorstufe Lehre, EFZ)

Nicht jede ist mit 16 bereit eine Ausbildung zu machen. Das versteht sich von selbst. Es gibt da auch SP‘ler ohne

Aber Bitte, um gotteswillen, irgendeinmal holt man das dann nach

Die Klimänderung ist menschgemacht, die Eidgenossenschaft bezahlt Miliarden an Subventionen in die Berge, für Hangsicherung und Strassenbau, weil der Permafrost auftaut und damit alles unbewohnbar wird.

Herr Dettling: Meh, schönes Wetter ist auch schön
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Merida
18.02.2024 07:56registriert November 2014
Guet Nacht am Sächsi...
Dettling scheint an Realitätsverlust zu leiden wenn ich seine Aussagen so lese. Weiter weg von wissenschaftlich bestätigten Vorgängen und Fakten kann man ja fast nicht sein.
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