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Die SVP im No-Billag-Dilemma: «Pest oder Cholera»

Gregor Rutz, SVP-ZH, und Natalie Rickli, SVP-ZH, sprechen an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 21. September 2016, im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Zwei der pointiertesten SRG-Kritiker in der Volkspartei: Gregor Rutz und Natalie Rickli.Bild: KEYSTONE

Die SVP im No-Billag-Dilemma: «Pest oder Cholera»

Ob die SVP die Initiative zur Abschaffung der TV-Gebühren unterstützt, dürfte für deren Erfolgschancen entscheidend sein. Doch die Partei tut sich schwer mit einer Entscheidung. Am Dienstag werden in Zürich erste Weichen gestellt.
18.10.2017, 10:5507.11.2017, 14:15

Nun steht fest, worüber schon seit geraumer Zeit spekuliert wurde: Die No-Billag-Initiative kommt im März an die Urne. Dies gab der Bundesrat heute bekannt. Klar ist auch: Von den Parteien dürfen sich die Initianten wenig Unterstützung erhoffen. SP, Grüne, CVP, FDP, BDP und GLP werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Nein-Parole beschliessen.

«Je länger ich hier zuhöre, desto mehr bin ich versucht, dieser Initiative zuzustimmen.»
Toni Brunner, Ex-SVP-Chef

Nun richten sich alle Augen auf die SVP. Denn aus den Reihen der Volkspartei kamen bislang gemischte Signale. «Eigentlich war ich nie ein besonderer Freund dieser No-Billag-Initiative», sagte etwa Ex-Parteichef Toni Brunner in der Herbstsession im Nationalrat. «Aber je länger ich hier zuhöre, desto mehr bin ich versucht, dieser Initiative zuzustimmen.»

Fraktionschef Adrian Amstutz räumte in derselben Debatte ein: «Wir sind im Dilemma in der SVP.» Eine Parole zur No-Billag-Initiative zu fassen, sei eine Entscheidung zwischen «Pech oder Schwefel», «Pest oder Cholera». Die Partei hatte im Parlament als «Mittelweg» einen Gegenvorschlag zur Halbierung der Gebühren beliebt gemacht – dieser blieb jedoch chancenlos.

Ob die SVP in der Konsequenz die Ja-Parole beschliesst, wie dies mehrere Exponenten im Rat angedroht hatten, ist allerdings noch offen. Denn medienpolitisch zieht sich ein Graben durch die Partei. Während sich im Nationalrat 39 SVP-Exponenten dafür aussprachen, die Initiative zur Annahme zu empfehlen, konnten sich 21 weitere nicht dazu durchringen, den entsprechenden Knopf zu drücken.

«Mir geht No Billag zu weit, da die SRG Aufgaben wahrnimmt, die private Sender nicht im gleichen Ausmass erfüllen könnten.»
Werner Salzmann, Berner SVP-Nationalrat

13 Fraktionsmitglieder enthielten sich, acht weitere plädierten für ein Nein. Zu den Gegnern der Initiative zählen zahlreiche Romands, aber auch Deutschschweizer Exponenten wie der Berner Nationalrat Werner Salzmann. Er sagt: «Mir geht No Billag zu weit, da die SRG Aufgaben wahrnimmt, die private Sender nicht im gleichen Ausmass erfüllen könnten.»

Werner Salzmann (SVP/BE) waehrend den Beratungen ueber den Voranschlag 2016 am Donnerstag, 3. Dezember 2015 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)
Werner Salzmann ist kein Fan von No Billag.Bild: KEYSTONE

Mit der heutigen Situation sei er allerdings auch nicht glücklich. Insbesondere die Gebührenpflicht für Unternehmen steht für ihn «quer in der Landschaft». «Wir werden in der SVP darüber diskutieren müssen, wie wir mit dieser unbefriedigenden Situation umgehen.»

Eine erste Weichenstellung erfolgt nächsten Dienstag. Dann hält die Zürcher Kantonalpartei ihre Delegiertenversammlung ab, die Parole zu No Billag ist der dritte Punkt auf der Traktandenliste. Auf nationaler Ebene wird sich die Partei wohl erst im Januar definitiv auf eine Position festlegen.

«Die Delegierten müssen entscheiden, ob für sie ein staatlicher Moloch oder ein kompletter Verzicht auf einen medialen Service public das geringere Übel ist.»
Albert Rösti, SVP-Präsident

Parteipräsident Albert Rösti erwartet «spannende Diskussionen» an der Delegiertenversammlung: «Die Haltung der SVP ist klar: Wir wollen das Budget der SRG reduzieren. Ebenso klar ist für uns aber, dass es nicht zielführend ist, den Sprachregionen die Unterstützung komplett zu entziehen.»

SVP-Nationalrat und Parteipraesident Albert Roesti, BE, aeussert sich an einer Medienkonferenz zur "Legislatur-Halbzeit: Bilanz und Ausblick" am Freitag, 13. Oktober 2017, in Bern. (KEYSTONE ...
Parteipräsident Albert Rösti stimmte im Rat für die Initiative.Bild: KEYSTONE

Es werde an den Delegierten sein, diesen Konflikt zu lösen. «Sie müssen entscheiden, ob für sie ein staatlicher Moloch oder ein kompletter Verzicht auf einen medialen Service public das geringere Übel ist.» Rösti selber drückte im Nationalrat den Knopf für ein Ja zu No Billag.

«So parolentreu die SVP-Wähler sonst sein mögen, so sehr liegen ihnen Institutionen wie die Post, die Swisscom oder eben vielleicht auch die SRG am Herzen.»
Louis Perron, Politologe

Politologe Louis Perron spricht von einer «Knacknuss» für die grösste Partei der Schweiz: «Einerseits profiliert sich die SVP seit Jahren erfolgreich als scharfe Kritikerin der SRG. Andererseits könnte es auch den eigenen Wählern in den falschen Hals geraten, wenn die Partei eine so urschweizerische Institution einfach zerschlagen wollte.» Gerade in ländlichen Gegenden könnte dies schlecht ankommen, vermutet der Politikberater.

Viele Beobachter gehen davon aus, dass eine Ja-Parole der SVP die Chancen des Begehrens auf einen Schlag markant erhöhen würde. Perron ist allerdings skeptisch: «So parolentreu die SVP-Wähler sonst sein mögen, so sehr liegen ihnen Institutionen wie die Post, die Swisscom oder eben vielleicht auch die SRG am Herzen.» In Service-public-Fragen stimmten sie deshalb häufig eher mit dem Gewerkschaftsbund als gemäss der Weisung aus Herrliberg.

Gebühren sinkt – 1 Franken pro Tag
Der Bundesrat legte in seiner heutigen Sitzung nicht nur den Abstimmungstermin für die No-Billag-Initiative fest. Zeitgleich gab er auch bekannt, dass die Radio- und TV-Gebühr per 2019 deutlich sinken soll – von heute 451 auf neu 365 Franken pro Jahr. Grundlage dafür ist das neue Radio- und TV-Gesetz, das das Schweizer Stimmvolk vor zwei Jahren hauchdünn angenommen hatte. Es bewirkt, dass künftig auch Haushalte ohne Radio- oder TV-Gerät die Empfangsgebühr bezahlen müssen.
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