Salt bestätigt Sicherheitsvorfall – Kunden berichten von ungewollten Anrufen
Namen, Adressen, Telefonnummern oder auch Geburtsdaten könnten abgegriffen worden sein: Salt informierte am Freitag seine Kundinnen und Kunden über einen «möglichen Sicherheitsvorfall», nachdem im Internet «Online-Meldungen über ein mögliches Kundendatenleck bei Salt» aufgetaucht seien.
In der E-Mail, die an die Kundinnen und Kunden verschickt wurde, erklärt der Schweizer Betreiber, den «Sachverhalt umfassend geprüft» zu haben und versichert, dass in den eigenen Systemen kein unbefugter Zugriff festgestellt wurde. Hingegen gibt Salt an, einen «Missbrauch eines bestehenden Zugriffs auf ein Peripheriesystem» festgestellt zu haben:
Betroffen seien «ausschliesslich folgende persönliche Angaben»: Vor- und Nachname, Postadresse, Mobiltelefonnummer, Geburtsdatum und E-Mail-Adresse. Sensible Informationen wie Passwörter, Bank- oder Kundenverlaufsdaten seien nicht betroffen.
In seiner Mitteilung gibt Salt nicht an, wie viele Kundinnen und Kunden davon betroffen sein könnten und ob die Daten tatsächlich gestohlen wurden. «Seien Sie vorsorglich besonders aufmerksam bei verdächtigen E-Mails, SMS oder Anrufen, in denen diese Angaben verwendet werden», schreibt der drittgrösste Telekommunikationsanbieter in der Schweiz. Salt oder seine Partner würden die Kundinnen und Kunden «niemals per E-Mail, SMS oder Telefon dazu auffordern, ein Passwort, Bankdaten oder andere vertrauliche Informationen bekannt zu geben».
Kunden regen sich über Anrufe auf
Kundinnen und Kunden zeigen sich trotz der Mitteilung von Salt verärgert. Auf Reddit berichten User von ungewollten Anrufen und Vorfällen in den letzten Tagen.
Ein User schreibt: «Kein Wunder, dass ich seit letzter Woche täglich zwei bis vier Betrugsanrufe bekomme.» Ein weiterer berichtet, er oder sie habe «erst vor zwei Tagen […] mehrere Betrugsanrufe erhalten und mich gefragt, wie das möglich ist. Jetzt weiss ich es».
Andere User regen sich über die Kommunikation von Salt auf: Einige hätten gar keine E-Mails gekriegt, andere hätten geglaubt, es handle sich auch dort um Spam – die E-Mail mache einen «amateurhaften Eindruck», so ein User. Und ein weiterer erzählt: «Ich habe die E-Mail gerade erst erhalten und habe den Link dann selbst in die Adressleiste meines Browsers eingegeben, weil mir das Ganze verdächtig vorkam.»
Die Reddit-User sprechen zudem über rechtliche Schritte gegen Salt, zum Beispiel mit einer Klage wegen Fahrlässigkeit und Anzeige beim Bundesamt für Cybersicherheit BACS. Er oder sie habe den Fall schonmal bei der Rechtsschutzversicherung angegeben, «mal schauen, was passiert». Ein weiterer User schreibt: «Jemand muss vor Gericht gehen und all diesen Firmen klarmachen, dass sie dafür bezahlen müssen, wenn sie diesen Mist nicht in den Griff bekommen.»
Erste Meldungen Ende August
Bereits Ende August berichtete das Portal Brinztech über Akteure aus dem Darkweb, die «eine illegale Verkaufskampagne gestartet» hätten, in deren Rahmen ein riesiger Datensatz mit mehr als 1,09 Millionen Kundendatensätzen vermarktet würde, «die dem Schweizer Telekommunikationsanbieter Salt Mobile zugeschrieben werden».
Auf Anfrage von watson gibt Salt keine weiteren Informationen heraus: Da die Untersuchungen weiterhin liefen, könne das Unternehmen derzeit keine weiteren Angaben machen. Es ist daher noch immer unklar, wie viele Kundendaten genau betroffen sind und auch, wann genau der Vorfall geschah. (lak)
