Piloten kämpfen täglich mit Funkattacken – trotzdem baut die Schweiz die Lösung ab
Swiss-Piloten werden täglich mit sogenanntem GPS-Spoofing konfrontiert. Dabei wird das Navigationssystem eines Flugzeugs bewusst von Angreifern mit falschen Signalen angepeilt, sodass sich Piloten auf einem anderen Kurs wähnen. Zu GPS-Spoofing kommt es besonders oft in Krisenregionen, wie etwa dem Nahen Osten; vermehrt geschehen solche Angriffe aber auch von Osteuropa aus. Besonders gefährlich wird es dann, wenn das Navigationssystem des Flugzeugs im Landeanflug gestört wird. Denn bei schlechter Sicht müssen Piloten sich auf dieses verlassen.
Die gute Nachricht ist nun: Mit dem sogenannten ILS gibt es ein bewährtes Hilfssystem, das Piloten bei Landungen mit schlechter Sicht ganz ohne den Einsatz von satellitenbasiertem GPS assistiert. Die schlechte Nachricht: Aus Kostengründen wird dieses weltweit zurückgebaut und ersetzt – auch in der Schweiz. Das berichtet der Tages-Anzeiger am Sonntag.
Das ILS, kurz für Instrumentenlandesystem, sendet vom Boden aus elektronische Signale an ein landendes Flugzeug. Diese zeigen dem Piloten, ob sich das Flugzeug exakt auf der Mittellinie der Landebahn befindet und ob der Anflugwinkel stimmt. Allerdings verursacht das ILS sowohl hohe Anschaffungs- als auch Betriebskosten.
Deshalb wird es in der Schweiz (und auch andernorts) zunehmend trotz Kritik von Piloten abgeschafft. So fehlt es am Regionalflughafen La Chaux–de-Fonds seit 2021; in Lugano soll es ebenfalls ausgeschaltet werden. Das Ersatzsystem ist im Gegensatz zum ILS nicht mehr bodengestützt, sondern läuft über GPS – und ist damit anfällig für Spoofing.
Aeropers, die Gewerkschaft der Schweizer Piloten, kritisiert diesen Trend. So sagt ihr Sprecher gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Wir halten den Rückbau für einen Fehler und einen Nachteil für die Flugsicherheit.» Gerade bei schlechtem Wetter sei es besonders wichtig, ein zuverlässiges System zu haben, weil die Korrektur auf Sicht nicht oder erst sehr spät möglich sei.
Skyguide krebst zurück
Die Schweizer Flugsicherungsgesellschaft Skyguide teilt mit, dass man in der Schweiz bisher noch keine Störaktionen registriert habe. Man führe den Systemwechsel im Auftrag des Bundes durch; die neue Methode sei eine kostengünstigere, stabile und zuverlässige Alternative.
Trotzdem hat der Bund mittlerweile den geplanten ILS-Abbau am Flughafen Bern sistiert, nicht zuletzt, weil die europäische Flugsicherheitsagentur EASA seit kurzem empfiehlt, das ILS für Notfälle betriebsbereit zu halten. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) schreibt dazu, dass man die Bedenken der Luftraumnutzenden kenne. An den Flughäfen Zürich und Genf würde das ILS aufrechterhalten; die Sistierung des Abbaus in Bern wird damit erklärt, dass das System in Bern das letzte im Mittelland sei.
(cpf)
