Schweiz
Immobilien

Sugus-Häuser Zürich: So reagiert Gregor Rutz auf die Leerkündigungen

Die Sugus-Wohnbloecke auf dem Zuercher Roentgenareal, Mitte, am 8. Dezember 2024 in Zuerich. Ueber hundert Mietpaerteien mit rund 250 Bewohner sind von einer Leerkuendigung von drei Wohnbloecken auf d ...
250 Bewohner sollen schnell raus: die farbigen Sugus-Wohnblöcke bei den Bahngeleisen in der Stadt Zürich.Bild: keystone

Hauseigentümer-Präsident Rutz zu Sugus-Häusern: «Vorgehen spottet jeder Beschreibung»

Die Massenkündigung von Mietern in Zürich bewegt die Gemüter im ganzen Land. Nun nimmt der Präsident des Hauseigentümerverbandes Stellung zum Fall: Das Vorgehen der Hausbesitzerin sei inakzeptabel. Gregor Rutz kritisiert aber auch die Stadt Zürich scharf.
12.12.2024, 10:5912.12.2024, 11:57
Francesco Benini / ch media

Inzwischen sind die Sugus-Häuser in der ganzen Schweiz bekannt. Die neun farbigen, quadratischen Wohnblöcke stehen im Zürcher Stadtkreis fünf unmittelbar an den Bahngeleisen. 105 Mietparteien in drei Häusern haben die Kündigung erhalten. Rund 250 Personen sollen bis Ende März ausziehen.

Es handelt sich um eine sogenannte Leerkündigung. Die Blocks werden aufwendig saniert. Danach liegt der Mietzins wahrscheinlich wesentlich höher als jetzt. Der Fall bewegt aus vier Gründen die Gemüter.

Erstens erachten viele den Zeitpunkt der Kündigung kurz vor Weihnachten als unpassend. Zweitens ist die Frist – drei Monate bis zum Auszug – sehr kurz angesetzt. Drittens bezweifeln Mieterinnen und Mieter, dass die umfassende Sanierung nötig ist. In den sechs Sugus-Häusern, die andere Besitzer haben, ist keine solche Massnahme vorgesehen.

Viertens ist es für die betroffenen Personen ausgesprochen schwierig, in der Stadt Zürich bald eine Wohnung zu finden. Die Sugus-Blocks sind zum Symbol der Wohnungsknappheit im Land geworden.

«Die Stadt Zürich bezahlt jeden Preis»

Nun äussert sich der Präsident des Hauseigentümerverbandes Schweiz, Nationalrat Gregor Rutz (SVP), erstmals zu den Kündigungen. «Der Fall ärgert mich sehr. Dieses Vorgehen spottet jeder Beschreibung», sagt Rutz.

Nationalrat Gregor Rutz, SVP-ZH, spricht an einer SVP-Medienkonferenz mit dem Titel "Zuwanderungs-Desaster - so holen wir uns die Kontrolle zurueck", am Donnerstag, 3. August 2023, im Medien ...
«Vorgehen spottet jeder Beschreibung»: SVP-Nationalrat Gregor Rutz, Präsident des Hauseigentümerverbandes Schweiz.Bild: keystone

Er stört sich am Zeitpunkt kurz vor Weihnachten und an der knapp bemessenen Frist. «In einem solchen Fall ist eine frühzeitige Vor-Orientierung aller Betroffenen üblich. Die Kündigungen dürfen nicht aus heiterem Himmel kommen.»

Der Präsident des Hauseigentümerverbandes betont: Die Besitzerin der Häuser sei nicht Mitglied des Verbandes. Und auch die Immobilienverwaltung, welche die Kündigungen ausgesprochen habe, sei ihm nicht bekannt.

Zu Leerkündigungen komme es zwar ab und zu. Die Gründe dafür seien aber verschieden. «Die neuen gesetzlichen Auflagen machen zum Beispiel energetische Sanierungen nötig. Dafür müssen die Liegenschaften manchmal vorher ganz geräumt werden.»

Gregor Rutz ärgert sich über die Besitzerin der drei Sugus-Häuser – und über die Stadt Zürich. Die Stadt prüft derzeit den Kauf der Wohnblöcke. «Zürich bezahlt jeden Preis, das weiss man in der Branche. Die Stadt kauft immer mehr Häuser, bringt damit den Wohnungsmarkt durcheinander – und treibt die Preise in die Höhe.»

Rutz vermutet: Die Besitzerin der drei Häuser könnte mit voller Absicht in inakzeptabler Weise vorgegangen sein – weil sie möglicherweise damit gerechnet habe, dass die Stadt sofort bereitstehe und viel Geld für die Liegenschaft biete.

Teilnehmende waehrend einer Solidaritaetskundgebung mit den Mietenden der Sugus-Wohnbloecke nach einer Massenkuendigungen wegen Totalsanierung, am Sonntag, 8. Dezember 2024 in Zuerich. Ueber hundert M ...
Kundgebung von Mieterinnen und Mietern der Sugus-Häuser am vergangenen 8. Dezember.Bild: keystone

Politischer Druck auf Hauseigentümer steigt

Der Hauseigentümerverband unterlag im vergangenen November in zwei Volksabstimmungen; die Gesetzesänderungen betrafen die Untermiete und Kündigungen wegen Eigenbedarfs des Vermieters. Befürchtet Gregor Rutz nun, dass weitere geplante Anpassungen aussichtslos sind – weil der Ruf der Vermieter angeschlagen ist? Drohen den Hauseigentümern neue Einschränkungen? Im Kanton Zürich entscheidet das Stimmvolk bald über eine Volksinitiative, die verlangt: Leerkündigungen sollen eingeschränkt werden.

«Wir müssen schauen, dass es jetzt keinen Flurschaden gibt», sagt Rutz. Das Klima für Hauseigentümer sei zurzeit schwierig. Die hohe Zuwanderung in die Schweiz habe zu einer Angebotsverknappung an Wohnungen geführt – dafür würden fälschlicherweise Hauseigentümer verantwortlich gemacht.

Es seien aber die rot-grün regierten Städte wie Zürich, die verhinderten, dass die bauliche Verdichtung und damit auch der Bau vieler neuer Wohnungen vorankämen. Gegen die Wohnungsknappheit helfe einerseits eine Beschränkung der Zuwanderung – zum anderen müsse die Regulierung und Bürokratie im Immobiliensektor unbedingt reduziert werden. «Die Stadt Zürich kauft aber ganze Siedlungen zusammen und betreibt eine Politik, die auf direktem Weg zum Kommunismus führt.» Dabei seien gerade jetzt private Investoren gefragt, um Wohnraum zu schaffen.

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Widerstand gegen die Kündigungen in den «Sugus-Häusern»
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Widerstand gegen die Kündigungen in den «Sugus-Häusern»
Rund 1000 Personen protestieren am 8. Dezember vor der «Sugus-Überbauung» in Zürich gegen die Kündigung von 105 Mietparteien.
quelle: keystone / michael buholzer
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Sie sind vermögend, wohnen am Zürichsee und wollen keinen Uferweg auf ihrem Grundstück
Video: watson
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200 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Allkreis
12.12.2024 10:07registriert Januar 2020
Achtung, Rutz ist ein gnadenloser rechtspopulistischer Interessenvertreter - das Ziel des HEV ist einzig eine hohe Rendite für Eigentümer. Wenn Rutz Mieter bemitleidet ist das also eher ein PR Schauspiel.
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goschi
12.12.2024 10:20registriert Januar 2014
Der Fall ärgert Rutz so sehr, weil damit medial zentral an die Öffentlichkeit kommt, wie der HEV gedenkt agieren zu dürfen!

Ja, der Fall ist extrem, aber er ist wegen dem System möglich und der gleiche Fall passiert jährlich hundert- bis tausendfach, nur ohne Medienberichterstattung und halt bei jeweils nur wenigen betroffenen Parteien, statt 100 gleichzeitig, aber das ändert nichts am Problem!

Ja natürlich ärgert der Fall Rutz, nicht weil er passierte, sondern weil er medial Rampenlicht bekommt
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Pummelfee
12.12.2024 10:42registriert Mai 2020
Entweder die Stadt kauft die Wohnhäuser und garantiert den jetzigen Mietzins. Oder man schaut bei der Sanierung genau hin, was alles saniert werden soll und wird, und macht der Besitzerin Auflagen, dass sie nicht teurer vermieten darf. Dann ist die Sanierung plötzlich nicht mehr notwendig..
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