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Offen gesagt

«Lieber Herr Parmelin, das Geld wird Sie nicht glücklich machen ...»

Der Wunsch des Bundespräsidenten soll erfüllt werden. Ungeimpfte sollen sich ab 1. Oktober nicht mehr kostenfrei auf Covid-19 testen dürfen. Dass das die Impfquote nach oben treibt, ist zu bezweifeln. Und ob es sich rechnet, sowieso.
11.08.2021, 19:26
Maurice Thiriet
Maurice Thiriet
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Maurice Thiriet
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Lieber Herr Bundespräsident Parmelin

Willkommen zurück! Ich hoffe, Sie hatten erholsame Sommerferien.

Die sind ja unterbrochen worden von einem Interview, in dem Sie den heutigen Entscheid des Bundesrates vorspurten: Ungeimpfte sollen Ihre Corona-Tests künftig selbst bezahlen, jedenfalls sofern sie keine Symptome haben.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Sie haben sich mit Ihrer Forderung nun im Bundesrat durchgesetzt. Per 1. Oktober soll die Testsubvention enden, so geht es in Vernehmlassung bei Kantonen und Parlament.

Sie begründeten Ihren Vorstoss damit, dass die jetzige Regelung unfair sei. Diejenige Hälfte der Bevölkerung, die mittels Impfung hilft, die Pandemie zu beenden, finanziere die Tests derjenigen Hälfte mit, die von dieser schon jetzt zu länglichen Pandemie-Veranstaltung noch eine furiose Zugabe sehen will.

Das stimmt natürlich. Fair im Sinne des Verursacherprinzips ist es nicht. Aber es ist wohl trotzdem vernünftig, den Zugang zu Tests auch für Impfskeptiker so hürdenlos wie möglich zu gestalten.

Wahrscheinlich besteht im Bundesrat ein wenig die Hoffnung, dass bei bestehender Zertifikatspflicht für den Besuch von Clubs und Grossveranstaltungen sich noch viele in der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen impfen lassen. Weil sie nicht das Budget und nicht den Nerv haben, sich vor jedem Ausgang testen zu lassen.

Doch selbst wenn dieses Kalkül aufgeht, wird das die Impfquote von derzeit rund 50 Prozent nicht in einen Bereich bringen, wo man das Monitoring der Pandemie vernachlässigen kann.

Man müsste also mit der Ausweitung der Zertifikatspflicht weitere Gruppen von Impfunwilligen überzeugen. Das wird eher nicht funktionieren.

Nach der fast schon dadaistisch-absurd ausgearteten Impfdebatte der letzten Monate ist klar, dass diejenigen, die sich jetzt immer noch nicht impfen lassen wollen, mit nichts von irdischem Ursprung zur Meinungsumkehr bewegt werden können.

Die Reaktanz wird eher noch zunehmen, die Impfquote stagnieren und gleichzeitig die Testquote abnehmen, was die Überwachung der Pandemie erschwert, Ausbrüche und damit auch die Gefahr einer Überlastung der Spitäler begünstigt.

Dann hätten Sie als Geimpfter und bürgerlicher Bundespräsident zwar ein bisschen Geld für Gratis-Tests eingespart, riskierten aber, dass wieder schärfere Eindämmungs-Massnahmen nötig werden, die dann rasch wesentlich mehr kosten als ein paar Antigen-Tests.

Ich glaube, dieses gesparte Geld würde Sie nicht glücklich machen.

Hochachtungsvoll

Maurice Thiriet

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