Schweiz
Medien

600 Mitarbeiter des SRF unterschreiben Protest gegen SRG-Spitze

600 Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens unterschreiben Protest gegen SRG-Spitze

Sparmassnahmen stossen auf Unverständnis – und die ausweichende Kommunikation der Verantwortlichen schürt den Unmut in der Belegschaft.
08.07.2026, 05:1108.07.2026, 05:11
Francesco Benini
Francesco Benini
Sind abgetaucht: SRF-Direktor Roger Elsener und SRG-Generaldirektorin Susanne Wille.
Sind abgetaucht: SRF-Direktor Roger Elsener und SRG-Generaldirektorin Susanne Wille.Bild: Severin Bigler

Der Protestbrief an die Adresse der SRG-Generaldirektorin Susanne Wille trägt die Unterschrift von 572 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Schweizer Radios und Fernsehens. Das teilt die Mediengewerkschaft SSM auf Anfrage mit.

Seit der Brief in der vergangenen Woche abgeschickt worden ist, sind weitere Unterschriften dazugekommen; es sind nun 612. Damit haben den Protest rund 20 Prozent der SRF-Angestellten unterschrieben.

Sie fordern die SRG-Generaldirektorin Susanne Wille auf, die Entlassung von vier Sprechausbildnern rückgängig zu machen. Die Mitarbeiter und die Mediengewerkschaft halten die Sparmassnahme für falsch, weil sie sich negativ auf die Qualität der Moderationen auswirke.

SRG stellt Verunsicherung in der Belegschaft fest

Sehr schlecht angekommen ist ausserdem, dass die Sprechausbildner freigestellt wurden. Die Gewerkschaft kritisiert, dass beim Fernsehen Zustände «wie im Wilden Westen» herrschten. Die Freistellungen wirkten wie eine Strafübung.

Den Angestellten des Schweizer Fernsehens ist bewusst, dass die SRG-Spitze wegen der Senkung der Medienabgabe Einsparungen vornehmen muss. Mit der Entlassung der Sprechtrainer werde aber am falschen Ort angesetzt, und der finanzielle Effekt falle kaum ins Gewicht.

Wie reagiert die SRG? Sie schreibt auf Anfrage, dass sie die Reaktionen und Bedenken der Mitarbeitenden sehr ernst nehme. «Am Stellenabbau halten wir jedoch fest.»

Die Notwendigkeit des Stellenabbaus werde im Grundsatz verstanden, der Prozess habe jedoch Verunsicherung ausgelöst. «Darum haben wir intensiv das Gespräch gesucht und stehen auch weiterhin mit der Gewerkschaft SSM in einem konstruktiven Austausch.» SRF-Direktor Roger Elsener und die Leiterin der Personalabteilung, Severine Schori-Vogt, hätten zahlreiche mündliche und schriftliche Fragen beantwortet.

Trotz dieser späten Aktivitäten: Am Leutschenbach finden viele, dass die Sparmassnahme nicht zielführend und die Kommunikation der SRG-Führung schlecht sei. Und: Nun machten die Verantwortlichen alles noch schlimmer.

In den Medien erklärt sich jetzt die Personalleiterin

Die Spitze des Rundfunks spürt den Unmut in der Belegschaft. Am Dienstag publizierte der «Tages-Anzeiger» ein langes Interview, in dem es um die Sparmassnahmen im Allgemeinen und die Freistellung der Sprechausbildner im Speziellen ging.

Nicht SRG-Generaldirektorin Susanne Wille und nicht SRF-Direktor Roger Elsener gaben das Interview – stattdessen sprach Personalchefin Severine Schori-Vogt. Sie ist nicht Mitglied der SRG-Geschäftsleitung, sondern eines erweiterten Führungsgremiums.

Schori-Vogt hat den Stellenabbau nicht beschlossen, sie setzt ihn um. Warum übernimmt sie nun die Kommunikation? Am Leutschenbach kritisieren Mitarbeiter: Erst fällten Susanne Wille und Roger Elsener fragwürdige Entscheide. Wenn die Angestellten dagegen protestierten, trete die Personalchefin mit Rechtfertigungen in den Medien auf. Wille und Elsener fehle es offensichtlich an Rückgrat.

Diese Art der Führung überzeuge nicht. Mache die SRG-Spitze in diesem Stil weiter, sei das Wohlwollen bald verspielt, das die Bevölkerung der SRG mit der klaren Ablehnung der 200-Franken-Vorlage entgegengebracht habe. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die hässliche Wahrheit über Ransomware-Attacken
1 / 14
Die hässliche Wahrheit über Ransomware-Attacken

Die Dunkelziffer bei erfolgreichen Ransomware-Attacken ist extrem hoch. In dieser Bildstrecke erfährst du, was dahintersteckt.

quelle: shutterstock
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wie verändert sich das Bezahlen gerade, Santosh Ritter?
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
7 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
7
Die wahrscheinlich bekannteste Schweiz-Kolumbianerin sagt, wer heute gewinnt
Heute Abend stehen sich die Schweiz und Kolumbien im Achtelfinale der Fussball-Weltmeisterschaft gegenüber. Wir haben deshalb mit einer der bekanntesten Schweiz-Kolumbianerinnen des Landes über das Spiel gesprochen.
Vanessa Meier Linero kennt man vor allem als Moderatorin von TeleZüri. Die 32-jährige Journalistin ist die Tochter einer Kolumbianerin und eines Schweizers und gehört wohl zu den bekanntesten Schweiz-Kolumbianerinnen des Landes.
Zur Story