DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Offen gesagt

«Lieber Herr Platzer, Widerstand ist zwecklos ...»

Die Pflicht, ein gültiges Covid-Zertifikat vorzuweisen, soll und wird schon bald auf alle öffentlichen Innenräume ausser Kirchen ausgedehnt werden. Es war absehbar, es ist logisch und sozial. Nur Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer versteht das partout nicht.
25.08.2021, 18:3827.08.2021, 09:14
Maurice Thiriet
Maurice Thiriet
Chefredaktor
Maurice Thiriet
Folgen

Lieber Herr Platzer

Nun ist also ihr zweitschlimmster Albtraum eingetreten. Der Bundesrat will die Zertifikatspflicht auf alle öffentlichen Innenräume ausdehnen.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Heisst: Schon bald müssen alle, die ein Restaurant, eine Bar oder eine Kantine betreten wollen, nachweisen können, dass sie getestet, geimpft oder genesen sind.

Gleichzeitig wird man die für das Zertifikat nötigen Tests ab 1. Oktober selbst zahlen müssen.

Ziel dieser Massnahmen ist natürlich, Impfunwillige vom öffentlichen Leben auszuschliessen oder massiv zur Kasse zu bitten.

Angesichts der schon wieder anziehenden Patientenzahlen in den Spitälern stehen die Chancen gut, dass die Zertifikatspflicht für Restaurants schneller kommt, als man sich jetzt noch vollständig impfen lassen kann.

Und bei der derzeitigen Impfquote von knapp über der Hälfte der Bevölkerung heisst das, dass Ihrer Branche, zumindest im Herbst, noch fast die Hälfte des Markts einfach wegfällt.

Ihr Auftrag ist es, dagegen etwas zu unternehmen und das tun Sie auch. Aber Sie kommen mit Ihrer derzeitigen Strategie nicht zum Ziel.

Sie können in Ihren Medienkonferenzen noch lange mittels verwirrenden Zahlen, Gefälligkeits-Gutachten und epidemiologischen Halbwahrheiten auf Konfrontationskurs gehen und Reaktanz demonstrieren: Für den Herbst ist es sowieso zu spät und auch nachher werden Sie gegen die soziale Logik der bundesrätlichen Massnahmen nicht ankommen.

Die Impfung ist das günstigste und wirksamste Mittel, die Pandemie einzudämmen. Wer sich nicht impfen lässt, obwohl es möglich wäre, verlängert die Misere unnötigerweise auch für alle anderen. Mit steigender Impfquote werden immer grössere Teile der Bevölkerung das genau so sehen. Also steigt die Akzeptanz der Druckmittel auf Impfunwillige. Also auch der Zertifikatspflicht.

Spätestens dann ist all Ihr Widerstand zwecklos.

Was also tun? Ich schlage vor, Sie halten es mit Watson, dem republikanischen US-Senator James E. Watson. Er prägte in den Dreissigerjahren die Parole «If you can't beat them, join them». Wenn einem ein Gegner überlegen ist, dann muss man sich mit ihm zusammen tun, um wenigstens ein bisschen Kontrolle über die Situation zu behalten.

In Ihrem Fall heisst das: Helfen Sie mit, die Impfquote zu erhöhen. Je schneller diese steigt, desto rascher erreichen Sie Ihr Ziel, dass die Gastro-Umsätze wieder ansteigen.

Sie haben Geld, Sie haben Einfluss und Sie erreichen mit Ihren Mitgliedern täglich Millionen Leute persönlich. Machen Sie denen klar, dass ihre Lieblingsbeiz nicht deshalb leidet, weil Ungeimpfte keinen Zutritt mehr haben. Sondern weil die Ungeimpften dafür sorgen werden, dass wieder Shutdowns und Schliessungen nötig werden.

Ich denke, das wird nützen, denn das ist ja nicht nur Ihr schlimmster Albtraum ...

Mit freundlichen Grüssen

Maurice Thiriet

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So wird in Luzern geimpft

1 / 45
So wird in Luzern geimpft
quelle: keystone / urs flueeler
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

23 Gründe, wieso watsons sich impfen lassen haben

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Offen gesagt

«Lieber Herr Berset, Sie müssen das jetzt regeln ...»

Vergangenes Wochenende passierte, was sowieso passiert wäre, Lockerungsschritte hin oder her: Die Jugend tanzte und wird zum Sündenbock gemacht. Damit hat die Entsolidarisierung in der Bevölkerung begonnen. Das ist gefährlicher als jeder einzelne Infektionsherd.

Lieber Herr Berset

Es wäre wieder ein General-Dufour-Moment für Sie. Sie erinnern sich? Der Tagsatzungs-General im Sonderbundskrieg mit dem wichtigen Strategie-Grundsatz: «On verra ensuite».

Sie wussten, dass mit den weitreichenden Lockerungen der Corona-Massnahmen neue Infektionsherde entstehen würden. Und Sie mussten auch davon ausgehen, dass diese vorwiegend in Clubs und Gottesdiensten ausbrechen würden. So wie überall sonst auf der Welt auch.

Genau das ist geschehen, nachdem Clubs wieder …

Artikel lesen
Link zum Artikel