600 Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens unterschreiben Protest gegen SRG-Spitze
Der Protestbrief an die Adresse der SRG-Generaldirektorin Susanne Wille trägt die Unterschrift von 572 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Schweizer Radios und Fernsehens. Das teilt die Mediengewerkschaft SSM auf Anfrage mit.
Seit der Brief in der vergangenen Woche abgeschickt worden ist, sind weitere Unterschriften dazugekommen; es sind nun 612. Damit haben den Protest rund 20 Prozent der SRF-Angestellten unterschrieben.
Sie fordern die SRG-Generaldirektorin Susanne Wille auf, die Entlassung von vier Sprechausbildnern rückgängig zu machen. Die Mitarbeiter und die Mediengewerkschaft halten die Sparmassnahme für falsch, weil sie sich negativ auf die Qualität der Moderationen auswirke.
SRG stellt Verunsicherung in der Belegschaft fest
Sehr schlecht angekommen ist ausserdem, dass die Sprechausbildner freigestellt wurden. Die Gewerkschaft kritisiert, dass beim Fernsehen Zustände «wie im Wilden Westen» herrschten. Die Freistellungen wirkten wie eine Strafübung.
Den Angestellten des Schweizer Fernsehens ist bewusst, dass die SRG-Spitze wegen der Senkung der Medienabgabe Einsparungen vornehmen muss. Mit der Entlassung der Sprechtrainer werde aber am falschen Ort angesetzt, und der finanzielle Effekt falle kaum ins Gewicht.
Wie reagiert die SRG? Sie schreibt auf Anfrage, dass sie die Reaktionen und Bedenken der Mitarbeitenden sehr ernst nehme. «Am Stellenabbau halten wir jedoch fest.»
Die Notwendigkeit des Stellenabbaus werde im Grundsatz verstanden, der Prozess habe jedoch Verunsicherung ausgelöst. «Darum haben wir intensiv das Gespräch gesucht und stehen auch weiterhin mit der Gewerkschaft SSM in einem konstruktiven Austausch.» SRF-Direktor Roger Elsener und die Leiterin der Personalabteilung, Severine Schori-Vogt, hätten zahlreiche mündliche und schriftliche Fragen beantwortet.
Trotz dieser späten Aktivitäten: Am Leutschenbach finden viele, dass die Sparmassnahme nicht zielführend und die Kommunikation der SRG-Führung schlecht sei. Und: Nun machten die Verantwortlichen alles noch schlimmer.
In den Medien erklärt sich jetzt die Personalleiterin
Die Spitze des Rundfunks spürt den Unmut in der Belegschaft. Am Dienstag publizierte der «Tages-Anzeiger» ein langes Interview, in dem es um die Sparmassnahmen im Allgemeinen und die Freistellung der Sprechausbildner im Speziellen ging.
Nicht SRG-Generaldirektorin Susanne Wille und nicht SRF-Direktor Roger Elsener gaben das Interview – stattdessen sprach Personalchefin Severine Schori-Vogt. Sie ist nicht Mitglied der SRG-Geschäftsleitung, sondern eines erweiterten Führungsgremiums.
Schori-Vogt hat den Stellenabbau nicht beschlossen, sie setzt ihn um. Warum übernimmt sie nun die Kommunikation? Am Leutschenbach kritisieren Mitarbeiter: Erst fällten Susanne Wille und Roger Elsener fragwürdige Entscheide. Wenn die Angestellten dagegen protestierten, trete die Personalchefin mit Rechtfertigungen in den Medien auf. Wille und Elsener fehle es offensichtlich an Rückgrat.
Diese Art der Führung überzeuge nicht. Mache die SRG-Spitze in diesem Stil weiter, sei das Wohlwollen bald verspielt, das die Bevölkerung der SRG mit der klaren Ablehnung der 200-Franken-Vorlage entgegengebracht habe. (schweizheute.ch)

