«Glouben i ja nid»: Jetzt ist klar, warum es bei Neuenburg fast zu einer Zugkollision kam
Eine Sust-Untersuchung hat laut «SonntagsZeitung» sprachliche Hürden bei SBB-Lokführern als Ursache einer gefährlichen Zugannäherung in Neuenburg-Vauseyon identifiziert.
Technische Defekte an Zügen oder Sicherungsanlagen hätten ausgeschlossen werden können. Ein Regionalzug sei am 12. August 2025 nach einer Fehlleitung auf das Gleis eines Güterzugs geraten, der erst 50 Meter vor der Kollision zum Stillstand gekommen sei.
Missverständnisse zwischen deutschsprachigen Lokführern und französischsprachigen Fahrdienstleitern hätten die Bewältigung der Situation erschwert.
Transkript des Dialogs
Die «SonntagsZeitung» gibt folgenden Dialog wieder, der sich zwischen den Lokführern und den Fahrdienstleitern ereignet haben soll:
Fahrdienstleiter (F): Non c'est pas bon. Tu as été trop loin.
L: Ja, je roule manoeuvre jusqu' à Neuchâtel?
F: Non, non, non. Neuchâtel-Vauseyon! Je t'ai dis de ne pas rentrer sur la pleine voie. Là c'était dangereux ce que t'as fait.
L: Pas compris.
F: Oui bien, je sais que tu me comprends pas.
L: Donne-moi une personne qui parle allemand.
F: Personne ne parle allemand sur ce secteur, là.
Im weiteren Gespräch sollen laut dem Transkript, das der «SonntagsZeitung» vorliegt, auch Kraftausdrücke gefallen sein.
Der Fahrdienstleiter sagte etwa: «C'est difficile, il comprend pas. Là c'est un bordel de monstre.» Darauf soll der Lokführer geflucht und mit «das glouben i ja nid», geantwortet haben.
SBB spricht von einem Einzelfall
Die betroffenen Lokführer hätten die internen SBB-Vorgaben mit Sprachniveau A1 erfüllt, seien laut Sust aber nicht in der Lage gewesen, die Lage auf Französisch sicher abzuwickeln. Die Sust halte deshalb fest, die Sprachanforderungen der SBB erfüllten die gesetzlichen Vorgaben nicht ausreichend. Die SBB bezeichneten den Vorfall als Einzelfall, man nehme ihn jedoch «sehr ernst». (sda/cma)
