«Wenn nötig, mache ich es selbst» – Christoph Blocher will nach Niederlage nicht aufgeben
Das Resultat ist eindeutig: 70 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung lehnte die Neutralitätsinitiative ab. SVP-Doyen Christoph Blocher hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass er nur ein Interview geben werde – auf Tele Blocher. «Das ist ein Schlag gegen die künftige Sicherheit der Schweiz», sagt er, während er in Herrliberg im Grünen sitzt. Jetzt komme es darauf an, was der Bundesrat als Nächstes mache. Im Falle Russlands sei die Neutralität aufgebrochen worden. «Das ist gefährlich», so Blocher.
Bundesrat Ignazio Cassis habe im Vorfeld betont, dass man nicht der Nato beitreten wolle. «Aber das sind Worte eines Bundesrats. Wie schnell die wieder über den Haufen geworfen werden, weiss ich nicht.» Die Kriegsgefahr steige, und «wenn wir nicht mehr neutral sind, noch Partei ergreifen und eine geschwächte Armee haben», wird das ganz gefährlich.
Blocher glaubt, dass mehr Zeit zu einem anderen Resultat geführt hätte und das Volk einer Verankerung der Neutralität in der Verfassung eher zugestimmt hätte.
Trotz des deutlichen Ergebnisses sei es «keine Katastrophe». «Es ist nicht das Ende dieser Diskussion, sondern der Anfang», sagt Blocher. Die Schweiz habe erkannt, dass die Kriegsgefahr wieder da sei. «Wir haben bei null angefangen und sind jetzt schon bei 30 Prozent.» Immerhin habe er zu Beginn selbst die Basis von seiner Idee überzeugen müssen.
Blocher zeichnet ein schwarzes Bild: Russland sei nicht weit von einem Angriff auf den Westen, Deutschland und letztlich auch die Schweiz entfernt. Und dann werde in der Bevölkerung ein Umdenken stattfinden, ist Blocher überzeugt.
Wie die SVP nun genau weiterfahren will, dazu äussert sich Blocher nicht konkret. Seinen Blick richtet er nun wieder auf die EU-Verträge. Aufgeben will Blocher seinen Kampf für die Neutralität aber nicht. «Wenn es nötig ist, mache ich es selbst.» (vro)
