Der Schweiz geht das Heu aus – jetzt soll es aus Kanada importiert werden
Die Trockenheit im Sommer hat in der Schweiz zu einem Heumangel geführt. Ballen, die eigentlich für den Winter gedacht sind, müssen schon jetzt verfüttert werden und reichen nicht einmal für alle Betriebe, wie Toni Herger von der Zgraggen Transport AG in Schattdorf gegenüber SRF erklärt. «Mein Telefon klingelt ständig, auch abends und nachts. Es ist schwierig, damit umzugehen, insbesondere wenn man Landwirte priorisieren muss.»
Herger ist auch Vizepräsident des Schweizerischen Raufutterverbands und weiss: Diesen Winter dürften 600'000 bis 800'000 Tonnen Futter fehlen. In anderen Jahren helfen hier Importe aus anderen europäischen Ländern. Doch dieses Jahr kämpfen auch diese mit einem Mangel, da auch bei ihnen die Trockenheit Spuren hinterlassen hat. Umso höher klettern die Preise. Mittlerweile hat sich der Preis für 100 Kilogramm von 22 Franken im Frühling auf bis zu 40 Franken erhöht.
Heuschmuggel aufgedeckt
Die Lage ist offenbar schon so zugespitzt, dass es zu Spannungen kommt. So wurde kürzlich ein Schweizer Landwirt dabei erwischt, wie er eigenhändig Heu aus Frankreich über die Grenze bringen wollte. Auch wenn der Zollansatz wegfällt, hätte er dieses anmelden müssen. Stattdessen musste er es in Frankreich wieder verkaufen und eine Busse bezahlen.
Es soll sich nicht um einen Einzelfall handeln, wie französische Medien berichten. Gewerkschaften im Nachbarland klagen über illegalen Futterhandel, Dutzende Lastwagen sollen Heu über die Grenze bringen. Da auch in Frankreich die Trockenheit für einen Engpass gesorgt hat und Schweizer Bauern laut der Gewerkschaft deutlich mehr bezahlen können als heimische Landwirte, sorgt dies für Unmut.
Kanada hilft aus
Ganz Europa geht das Heu aus. Deshalb richtet sich nun der Blick über den grossen Teich. Laut SRF wird neu auch Heu aus Kanada importiert. «Wir verfolgen das Wetter in Europa normalerweise nicht so genau. Auf einmal haben uns Landwirte aus Europa angerufen, was uns sehr freut. Wir können ihnen mit Heulieferungen helfen», sagt Barry Schmitt, Geschäftsführer der Barr-G in der Provinz Alberta, zu SRF.
Die Reise in die Schweiz dauert etwa 45 Tage – erst mit dem Zug, dann mit dem Schiff und schliesslich per Lastwagen. Trotzdem sei der Transport günstig, sagt Schmitt: «In Nordamerika gibt es viele leere Container, die zurück nach Asien und Europa müssen. Wir nutzen diese günstigen Rücktransporte für unser Heu. Momentan gibt es auch viel Platz auf den Schiffen.»
Notreserven für Protein-Tierfutter freigegeben
Nicht nur das Heu ist knapp. Auch Protein-Tierfutter fehlt, weil es aufgrund der Trockenheit und des Niedrigwassers in den Flüssen nicht in ausreichendem Mass importiert werden kann. Der Bund hat deshalb am Montag bekannt gegeben, dass er Notreserven freigibt.
Wegen des mangelnden Futters wurden diesen Sommer auch deutlich mehr Kühe geschlachtet als sonst. Sollte es im Winter weiterhin zu wenig Futter geben, dürften die Schlachthäuser noch längere Zeit viel zu tun haben. (vro)
