Fitnesscenter überholt Sportverein – neue Studie zeigt, wie die Schweiz Sport treibt
Das Verteidigungsdepartement VBS und das Bundesamt für Sport BASPO haben am Dienstag in Bern die Studie «Sport Schweiz 2026» vorgestellt. Rund 15'000 Personen nahmen an der Befragung teil, die alle sechs Jahre durchgeführt wird und seit dem Jahr 2000 existiert. Sie zeigt: Der jahrzehntelange Sportboom in der Schweiz ist ins Stocken geraten.
52 Prozent der Schweizer Bevölkerung gehören zu den sehr aktiven Sporttreibenden. Sie sind mehrmals pro Woche während insgesamt mindestens drei Stunden sportlich aktiv. 17 Prozent bezeichnen sich als sportlich inaktiv und treiben keinen Sport. Diese Anteile veränderten sich zwischen 2020 und 2026 kaum noch, nachdem die Sportaktivität der Bevölkerung über 25 Jahre kontinuierlich zugenommen hatte. Erstmals seit Beginn der Erhebung wächst die Gruppe der sehr aktiven Sportlerinnen und Sportler nicht mehr nennenswert.
Im europäischen Vergleich gehört die Schweiz weiterhin zu den sportlichsten Ländern. Zusammen mit den skandinavischen Ländern Finnland, Schweden und Dänemark liegt sie an der Spitze, unabhängig davon, ob man den Anteil an täglich oder wöchentlich Sporttreibenden oder an sportlich Inaktiven vergleicht.
Draussen aktiv, aber auch zunehmend zu Hause
Am beliebtesten bleibt der Sport im Freien. 43 Prozent der Bevölkerung sind mindestens einmal pro Woche draussen in der Natur sportlich aktiv, weitere 14 Prozent tun dies mindestens monatlich. Zu den am häufigsten genutzten Infrastrukturen gehören signalisierte Wanderwege, Bergbahnen und Skilifte sowie See- und Flussbäder.
Gleichzeitig gewinnt das Training in den eigenen vier Wänden an Bedeutung: 31 Prozent der Bevölkerung treiben dort mindestens einmal pro Woche Sport – das ist der einzige Sportort, dessen Nutzung in den letzten sechs Jahren gewachsen ist. Auch private Fitness- und Sportcenter verzeichnen einen Zuwachs. 22 Prozent der Bevölkerung besitzen ein entsprechendes Abonnement, gegenüber 19 Prozent im Jahr 2020. Damit sind erstmals mehr erwachsene Personen Mitglied in einem Fitnesscenter als in einem Sportverein, dessen Aktivmitgliederanteil im gleichen Zeitraum von 22 auf 19 Prozent gesunken ist.
«Helvetischer Fünfkampf» bleibt an der Spitze
Wandern, Radfahren, Schwimmen, Skifahren und Jogging stehen nach wie vor an der Spitze der beliebtesten Sportarten in der Schweiz – seit der ersten Erhebung im Jahr 2000. Im Vergleich zu 2020 haben diese fünf Lifetime-Sportarten jedoch an Popularität eingebüsst. Am deutlichsten zurückgegangen sind die Anteile beim Schwimmen (−13,8 Prozentpunkte) und beim Skifahren (−11,6 Prozentpunkte).
Deutlich zugelegt haben hingegen Krafttraining und Yoga. Seit dem Jahr 2000, als Krafttraining von 2,9 Prozent und Yoga von 1,4 Prozent der Bevölkerung ausgeübt wurden, sind die Anteile auf 19,7 respektive 16,1 Prozent gestiegen. Beide gelten als die Boomsportarten der letzten Jahre.
Motive: Gesundheit vor Wettkampf
Für eine klare Mehrheit der Sporttreibenden sind Gesundheit, Fitness, Freude an der Bewegung und das Naturerlebnis die wichtigsten Beweggründe. Klassische Leistungsmotive wie das Erreichen sportlicher Ziele, das Messen mit anderen oder die Teilnahme an Wettkämpfen sind dagegen nur für eine Minderheit von Bedeutung. Die Wettkampfteilnahme unter den Sporttreibenden ist von 20 Prozent im Jahr 2020 auf knapp 16 Prozent zurückgegangen.
Soziale Unterschiede bleiben bestehen
Je höher Einkommen und Bildung, desto grösser ist der Anteil an sehr aktiven Sportlerinnen und Sportlern – dieser soziale Gradient hat sich seit 2020 gemäss der Studie sogar leicht akzentuiert. Auch nach Geschlecht, Alter, Sprachregion und Nationalität zeigen sich Unterschiede: Männer sind in jüngeren Jahren deutlich aktiver als Frauen, ab 55 Jahren gleicht sich die Aktivität aber an. In der Deutschschweiz wird mehr Sport getrieben als in der Romandie und im Tessin, wo die Sportaktivität in den letzten sechs Jahren spürbar zurückgegangen ist – möglicherweise eine Spätfolge der Covid-19-Pandemie.
Sport bleibt in der Bevölkerung positiv besetzt: Assoziiert wird er vor allem mit Bewegung, Gesundheit, Fitness und Training. Auch die Sportförderung in der Schweiz geniesst grossmehrheitlich Zustimmung.
