Inzwischen sind die Sugus-Häuser in der ganzen Schweiz bekannt. Die neun farbigen, quadratischen Wohnblöcke stehen im Zürcher Stadtkreis fünf unmittelbar an den Bahngeleisen. 105 Mietparteien in drei Häusern haben die Kündigung erhalten. Rund 250 Personen sollen bis Ende März ausziehen.
Es handelt sich um eine sogenannte Leerkündigung. Die Blocks werden aufwendig saniert. Danach liegt der Mietzins wahrscheinlich wesentlich höher als jetzt. Der Fall bewegt aus vier Gründen die Gemüter.
Erstens erachten viele den Zeitpunkt der Kündigung kurz vor Weihnachten als unpassend. Zweitens ist die Frist – drei Monate bis zum Auszug – sehr kurz angesetzt. Drittens bezweifeln Mieterinnen und Mieter, dass die umfassende Sanierung nötig ist. In den sechs Sugus-Häusern, die andere Besitzer haben, ist keine solche Massnahme vorgesehen.
Viertens ist es für die betroffenen Personen ausgesprochen schwierig, in der Stadt Zürich bald eine Wohnung zu finden. Die Sugus-Blocks sind zum Symbol der Wohnungsknappheit im Land geworden.
Nun äussert sich der Präsident des Hauseigentümerverbandes Schweiz, Nationalrat Gregor Rutz (SVP), erstmals zu den Kündigungen. «Der Fall ärgert mich sehr. Dieses Vorgehen spottet jeder Beschreibung», sagt Rutz.
Er stört sich am Zeitpunkt kurz vor Weihnachten und an der knapp bemessenen Frist. «In einem solchen Fall ist eine frühzeitige Vor-Orientierung aller Betroffenen üblich. Die Kündigungen dürfen nicht aus heiterem Himmel kommen.»
Der Präsident des Hauseigentümerverbandes betont: Die Besitzerin der Häuser sei nicht Mitglied des Verbandes. Und auch die Immobilienverwaltung, welche die Kündigungen ausgesprochen habe, sei ihm nicht bekannt.
Zu Leerkündigungen komme es zwar ab und zu. Die Gründe dafür seien aber verschieden. «Die neuen gesetzlichen Auflagen machen zum Beispiel energetische Sanierungen nötig. Dafür müssen die Liegenschaften manchmal vorher ganz geräumt werden.»
Gregor Rutz ärgert sich über die Besitzerin der drei Sugus-Häuser – und über die Stadt Zürich. Die Stadt prüft derzeit den Kauf der Wohnblöcke. «Zürich bezahlt jeden Preis, das weiss man in der Branche. Die Stadt kauft immer mehr Häuser, bringt damit den Wohnungsmarkt durcheinander – und treibt die Preise in die Höhe.»
Rutz vermutet: Die Besitzerin der drei Häuser könnte mit voller Absicht in inakzeptabler Weise vorgegangen sein – weil sie möglicherweise damit gerechnet habe, dass die Stadt sofort bereitstehe und viel Geld für die Liegenschaft biete.
Der Hauseigentümerverband unterlag im vergangenen November in zwei Volksabstimmungen; die Gesetzesänderungen betrafen die Untermiete und Kündigungen wegen Eigenbedarfs des Vermieters. Befürchtet Gregor Rutz nun, dass weitere geplante Anpassungen aussichtslos sind – weil der Ruf der Vermieter angeschlagen ist? Drohen den Hauseigentümern neue Einschränkungen? Im Kanton Zürich entscheidet das Stimmvolk bald über eine Volksinitiative, die verlangt: Leerkündigungen sollen eingeschränkt werden.
«Wir müssen schauen, dass es jetzt keinen Flurschaden gibt», sagt Rutz. Das Klima für Hauseigentümer sei zurzeit schwierig. Die hohe Zuwanderung in die Schweiz habe zu einer Angebotsverknappung an Wohnungen geführt – dafür würden fälschlicherweise Hauseigentümer verantwortlich gemacht.
Es seien aber die rot-grün regierten Städte wie Zürich, die verhinderten, dass die bauliche Verdichtung und damit auch der Bau vieler neuer Wohnungen vorankämen. Gegen die Wohnungsknappheit helfe einerseits eine Beschränkung der Zuwanderung – zum anderen müsse die Regulierung und Bürokratie im Immobiliensektor unbedingt reduziert werden. «Die Stadt Zürich kauft aber ganze Siedlungen zusammen und betreibt eine Politik, die auf direktem Weg zum Kommunismus führt.» Dabei seien gerade jetzt private Investoren gefragt, um Wohnraum zu schaffen.