Schweiz
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ARCHIVBILD ZUR VERLEIHUNG DES WORLRD TRAVEL AWARD AN DEN FLUGHAFEN ZUERICH, AM MONTAG, 2. JULI 2018 - The check-in hall 3 at Zurich Airport, pictured in Kloten, Switzerland, on July 31, 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Am Flughafen Zürich herrscht derzeit Hochsaison. Täglich werden bis zu 100'000 Passagiere erwartet.   Bild: KEYSTONE

«Wir werden mit Anzeigen geflutet» – immer mehr Passagiere haben Ärger mit Airlines

Die Passagierzahlen am Flughafen Zürich explodieren. Weil im europäischen Luftraum kaum mehr Platz ist, kommt es immer häufiger zu Flugverspätungen und Annullierungen. Das spürt auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL). 



Die Sommerferien sind gestartet. Viele Schweizer begeben sich mit grosser Vorfreude an die hiesigen Flughäfen, um in die wohlverdiente Auszeit zu fliegen. Doch bei manchen ist die Freude von kurzer Dauer. Denn: Am europäischen Himmel herrscht Chaos. Lange Wartezeiten, Flugverspätungen und Annullierungen häufen sich – besonders in den Sommermonaten.

Der Flughafen Zürich erwartet in den kommenden Wochen an mehreren Tagen über 100'000 Passagiere. An Spitzentagen sollen es gar mehrmals über 110'000 Passagiere sein. Das wäre ein neuer Rekord. «Weil viele Personen gleichzeitig in die Sommerferien fliegen, spitzt sich die Lage weiter zu», sagte Franco Muff, Ombudsmann der Schweizer Reisebranche gegenüber der Handelszeitung. Schon das kleinste Problem könne, so Muff, den Flugplan durcheinander bringen. Die grösste Mühe haben damit kleinere Fluggesellschaften, die weniger schnell Ersatzflugzeuge organisieren können. 

Enormer Anstieg an Anzeigen

Die Zunahme von annullierten, verspäteten oder verschobenen Flügen spürt auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL). Das BAZL ist die Durchsetzungsstelle für Passagierrechte in der Schweiz. Wer sich in seinen Rechten verletzt sieht, kann beim BAZL Anzeige erstatten. Und das tun momentan sehr viele. 

«Wir werden derzeit mit Anzeigen geflutet», so Urs Holderegger, Leiter Kommunikation vom BAZL, zu watson. «2017 haben wir insgesamt 4200 Anzeigen bearbeitet. Im ersten halben Jahr 2018 sind bereits 3000 Beschwerden eingetroffen.» Das sind fast so viele wie im ganzen letzten Jahr. 

Natürlich werde nicht jeder Passagier über den Tisch gezogen, erklärt Holderegger. «Man muss es auch in Relation mit dem Passagierwachstum sehen. Denn dieses ist enorm.»

Bild

Am Himmel über der Schweiz wimmelt es nur so von Flugzeugen.  bild: screenshot/flightradar

Annullierte und verspätete Flüge

Am häufigsten melden sich Passagiere wegen annullierter oder verspäteter Flüge beim BAZL. Ein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung für die Fluggäste kann das Amt aber nicht durchsetzen. Während des Verwaltungsstrafverfahrens, dass vom BAZL nach einer Anzeige eingeleitet wird, kann es aber zu einer Zahlung kommen, informiert Holderegger. 

Auch beim Schweizer Fluggast-Recht-Portal Cancelled.ch sind laut Gründer Simon Sommer 90 Prozent der bearbeiteten Fälle Annullierungen und Verspätungen. «Momentan besonders häufig sind zudem Flugplanänderungen», so Sommer. «In der Sommersaision fliegen so viele Flugzeuge über unseren Köpfen, dass es im europäische Luftraum kaum Platz mehr hat. Das führt zu kurzfristigen und oft ärgerlichen Flugänderungen.»

Bei den behandelten Fällen liegen EasyJet, Swiss und Edelweiss vorne. Doch Sommer beschwichtigt: «Das heisst nicht, dass diese Airlines speziell fahrlässig mit Passagierrechten umgehen. Diese sind in der Schweiz einfach sehr stark vertreten und viele Menschen fliegen mit ihnen ins Ausland.» 

Für Ärger sorgen laut Sommer besonders die Airlines Iberia, Vueling, TAP Portugal und beinahe alle Fluggesellschaften aus dem arabischen Raum. «Gemäss unseren Statistiken legen diese Airlines nicht so viel Wert auf Passagierrechte und verweigern oft Ausgleichszahlungen.» 

Keine voreiligen Entscheidungen

Urs Holderegger beim BAZL nennt aber auch andere Gründe für die steigende Zahl an Anzeigen. «Passagiere wissen immer besser über ihre Rechte Bescheid, weil sie an vielen Flughäfen aktiv darüber informiert werden.» Hinzu kommt, dass beim BAZL seit diesem Winter Anzeigen auch online eingereicht werden können. «Das erleichtert den Beschwerdeprozess um einiges», so Holderegger. 

Bei Problemen soll man sich in einem ersten Schritt an die Airline wenden, rät der Kommunikationsleiter vom BAZL. «Wenn sich die Fluggesellschaft nicht meldet – was leider häufig passiert – kann man sich auf unserer Homepage weiter informieren oder Anzeige erstatten.» 

HANDOUT - Undadierte Aufnahme einer Maschine der Airline EasyJet beim Start. Der britische Billigflieger Easyjet will seinen Hoehenflug am Flughafen Basel-Muelhausen fortsetzen: Fuer das laufende Jahr strebt die Airline am EuroAirport ein Wachstum um fuenf Prozent auf rund 4,8 Millionen Fluggaeste an, wie EasyJet am Mittwoch, 15 Februar 2017 bekannt gab. (HANDOUT EASYJET) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Eine Maschine von EasyJet.  Bild: EASYJET

Simon Sommer von Cancelled.ch rät zudem, dass man keine voreiligen Entscheidungen treffen soll. «Wenn ein Flug annulliert wird, muss die Airline entweder eine Ersatzbeförderung organisieren oder den Flug zurückzahlen», so Sommer. Viele Passagiere würden dann aber gleich einen Flug bei einer anderen Airline buchen und diesen der ersten Fluggesellschaft in Rechnung stellen. «Diese Rechnung geht leider nicht auf. Die erste Airline ist nicht dazu verpflichtet, den neu gebuchten Flug zu begleichen.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ökonometriker 13.07.2018 07:29
    Highlight Highlight Bin ich der einzige hier, der noch nie Stress mit einer Airline gekriegt hat?
    Hatte schon Probleme mit gewissen Provinzflughäfen oder mit extrem teuren Reisebüros (geschäftlich) die keinen Service bieten wollten, aber noch nie mit einer Airline.
  • Patho 12.07.2018 17:44
    Highlight Highlight Man sollte keine Passagierrechte geltend machen dürfen, wenn man einen Flugpreis von unter ca 10 Rp/km bezahlt hat (das enspricht etwa den Autokosten in einem volllbesetzten Auto). Wer so billig fliegen will, nimmt bewusst Abstriche in Kauf. Das wird auch kaum zu einem schlechteren Service führen, da die Airlines ein gewisses Interesse haben dürften, zufriedene Kunden zu haben. Und falls doch, wird der Kunde auf teurere Airlines umsteigen, um sicher zu sein, am Ziel anzukommen, oder im Notfall eben Rechte zu geniessen...
  • Tschakkaaa! 12.07.2018 12:06
    Highlight Highlight Immer mehr Airlines haben Ärger mit Passagieren. Auch Wahr...leider!
  • Kalsarikännit 12.07.2018 10:57
    Highlight Highlight Fliegen ist halt viel zu günstig heutzutage. Rom - Nürnberg hin un zurück für 40 Euro ist fast schon pervers. Aber Hauptsache, Hinz und Kunz können die grosse Welt sehen.
    • Kalsarikännit 12.07.2018 13:33
      Highlight Highlight Das ist natürlich eine berechtigte Frage. Man kann aber auch eine Gegenfrage stellen: Welches Anrecht auf "die Welt sehen" hat der Arme/Normalverdiener/Mensch generell? Vielleicht ist das der Grüne in mir, der sagt: Wenn Du die Welt sehen willst, achte auf die Welt, geht zu Fuss dahin. Irgendwie paradox, wenn man die Natur in Kanada, Indonesien, Argentinien oder sonst wo sehen will, und man mit dem Flugi dahin jettet, rasch ein Bisschen Kerosin verbraten für die paar Instagram-Fotos.
    • Gubbe 12.07.2018 14:02
      Highlight Highlight Vor 40 Jahren wurden Löhne zwischen 2-2.5k gezahlt. Dieser Flug wäre nicht unter 600.- gewesen. Heute ist Fliegen sehr günstig geworden, nur die SBB weiss von all dem nichts.
    • fabsli 12.07.2018 17:01
      Highlight Highlight Kalsarikännit Kannst ja nach Argentinien laufen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Raembe 12.07.2018 09:53
    Highlight Highlight Hatte anscheinend Glück, hatte bisher nie ein Problem mit den genannten Airlines. Speziell mit TAP bin ich in den letzten Jahren oft geflogen.
  • Alterssturheit 12.07.2018 09:37
    Highlight Highlight Solange 2 Wochen Griechenland inkl. Flug und VP für die Familie billiger sind als 1 Woche Tessin, wird sich sobald nichts ändern.
  • c-bra 12.07.2018 09:31
    Highlight Highlight Das wundert mich überhaupt nicht. Es werden regelmässig Linienflüge für unter 50.- CHF angeboten. Da muss man nicht Wirtschaft studiert haben um feststellen zu können, dass der Flieger voll sein muss, damit es für die Airline rentabel ist.

    Alles muss immer billiger sein, aber die Erwartungen bleiben bei den Kunden immer gleich hoch.
    • chnobli1896 12.07.2018 11:56
      Highlight Highlight Oder aber man sagt den Flug ab, zahlt in zurück und die Kunden (die bereits ein Hotel gebucht haben) weichen auf einen teureren Flug aus..
  • The Destiny // Team Telegram 12.07.2018 09:25
    Highlight Highlight Das Problem ist nicht dass die meisten einfach nur schnell in die Ferien möchten und dann sofort umbuchen, aber dass am Ferienort bereits hotel usw. gebucht sind, Freunde und Familie auf einem warten etc.

    Man hat keine Zeite 48h auf die Antwort eines Email supports zu warten und Telefonieren.
  • dä dingsbums 12.07.2018 08:53
    Highlight Highlight «2017 haben wir insgesamt 4200 Anzeigen bearbeitet. Im ersten halben Jahr 2018 sind bereits 3000 Beschwerden eingetroffen.» Das sind fast so viele wie im ganzen letzten Jahr.

    3000 sind nicht "fast so viele" wie 4200.

    40% mehr, ok. Aber nicht fast so viele.
    • jackster 12.07.2018 12:58
      Highlight Highlight Oder 71.428% des ganzen letzten Jahreswert.. #klugscheissern;)
    • pulcher 13.07.2018 07:48
      Highlight Highlight Die Anzahl der in einem Jahr bearbeiteten Fälle (2017: 4200) muss nicht gleich mit der Anzahl Neueingänge sein (2017: keine Angabe im Artikel).
      Wenn die Zahlen stimmen, wurden letztrs Jahr viele überfällige Fälle bearbeitet.

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