Schweiz
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Der Schweizer Kapitaen Alain Geiger (rechts) feiert mit seinem Teamkollegen Georges Bregy nach dessen Freistosstor zum 1 : 0 gegen die USA am 18. Juni 1994 in Detroit an der Fussball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA. (KEYSTONE/Str)

Bild: KEYSTONE

Sein berühmtester Satz ist eine Falschaussage

18.06.1994: Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

18. Juni 1994: Georges Bregy versenkt im ersten WM-Spiel der Schweiz seit 28 Jahren gegen die USA einen Freistoss ins rechte Lattenkreuz. «Es gibt keinen Zweiten wie Bregy», sagt Kommentator Beni Thurnheer, als fünf Minuten später US-Superstar Eric Wynalda anläuft. Nie lag der «Schnurri der Nation» mehr daneben.

Seine Karriere in der Schweizer Nationalmannschaft war eigentlich längst zu Ende. Fünf Jahre ist Georges Bregy nicht mehr für die Nati aufgeboten worden, als 1992 das Aufgebot von Roy Hodgson für die Qualifikation für die WM 1994 in den USA in Haus flattert. 

Der offensive Mittelfeldspieler war mit Sion 1980 und 1982 Schweizer Cupsieger und führte die Young Boys 1986 zum bislang letzten Meistertitel. 1984 wurde der Freistossspezialist gar Torschützenkönig. Trotzdem verzichteten Daniel Jeandupeux und Uli Stielike Ende der 80er-Jahre auf Bregy.

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Georges Bregy läuft 1994 mit 36 Jahren nochmals zur Hochform auf. Bild: Keystone

Hodgsons Reaktivierung des Routiniers erweist sich schon in der WM-Quali als Glücksfall. Auch dank seinem Penalty-Ausgleich beim 1:1 in Schottland qualifiziert sich die Nati erstmals seit 28 Jahren wieder für eine WM-Endrunde. Und dort gehört Bregy zu den Teamstützen. 

Günter Netzer, damals Co-Kommentator beim Schweizer Fernsehen, schwärmt in den höchsten Tönen. «Georges Bregy ist der wichtigste Mann im Team. Er läuft viel, denkt, lenkt, ist taktisch stark, hält den Jungen den Rücken frei. Und: Er ist der Mann der stehenden Bälle. Seine Freistösse sind tödlich, gehören zur absoluten Weltspitze», so der Weltmeister von 1974.



Hitzeschlacht bei erstem Indoor-WM-Spiel

Zum Auftakt trifft die Schweiz im ersten WM-Spiel, das unter geschlossenem Dach gespielt wird, im mittlerweile maroden Pontiac Silverdome in der Nähe von Detroit auf die USA. Das Stadion ist mit 73'425 Zuschauern restlos ausverkauft, die Temperaturen liegen jenseits der 40-Grad-Marke. Es ist wie in einer Sauna.

Die Sauna im ausverkauften Pontiac Silverdome. Bild: AP NY

Die Schweizer tun sich schwer, haben aber mehr vom Spiel. Gefährlich wird es trotzdem fast nur bei Standardsituationen. So auch in der 39. Minute, als Alain Sutter nach einem schönen Dribbling kurz vor dem Strafraum in halblinker Position von US-Abwehrchef Tom Dooley von den Beinen geholt wird. 

Netzer Thurnheer

Günter Netzer und Beni Thurnheer: Das kongeniale Kommentatoren-Duo in den 90er-Jahren. Bild: Keystone

TV-Kommentator Beni Thurnheer frohlockt schon. «Wieder lauert Bregy, das ist jetzt die Idealdistanz für ihn», weiss der «Schnurri der Nation». «Rechts oben», kündigt Thurnheer an. Und er behält Recht. Der mittlerweile 36-jährige Bregy schnibbelt den Ball mit viel Gefühl zur 1:0-Führung für die Schweiz in die rechte hohe Torecke. US-Keeper Tony Meola schaut nur zu, grenzenloser Jubel bei Thurnheer, Netzer und der ganzen Fussball-Schweiz.

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Bregys Freistoss ins Lattenkreuz. Video: Youtube/Blochin

«Während des Spiels realisierte ich nicht richtig, dass ich an einer WM ein Tor erzielt hatte, zu hoch war die Konzentration auf das Spiel», wird Bregy später über seinen Geniestreich sagen. «Erst später kam die Freude auf. Wenn ich mein Tor heute sehe, kriege ich noch immer Hühnerhaut.»

«Mein berühmtester Satz ist eine Falschaussage.»

Beni Thurnheer nzz.ch

Thurnheers legendärer Satz

Doch nur fünf Minuten später folgt die Ernüchterung: Nach einem Foul von Ciriaco Sforza gibt's Freistoss für die USA aus rund 25 Metern. Netzer ist besorgt: «Hoffentlich haben die nicht so einen guten Schützen wie Bregy.» Thurnheer wimmelt ab: «Es gibt keinen Zweiten wie Bregy». Acht Sekunden später zappelt der Ball im Netz. US-Superstar Eric Wynalda trifft genau ins Lattenkreuz, Marco Pascolo ist absolut chancenlos.

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Zusammenfassung des Spiels: Benis legendären Satz hören Sie bei 6'50''. Video: Youtube/Kanal von ZwoelfMagazin

Die Partie gegen die USA endet 1:1. Nach einem 4:1 gegen Rumänien und einem 0:2 gegen Kolumbien qualifiziert sich die Nati für den Achtelfinal, wo Spanien (0:3) eine Nummer zu gross ist. Bregy beendet nach der WM seine Karriere nach 54 Länderspielen und 12 Treffern.

Vor allem sein Freistoss gegen die USA ist in Erinnerung geblieben. Auch wegen des fatalen Irrtums von Thurnheer. «Mein berühmtester Satz ist eine Falschaussage», ist sich «Beni national» bewusst. Nach dieser WM hängt der bald 65-Jährige das Mikrofon an den Nagel. Eigentlich schade, oder hat in Brasilien etwa Sascha Ruefer einen noch besseren Spruch auf Lager?

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Raphie 18.06.2014 07:38
    Highlight Highlight Das waren noch zeiten. Da konnte man die nachnamen der spieler noch aussprechen.
    1 8 Melden
    • Attilaquetzal 19.06.2014 07:26
      Highlight Highlight Das sind Zeiten... Wo Leute solch dumme Kommentare schreiben!
      7 0 Melden
    • Raphie 20.06.2014 08:29
      Highlight Highlight Was ist daran dumm sich nach der Zeit zu sehnen in der die Schweizer Nati noch aus Schweizer bestand?
      1 5 Melden
    • Lapideas 30.06.2014 18:53
      Highlight Highlight Na weil wir dann gar nicht an der WM-Endrunde teilnehmen würden. =)
      3 0 Melden

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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