Schiesserei in Aarau: «Das ist Munition für eine Kalaschnikow»
«Man denkt immer, so etwas passiert nur anderswo», sagt eine schockierte Einwohnerin von Aarau. Und doch ist das Unvorstellbare geschehen: Die kleine Kantonshauptstadt mit rund 23’000 Einwohnerinnen und Einwohnern wurde während einer Raveparty zum Schauplatz einer tödlichen Schiesserei. Dabei wurde eine junge Frau erschossen, mehrere Personen wurden verletzt.
Auf den Schock folgen die Fragen. Um welche Waffen handelt es sich? Unklar. Die Aargauer Polizei hat jedoch das Kaliber der gefundenen Patronenhülsen bekannt gegeben. Darunter befindet sich eine 9-mm-Hülse, die zu Pistolenmunition gehört. Und vor allem: mindestens ein Dutzend Hülsen des Kalibers 5,45 x 39 mm für Sturmgewehre.
Ein Sturmgewehr? Könnte es sich um die Munition des Schweizer Armeesturmgewehrs, des bekannten «Stgw 90», handeln? «Das ist völlig ausgeschlossen», bestätigt Frank Radoux, Inhaber eines Waffengeschäfts im Kanton Waadt. Das bei Rekruten bestens bekannte Gewehr verschiesst Munition des Kalibers 5,56 x 45 mm.
Munition für Kalaschnikows
Welche Waffen verwenden dieses Kaliber dann? «Es handelt sich um eine kleinkalibrigere Version der klassischen Kalaschnikow-Munition im Kaliber 7,62 x 39 mm. Sie kam in den 1970er-Jahren auf.»
Mehrere Waffen können diese Munition verschiessen: AK-74, AKS-74U, AK-105 und weitere. Von Gewehren für die klassische Munition lassen sie sich an der Form des Magazins unterscheiden, das weniger stark gekrümmt ist.
«Diese Waffen werden hauptsächlich von Militär- und Polizeikräften des ehemaligen Warschauer Pakts verwendet», erklärt Frank Radoux. Also in zahlreichen osteuropäischen Ländern.
In der Schweiz ist es grundsätzlich möglich, eine Kalaschnikow dieses Kalibers für den Schiesssport zu kaufen – allerdings unter Auflagen, unter anderem wegen der Grösse des Magazins. «Für solche Waffen braucht es eine Ausnahmebewilligung», sagt Frank Radoux. Er selbst verkaufe sie nur sehr selten. «Oft sind es Sammler, die sie kaufen. Sie werden streng kontrolliert und verfügen über Tresorräume.»
An der Front in der Ukraine im Einsatz
Der Waffenhändler verweist auf einen weiteren Ort, an dem diese Waffen und dieses Kaliber weiterhin in grosser Zahl eingesetzt werden: den Krieg in der Ukraine. An der Front verwenden beide Seiten unter anderem Gewehre, die diese Munition verschiessen. Sie wird deshalb weiterhin in grossen Mengen produziert und direkt an die Front geliefert.
«Sowohl die Ukraine als auch Russland verfügen über solche Munition», sagt Frank Radoux. «Sie wird weiterhin für den Krieg produziert und über staatliche Kanäle geliefert.» Zudem weist er darauf hin, dass einige dieser Waffen mitunter in die Hände europäischer Mafias gelangen.
