Nicht nur wegen der Hitze: Darum werden aktuell so viele Kühe geschlachtet
Die Anzahl der Kuhschlachtungen ist derzeit extrem hoch, sagt Peter Bosshard, Geschäftsführer des Schweizerischen Viehhändler-Verbands, gegenüber SRF. Zwar habe es schon immer saisonale Schwankungen gegeben. «Doch in diesem Ausmass ist das ein neues Phänomen.»
Als Vergleich: In den Kalenderwochen 23 bis 30 sind letztes Jahr 18'739 Kühe geschlachtet worden, dieses Jahr sind es 23'898. Allein im Juli wurden landesweit rund 3000 Rinder und Kühe mehr geschlachtet als im Vorjahreszeitraum.
Die Kühe leiden unter der Hitze, denn sie können nicht wie wir Menschen schwitzen und ihre Körpertemperatur nur begrenzt regulieren. Der Hauptgrund für die vielen Schlachtungen ist aber nicht das Leiden der Tiere, sondern der Mangel an Futter und Wasser. Die Trockenheit lässt die Weiden austrocknen, vielerorts fehlt es an frischem Gras für die Kühe.
Aktuell kommen viele Milchkühe auf die Schlachtbank. Das liege nicht nur an der Hitze, Trockenheit und dem Futtermangel, sondern habe auch mit dem tiefen Milchpreis zu tun, so Bosshard.
Das höhere Angebot wirkt sich bereits auf den Markt aus: Die Schlachtpreise für Kühe seien leicht gesunken, sagt Peter Bosshard vom Verband der Viehhändler. Von einem Preiszerfall oder einem Absturz könne aber keine Rede sein.
Angespannte Lage
«Knüppeldick» könnte es kommen, wenn die Hitze und Trockenheit bis Ende August anhalten – und sich ein weiterer Belastungsfaktor nicht entschärft: eine Viruskrankheit, die derzeit unter den Kühen grassiert.
Das sogenannte Orthobunyavirus, das ursprünglich vor allem in Afrika, Asien und Australien vorkommt, verursacht bei betroffenen Tieren Fieber und Durchfall. Sollten sich die Tiere nicht bald erholen und zusätzlich auf den Markt kommen, könnte ein Überangebot entstehen.
Ein weiteres Problem sind die Futterreserven für den Winter. Sollte der Herbst keine Entspannung bringen, müssten die Bauern auf Vorräte zurückgreifen, die eigentlich für die kalte Jahreszeit vorgesehen wären. Diese würden dann fehlen. (cst)
