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30 Grad in der Nacht: ein seltenes Wetterphänomen bei Gewittern

Lightning and dramatic stormy clouds over hilltops
Ein sterbendes Gewitter kann einen sogenannten Heatburst auslösen.Bild: Digital Vision

Plötzlich wird es in der Nacht 30 Grad heiss: ein seltenes Wetterphänomen bei Gewittern

Statt weiter abzukühlen, kann mitten in der Nacht plötzlich wieder heisse Luft vom Himmel fallen. Grund dafür kann ein sogenannter Heatburst sein, der sich in der Nacht auf Sonntag im Thurgau ereignet hat.
29.06.2026, 22:1629.06.2026, 22:16
Stephanie Schnydrig
Stephanie Schnydrig

Es war ein aussergewöhnliches Phänomen, das sich in der Nacht auf Sonntag im Thurgau zutrug: Wie die Wetterstation Aadorf/Tänikon TG zeigt, sank die Temperatur um 11 Uhr nachts zunächst auf 23,3 Grad. Doch bald begann sie wieder zu steigen: Kurz nach Mitternacht stieg das Thermometer erneut auf 30,1 Grad an. Das seltene Wetterphänomen dahinter nennt sich Heatburst – auf Deutsch etwa Hitzestoss.

Für einen Heatburst müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: In Bodennähe liegt eine kalte Luftschicht, während sich darüber ein Gewitter auflöst. Gleichzeitig muss die Luft in der mittleren Atmosphäre heiss und sehr trocken sein. Dadurch verdunstet ein Teil des Regens auf dem Weg nach unten. Die Verdunstung kühlt die Luft zunächst ab, macht sie schwerer und lässt sie als kräftigen Abwind Richtung Boden sinken. Ist der Regen vollständig verdunstet, erwärmt sich die Luft beim weiteren Absinken wieder. Obwohl warme Luft eigentlich leichter ist als kalte, sinkt sie in diesem Fall aber trotzdem weiter, weil der Abwind bereits viel Tempo nach unten aufgebaut hat. Erreicht das Luftpaket schliesslich den Boden, verdrängt es die kühlere Luftschicht. Die Temperatur kann dann innerhalb weniger Minuten massiv ansteigen.

Heatbursts treten vor allem in Sommernächten auf und sind selten, weil mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein müssen: ein sich auflösendes Gewitter, sehr trockene Luft in der Höhe und eine Inversionsschicht – also kalte Luft unten, warme Luft oben. Neben einem plötzlichen Temperaturanstieg können auch kräftige Windböen, teils zerstörerische, auftreten.

Einige der höchsten jemals gemessenen Nachttemperaturen wurden während solcher Heatbursts registriert, wie Beispiele aus aller Welt zeigen. In Wichita im US-Bundesstaat Kansas stieg die Temperatur am 9. Juni 2011 kurz nach Mitternacht innerhalb von nur 20 Minuten von 29 auf 39 Grad. In Kalifornien sprang sie am 16. August 2020 innert kurzer Zeit von 26 auf 39 Grad. Und erst im Januar 2026 wurden in Australien während eines Heatbursts Temperaturen gemessen, die innerhalb kurzer Zeit von 18,5 auf 34 Grad anstiegen.

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quelle: keystone / michel euler
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