Velofahren in der Schweiz ist doppelt so gefährlich wie in Holland
Pro 100'000 gefahrene Kilometer wurden in der Schweiz zwischen 2019 und 2022 durchschnittlich 0,19 Velounfälle registriert – in den Niederlanden waren es 0,09, wie die in der Fachzeitschrift «Journal of Safety Research» veröffentlichte Analyse zeigt. Für die Untersuchung werteten die Forschenden der niederländischen Universität Twente und der ETH Zürich mehr als 86'000 polizeilich erfasste Velounfälle aus den Jahren 2019 bis 2022 in der Schweiz und den Niederlanden aus.
Dabei zeigte sich: Besonders problematisch sind in der Schweiz Orte, an denen Velofahrende auf andere Verkehrsteilnehmende treffen. So ist das Unfallrisiko für Velofahrende bei ÖV-Haltestellen in der Schweiz deutlich höher als in den Niederlanden, und auch Tramgleise erweisen sich als Unfallherde. Auch an Kreuzungen ist das Risiko in der Schweiz deutlich höher.
Mehr Veloinfrastruktur, weniger Risiko
Als mögliche Erklärung für das höhere Unfallrisiko in der Schweiz nennen die Forschenden Unterschiede bei der Infrastruktur.
Ein anschauliches Beispiel dafür sind laut Erstautor Georgios Kapousizis Bus- und Tramhaltestellen: Während in Schweizer Städten Velos oft direkt an wartenden Bussen oder Fussgängern vorbeifahren, führen die Niederlande Velowege meist hinter den Haltestellen durch, wie er der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte. So kämen sie weder Autos auf der Strasse noch Passagieren beim Ein- und Aussteigen in die Quere und umgekehrt.
Um die Verkehrssicherheit für Velofahrerinnen und Velofahrer zu erhöhen, könnte die Schweiz laut Kapousizis bei den drei in der Studie identifizierten Problemstellen ansetzen: bei ÖV-Haltestellen, Tramgleisen und Kreuzungen. «Die Schweiz und viele andere Länder müssen das Rad nicht neu erfinden», sagte Kapousizis. An Haltestellen könnte sie das holländische Modell kopieren, an Kreuzungen könnten geschützte Veloführungen und eigene Veloampeln helfen. Bei Tramgleisen brauche es bauliche Lösungen, die verhindern, dass Veloräder in den Schienen hängen bleiben.
Wo eine bauliche Trennung nicht möglich ist, empfiehlt Kapousizis tiefere Tempolimiten. Die Studie zeigt: Auf Strassen mit Tempo 50 war die Unfallwahrscheinlichkeit fast dreimal so hoch wie auf solchen mit Tempo 30. (sda)
